Besondere Auszeichnung

Göttinger Friedenspreis für Amica: Einsatz für die Frauenrechte

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Verleihung des Friedenspreises in der Aula am Wilhelmsplatz: (von links) Sylvia Rombach, Andreas Zumach, Gabriele Michel und Carmen Barann. 

Der Verein Amica setzt sich für Frauenrechte in Kriegs- und Krisenregionen ein. Für diese besondere Arbeit erhielt die Freiburger Organisation am Wochenende den Göttinger Friedenspreis, den die Stiftung Dr. Roland Röhl jährlich verleiht.

Viel erreicht habe die Frauenbewegung, aber immer noch viel zu wenig. Das sagte Professorin Herta Däubler-Gmelin, frühere Bundesjustizministerin, in ihrer Laudatio vor 150 Zuhörern in der Aula am Wilhelmsplatz.

Von „unglaublich mächtigen Gegeninteressen“ sprach Däubler-Gmelin. Diese machten Frauen zu Opfern von „Unterdrückung, Ausbeutung und purer Gewalt“. Gleichzeitig versuchten diese Kräfte, die Zivilgesellschaft – nicht zuletzt über die neuen Medien – zu manipulieren. Leider seien das keine „Rückzugsgefechte“. Der Kampf für Frauenrechte gehe „unter sich ändernden Umständen“ weiter. Die Ex-Ministerin forderte „weibliche Solidarität“ ein, wie sie der Freiburger Verein zeige.

Die notwendige Kraft für solche Auseinandersetzungen schöpfe sie aus ihrer Wut über die Flut schlechter Nachrichten, verriet Gabriele Michel, die Vorstandsvorsitzende von Amica. Die Angst vor Gegenreaktionen verfliege, wenn sie alle Kraft in den Dienst ihrer Vision einer geschlechtergerechten Gesellschaft stelle.

Amica ist für Frauen in Kriegs- und Krisenregionen aktiv. Der Verein schützt Frauen, setzt sich für die strafrechtliche Verfolgung ihrer Peiniger ein, engagiert sich in der Vorbeugung von Gewalt und stärkt die Teilhabe von Frauen.

Entstanden ist die Organisation 1993 während des Kriegs in Bosnien und Herzegowina, als Bürger aus Freiburg Hilfstransporte ins Kriegsgebiet organisierten. Amica hilft dort noch heute traumatisierten Frauen. „Die Arbeit hört nicht auf, wenn die Waffen schweigen“, betonte Michel. Der Verein ist mittlerweile auch in sieben weiteren Ländern aktiv.

Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) forderte die Zuhörer zu aktiver Friedensarbeit auf. Sie sollten den „Samen des Hasses“ nicht keimen lassen. Wissenschaftler müssten ihr Wissen zu den „drängenden Fragen der Zeit“ der Öffentlichkeit allgemein verständlich zugänglich machen, verlangte Göttingens Universitätspräsident Prof. Reinhard Jahn.

Andreas Zumach und Carmen Barann von der Stiftung Dr. Röhl gingen auf die Kontroversen ein, die es im vergangenen Jahr gab. Damals war der Friedenspreis an die Gruppe „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ gegangen, die der Zentralrat der Juden als „antisemitisch“ einstuft. Während der Debatte sei deutlich geworden, dass der Zentralrat nicht für alle Juden spreche, erklärte Zumach. Barann dankte der Galerie Alte Feuerwache, dass sie der Stiftung seinerzeit „Asyl“ gewährt habe.

VON MICHAEL CASPAR

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