122 Schadenersatzklgen abgelehnt

Göttinger Gruppe: Erneute Niederlage für Anleger vor dem Landgericht

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Bauruine: Die Göttinger Gruppe hat ein en repräsentativen Firmensitz im Industriegebiet Siekhöhe gebaut. Der Bau steht dort noch immer unvollendet.

Erneut haben zahlreiche Anleger des insolventen Finanzkonzerns „Göttinger Gruppe“ eine gerichtliche Niederlage erlitten. 

Das Landgericht Göttingen hat jetzt weitere 122 Klagen von Anlegern gegen eine Unternehmensberatungsgesellschaft sowie Wirtschaftsprüfer des Finanzkonzerns zurückgewiesen.

Ähnlich wie auch schon in zahlreichen früheren Verfahren kam die Zivilkammer auch in diesen Fällen zu dem Schluss, dass etwaige Schadensersatzansprüche der Anleger verjährt seien.

Die Firmenpleite des auf dem grauen Kapitalmarkt agierenden Finanzkonzerns ist einer der größten Anlageskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. 270.000 Anleger hatten auf die Anlagemodelle vertraut und Verträge über atypische Beteiligungen zur Altersvorsorge abgeschlossen. Finanzexperten hatten allerdings bereits Mitte der 1990-er Jahre vor einem Schnellballsystem gewarnt und die undurchsichtigen Strukturen und Beteiligungen des Unternehmens kritisiert. Im Juni 2007 eröffnete das Amtsgericht Göttingen das Insolvenzverfahren über die Securenta AG, die als Hauptgesellschaft des Konzerns fungierte. Insgesamt soll die „Göttinger Gruppe“ rund eine Milliarde Euro von Anlegern eingesammelt haben.

Die klagenden Anleger wurden allesamt von einer Anwaltskanzlei in Jena vertreten. Für die Anwälte dürfte es ein einträgliches Geschäft sein, für die Mandanten haben sich die Zivilprozesse dagegen bislang nicht gelohnt. Insgesamt hat die Kanzlei mehr als 4500 Schadensersatzklagen gegen Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer des Finanzkonzerns beim Landgericht Göttingen erhoben. Inzwischen haben die Richter mehr als 3000 Verfahren erledigt. Im August und September stehen zwei weitere Verkündungstermine an, bei denen es um insgesamt 280 Klagen geht. Die verbliebenen 1200 Verfahren sollen nach Angaben eines Gerichtssprechers voraussichtlich bis Mitte 2020 abgeschlossen werden.

Damit ist die Klageflut allerdings noch längst nicht bewältigt: Bei zwei anderen Zivilkammern des Landgerichts Göttingen sind derzeit noch rund 4400 weitere Klagen anhängig, die sich gegen einstige Verantwortliche des Finanzkonzerns richten. 700 Klagen aus diesem Komplex seien inzwischen entschieden, sagte ein Gerichtssprecher. Alle Klagen seien wegen Verjährung abgewiesen worden. Bis die jetzt noch anhängigen Verfahren entschieden werden können, werde es noch eine Weile dauern.

Die Richter hätten noch zwei ergänzende Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben, die bis zum Sommer nächsten Jahres vorliegen sollen.

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