Unterrichtsplanung ist schwierig

Göttinger Gymnasien nach Urteil schlagartig unterversorgt

Große Probleme bei der Unterrichtsversorgung: Die Göttinger Gymnasien müssen nach dem Gerichtsurteil umplanen und hoffen schnell auf neue Stellen. Das Foto zeigt das Hauptgebäude des Felix-Klein-Gymnasiums in Göttingen. Archivfoto: Kopietz

Göttingen. Nach dem Gerichtsurteil über Lehrer-Arbeitsstunden klafft bei den Göttinger Gymnasien eine noch größere Lücke bei der Unterrichtsversorgung.

Viele Fragen sind offen, kurzfristig können kaum Stellen besetzt werden.

Nachdem das Oberverwaltungsgericht die zusätzliche Stunde Unterricht für Gymnasiallehrer für rechtswidrig erklärt hat, beginnt die Unterrichtsplanung von vorne. Eigentlich müssen nun mehr Lehrer eingestellt werden als geplant, aber stattdessen hat die Landesschulbehörde nach Berichten mehrerer Schulleiter bereits zugesagte Stellen wieder zurückgezogen. Der Grund: Der Stellenbedarf muss neu berechnet werden.

Das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) trifft es besonders schwer. „Wir haben ohnehin einen hohen Bedarf, weil vier unserer Lehrer in Pension gehen“, erklärt Leiterin Ulrike Koller. 80 Lehrer unterrichten am THG. Durch den Abzug der einen Unterrichtsstunde ergibt sich zusätzlich ein Bedarf von drei Lehrstellen, rechnet Koller vor - sechs Prozent der Unterrichtsversorgung. „Wir sind zum neuen Schuljahr klar unterversorgt.“

Dennoch: Am THG werden wieder Klassen- und Studienfahrten geplant, kündigte Koller an. Erste Projektfahrten finden bereits im Juli statt. Die waren laut Koller aber bereits vor dem Boykott geplant. Weitere Ausflüge stehen noch nicht fest, werden sich vermutlich aber in das Jahr 2016 verschieben. „Wir beraten uns gerade mit den Klassenlehrern und werden dann die neuen Termine festlegen.“

Das Problem, das alle Gymnasien betrifft: Der Unterricht für das kommende Jahr ist bereits geplant, die Extrastunde schon eingerechnet. Ob diese Überstunden angerechnet oder anderweitig ausgeglichen werden können, darüber rätseln die Pädagogen.

Außerdem würde jede Zusage von höherer Stelle von den Lehrern kritisch beäugt, meint Dr. Wolfgang Schimpf, Leiter des Max-Planck-Gymnasiums: „Da herrscht generell eine große Skepsis gegenüber der Politik nach den letzten Entwicklungen.“

Selbst wenn nun noch kurzfristig neue Stellen für Lehrer geschaffen würden, befürchtet Schimpf: „Der Markt ist leergefegt.“ Die meisten Anwärter seien inzwischen in andere Bundesländer gegangen, vermutet er. Man müsse nun erst wieder neue, geeignete Bewerber suchen.

Auch für die Geschwister-Scholl-Gesamtschule, bei denen nur etwas mehr als die Hälfte der 175 Lehrer im Gymnasialzweig unterrichten, ist die Unterrichtsplanung nun schwierig. Leiter Tom Wedrins: „Wir verlieren jetzt Planungszeit, das wird also auf jeden Fall doppelte Arbeit.“

Wie gut die Unterrichtsversorgung ist, ist aktuell unsicher, bekräftigt Michael Brüggemann, Leiter des Felix-Klein-Gymnasiums: „Es ist schwierig Prognosen zu treffen.“

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