Name habe Mitschuld an beruflichem Misserfolg

Trotz angegebener psychischer Belastung: Göttinger darf Vornamen nicht ändern

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Das Verwaltungsgericht Göttingen: Die Richter lehnten den Wunsch nach einer Namensänderung ab.

Vor dem Göttinger Verwaltungsgericht ist ein 45-Jähriger gescheitert. Er wollte sich durch eine Namensänderung von seiner Vergangenheit distanzieren.

Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden. Das Gericht wies damit die Klage eines 45-jährigen Mannes gegen die Stadt Göttingen ab. Der Kläger wollte die Stadt gerichtlich dazu verpflichten lassen, seinen Vornamen zu ändern, weil dieser ihn fortlaufend an seine negative Kindheit und Jugend erinnere. (Wir nennen den sehr seltenen Vornamen hier bewusst nicht, um die Identität des Betroffenen zu schützen).  

Die Verwaltung lehnte den Antrag ab, weil der 45-Jährige einen für die Zeit seiner Geburt üblichen Namen habe und die von ihm geschilderten Belastungen nicht hinreichend belegt seien. Das Gericht sah dies ebenso (Aktenzeichen 4 A 384/17).

Göttinger hatte traumatische Erfahrungen wegen seines Namens

Der 45-Jährige hatte seit 2015 bereits mehrfach bei der Stadt Göttingen diverse Anträge auf Änderung seines Vornamens und teilweise auch seines Nachnamens gestellt, die er jeweils zurücknahm. 2017 beantragte er schließlich die Änderung seines Vornamens. 

Er begründete dies damit, dass er mit der Namensänderung psychischen Belastungen durch traumatische Erfahrungen in seiner Herkunftsfamilie und berufliche Misserfolge entgegenwirken wolle. Außerdem wolle er sich von früheren Verfehlungen distanzieren und ein äußeres Zeichen für eine Wandlung setzen, da sei bisheriger Name ein Integrationshindernis auf dem Arbeitsmarkt darstelle.

Der Kläger ist nach eigenen Angaben seit 2008 arbeitslos. Er habe weder nach dem Studium noch nach einer zusätzlichen Ausbildung zum Gymnasiallehrer eine feste Anstellung bekommen. Bewerbungen als Lehrkraft oder Techniker seien erfolglos geblieben. Er habe den Eindruck gehabt, dass er auch wegen früherer Verfehlungen abgelehnt worden sei.

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Mitglied in Band mit rechtslastigen Texten

Er komme aus einer zerrütteten Familie, habe in der Schulzeit Auseinandersetzungen mit anderen Schülern gehabt, Lehrer gemobbt und beleidigt und in der Abizeitung hetzerische Artikel gegen sie verfasst. Ferner habe er mehrere Jahre in einer Rock- und Metal-Band mitgewirkt, deren Liedtexte tendenziell rechtslastig und jugendgefährdend gewesen seien.

Dieser Beitrag stammt von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

Die Führung seines derzeitigen Namens bedeute für ihn eine psychische Belastung, hindere ihn an der Entfaltung seiner Persönlichkeit und bringe ihm auch berufliche Nachteile.

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