Prozess um Steuerhinterziehung

Göttinger Gericht verurteilt Ex-Bordellbetreiber

Der Eingang zum Landgericht Göttingen
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Prozess vor dem Landgericht Göttingen: Hier wurde der 61-Jährige verurteilt. (Archivfoto)

Wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe hat sich am Dienstag ein früherer Bordellbetreiber vor dem Landgericht Göttingen verantworten müssen.

Göttingen/Northeim – Die Staatsanwaltschaft hatte ihn angeklagt, in den Jahren 2010 bis 2015 Einkommens-, Gewerbe- und Umsatzsteuern in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Weil die Fälle bereits lange zurückliegen und die Zeuginnen nur schwer zu ermitteln sein dürften, unterbreitete die Wirtschaftsstrafkammer zum Prozessstart einen Verständigungsvorschlag, der eine deutliche Beschränkung des Verfahrens beinhaltete.

Da der Vorschlag auf allgemeine Zustimmung stieß, konnte die Kammer bereits nach kurzer Verhandlungsdauer das Urteil verkünden: Das Gericht verurteilte den 61-Jährigen wegen Steuerhinterziehung in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dem Fiskus sei durch die Taten ein Gesamtschaden von 112 000 Euro entstanden.

Zuvor hatte der Angeklagte über seinen Anwalt eine geständige Einlassung abgeben lassen. Sein Mandant räume ein, mindestens 30 Prozent seiner Umsätze nicht vollständig erklärt zu haben, sagte Verteidiger Karl-Heinz Mügge. Hierfür wolle er sich ausdrücklich entschuldigen.

Laut Anklage soll der 61-Jährige allein für ein Etablissement in Göttingen über mehrere Jahre hinweg die jährlichen Umsätze und Gewinne um insgesamt mehr als 800 000 Euro zu niedrig angesetzt und dadurch Steuern in Höhe von jeweils etwa 150 000 Euro hinterzogen haben.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll er auch nicht die vorgeschriebenen Sozialbeiträge für die Prostituierten abgeführt haben. Da diese Fälle jedoch infolge einer Gesetzesänderung inzwischen verjährt sind, wurde diese Anklage nicht zur Hauptverhandlung zugelassen.

Als Bewährungsauflage soll der Angeklagte, der laut einer Bescheinigung des Jobcenters inzwischen von Arbeitslosengeld II lebt, 2000 Euro an die Staatskasse zahlen. (Heidi Niemann)

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