Aktion in der ersten Pause

Göttinger Gymnasien fordern Sozialpädagogen: Protestballons an die Regierung

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Aktion der Schulelternräte der Göttinger Gymnasien: Sie fordern Sozialpädagogen in allen Schulen, besonders den Gymnasien. Schüler der fünften Klassen des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) lassen 100 Ballons als Zeichen an das Kultusministerium fliegen.

Göttingen. Ballons für die Landesregierung: Am Freitag stiegen in der ersten Pause auf den Schulhöfen von vier Göttinger Gymnasien hunderte bunte Ballons in den Himmel. Sie transportierten den Protest der Schulelternräte gegen die einseitige Zuteilung von Sozialpädagogen in Schulen.

Besonders die Gymnasien fühlen sich von der Verteilung der Sozialpädagogen durch das Kultusministerium abgehängt. „Offenbar herrscht die Annahme, dass die „bildungsbürgerliche Klientel dieser Schulform nur einen geringen Bedarf für eine solche Betreuung hat“, schreibt Ines Kettler, vom Felix-Klein-Gymnasium (FKG) als Vertreterin aller Elternvertreter der Gymnasien in Südniedersachsen.

Integrationsarbeit

Das aber trifft längst nicht mehr zu, wie Nicole Salditt, Claudia Pieper und Birgit Hehekamp-Lang aus dem Schulelterratvorstand des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG), die die die Aktion mit Schülern der fünften Klassen unterstützten, betonen: „Die Situation an den Gymnasien hat sich völlig verändert. So wird hier am THG Integrationsarbeit mit Geflüchteten aus der IWF-Unterkunft geleistet, dazu kommt die Inklusion von behinderten Kindern.“ Auch das Otto-Hahn- und das Hainberg-Gymnasium machten am Freitag mit.

„Sozialpädagogen für Gymnasien“: Das stand auf den Ballons, die die Schulelternräte der Göttinger Gymnasien am Freitag steigen ließen – am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) ließen Fünftklässler 100 Ballons fliegen. Foto: Kopietz

Am THG hatte man sogar schon aus eigenen Töpfen einen Sozialpädagogen engagiert und querfinanziert, bis diese Möglichkeit gestrichen wurde. „Wir benötigen an den Gymnasien in Göttingen und bei uns am THG Sozialpädagogen“, sagt Schulleiterin Dr. Ulrike Koller.

Bessere Ausstattung

Die Gesamtschulen seien deutlich besser ausgestattet. Dass es dort Schulsozialarbeiter gibt, sei auch in Ordnung, aber sie würden an allen Schulen benötigt, sagten die Elternvertreter. „Deshalb fordern wir Sozialpädagogen für alle Schulen“, so Claudia Pieper vom THG-Schulelternrat.

Aktion für Sozialpädagogen: Auch am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium stiegen die Luftballons in die Höhe.

Jetzt habe das Kultusministerium den Gymnasien erlaubt, Sozialpädagogen selbst einzukaufen, wie auch Lehrer für bestimmte Fächer. Das Geld aber fehle dann genau für die Möglichkeit, Lehrer zu verpflichten, schildert der stellvertretende THG-Schulleiter Mathias Behn.

Die Südniedersachsen-Schulelternräte jedenfalls hoffen, dass die Luftballon-Aktion die Aufmerksamkeit der Politiker noch einmal auf das Problem lenkt. Zwei Gespräche mit dem Ministerpräsidenten Stephan Weil gab es in der Sache schon. Eine Petition „Sozialpädagogen auch für Gymnasien“ liegt zudem in Hannover vor. „Leider hat der Ministerpräsident unsere Bitte auf ein weiteres Gespräch abgelehnt“, berichtet Ines Kettler, die noch einmal auf die „skandalöse Ungleichbehandlung hinweisen wollte“.

Die Ballonaktion am Freitag soll so eine Gedächtnisstütze für Weil und sein Kultusministerin Frauke Heiligenstadt sein. Der Wind trug die Ballons am Freitag leider nicht in Richtung Hannover.

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