Viel Lob für Tobias Wolff

Göttinger Händel-Festspiele: Drei Dirigenten in einem Konzert

Sponsoren, Unterstützer, Künstler: Sie alle machen die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen erst möglich. Zur Programmvorstellung postieren sie sich vor der Alten Mensa am Göttinger Wilhelmsplatz.
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Sponsoren, Unterstützer, Künstler: Sie alle machen die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen erst möglich. Zur Programmvorstellung postieren sie sich vor der Alten Mensa am Göttinger Wilhelmsplatz.

Als die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen am Donnerstag ihr Programm für die verschobene 101. Auflage des ältesten Musikfestivals in Niedersachsen vorstellen, mischte sich unter die Freude, vom 9. bis 19. September ein Live-Festival mit dem Aushängeschild Festspieloper „Rodelinda“ vor Zuschauern anzubieten, auch Dank und Wehmut.

Göttingen – Darüber, dass der Mann, der das Festival mehr als ein Jahrzehnt geleitet und die 101. Auflage noch konzipiert hat, bereits als Leiter der Staatsoper in Leipzig arbeitet: Tobias Wolff.

Dessen Nachfolger, Jochen Schäfsmeier, ist bereits einige Monate in Göttingen, und beide haben sich hervorragend arrangiert, gestalteten die Begrüßung und Programmvorstellung im Beisein der wichtigsten Festival-Förderer denn auch im souveränen Doppelpass.

Ja, Tobias Wolff ist weg und dennoch da. Er wird das Festival mit begleiten. Und das ist eigentlich das 100., das 2020 mit einem Mega-Programm gefeiert werden sollte, aber ausfallen musste – coronabedingt. Jetzt steuern die Händel-Festspiele also auf ein unechtes Jubiläum zu: das 100. wird mit 16 Monaten Verspätung zum 101. gefeiert. Und wenn es die Inzidenz dann zulässt, in Präsenz vor Publikum. „Liegt die Inzidenz unter 50“, dann werden wir wie geplant starten“, sagt Neu-Geschäftsführer Jochen Schäfsmeier, der dann Tobias Wolff die souveräne Moderation und die Fragen an die wichtigsten Unterstützer aus Wirtschaft, Stiftungen und öffentlichen Einrichtungen wie Stadt, Kreis und Land überließ.

Die goldene 100 leuchtet weiter auf dem Programmheft. Das aufwändig wie schön gestaltete Jubiläumsmagazin sollte auf keinen Fall eingestampft werden, wie Wolff erzählt. Wurde es auch nicht, nur um einen Einleger ergänzt. Das musste sein, denn es gibt Programmänderungen und auch andere Spielstätten – coronabedingt.

Vor allem die riesige Lokhalle rückt in den Mittelpunkt, bietet sie doch viel Platz – ideal unter geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Dort werden auch zu sehen sein „Ariodante“, die Familienfassung der Festspieloper „Rodelinda“ und ein Public-Viewing der Festspieloper. Dazu ein Knaller: die sensationelle Jubiläumsgala mit gleich drei Händel-Festspiele-Konzertmeistern, die sich das Orchester teilen, nämlich Nicholas McGegan, Laurence Cummings und George Petrou. Drei Dirigenten in einem Konzert, das gab es in der hundertjährigen Festspielgeschichte noch nie.

Letzterer aus diesem Dreamteam, Petrou, wird ab 2022 Cummings beerben. Am 15. und 16. September wird das Dirigenten-Trio Ausschnitte aus „Rinaldo“ bringen. Für ein Feuerwerk der Vokalkunst werden dann Weltklasse-Solistinnen sorgen, versprechen die Händelfestspiele-Macher. Petrou bringt übrigens die Sängerin Myrto Papatanasiu mit, eine Landsfrau des Griechen.

Laurence Cummings, der sympathische Brite, geht also auch nach diesen Festspielen. Am Donnerstag war er live zugeschaltet, irgendwo aus dem englischen „Middle of Nowhere“, wie er sagte. Cummings ist von London aufs Land gezogen – nach East Sussex. Als Musikchef der Händelfestspiele habe er „jeden Moment genossen“. Die Dirigentschaft im Gala-Konzert teilen zu müssen, mache ihm nichts aus: „Ich bin kein eifersüchtiger Mensch.“

„Rodelinda“ war 1920 die erste Festspieloper, und sie ist es auch nach 100, bzw. 101, Jahren: „Die Produktion stand schon vor einem Jahr, auch das Bühnenbild“, schildert Tobias Wolff. „Darauf konnten wir zurückgreifen.“

Der offene Vorverkauf startet übrigens am 16. Juli, über die bekannten Göttinger Vorverkaufsstellen, Eventim-Verkaufsstellen und über die Festspiel-Homepage. Wer keine Karten bekommen sollte, kann aufs Public Viewing in der Lokhalle setzen, oder den Live-Video-Stream von ARTE sowie eine Aufzeichnung von NDR-Kultur.

Bei der Programmvorstellung übrigens wurde Moderator Tobias Wolff – ungewollt, aber verdientermaßen – zur Hauptfigur. Sowohl die langjährigen Sponsoren wie Andreas J. Büchting, Rainer Hald und Unterstützer wie DT-Intendant Erich Sidler und Kulturdezernentin Petra Broistedt strichen die herausragende Arbeit Wolffs heraus, verbunden mit herzlichen Dankesgrüßen. Einheitliches Urteil aller: Die Zusammenarbeit mit Tobias Wolff habe viel Spaß gemacht und der habe die Göttinger Händelfestspieler weiterentwickelt – auch in die Region und mit immer neuen Ideen auch inhaltlich. Davon künden auch Cross-Over-Projekte mit Tanz und Hip-Hop, die bundesweit, ja international beachtet wurden. Diesmal liefert Art la Danse-Betreiberin Judith Kara mit einem Projekt und EZIO – Game of Rome, HipH-Opera mit vielen einheimischen Künstlern.

Kein Wunder, dass so das auf guten Erlebnissen basierende Gefühl des Wehmutes um den Wolff-Abschied am Donnerstag in der Alten Mensa mitschwang. Weitere Infos gibt es hier. (Thomas Kopietz)

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