20 Jahre Göttinger Herzzentrum

Göttinger Herzzentrum treibt seit 20 Jahren Lehre, Forschung und Versorgung voran

High-Tech-Medizin bietet das Herzkatheter-Labor im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.
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High-Tech-Medizin bietet das Herzkatheter-Labor im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.

Aus den Ideen, in der Uni-Klinik die Ausbildung für Herz-Mediziner zu optimieren und die Versorgung von schwer herzkranken Menschen zu verbessern, ist ein Erfolgsmodell geworden.

Göttingen – Das Herzzentrum an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gibt es seit 20 Jahren – und dort werden auch die sensationellen technischen Entwicklungen aus der Top-Forschungsstadt Göttingen genutzt.

Dort wird die Grundlagenforschung, die Entwicklung wegweisender Diagnose- und Operationstechnik, mit der Anwendung am Patientenbett sowie im ambulanten Bereich verknüpft. Ob dieses Herzzentrum, das 2016 ein top-modernes Herzforschungsgebäude in Betrieb genommen hat und bald das wegweisende „Herz-Hirn-Forschungszentrum“ bekommt, ein Erfolg ist, das beweisen auch die Zahlen: 7.000 Patienten aus einem Umkreis von 100 Kilometern werden im Herzzentrum jährlich stationär versorgt, 13.000 werden ambulant behandelt, wie der Vorsitzende und Initiator des Herzzentrums Göttingen, Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, sagt.

Für UMG-Vorstandssprecher Prof. Dr. Wolfgang Brück ist es gar eine „sagenhafte Erfolgsstory“, die das Herzzentrum seit der Jahrtausendwende geschrieben hat. Die Wissenschaftler arbeiten auch in einem Sonderforschungsbereich und einem Exzellenz-Cluster – disziplin- und fächerübergreifend. So fließt auch viel Geld von Außen, für Technik, für Projekte und für Stellen. Den Betrieb allerdings muss die Uni-Klinik auch oft zu großen Teilen selbst stemmen.

Motoren des Herzzentrums: Die UMG-Professoren Gerd Hasenfuß und Dörte Katschinski nehmen sich des Schicksals herzkranker Menschen an.

Für den Vorstand um Wolfgang Brück steht das allerdings nicht zur Debatte: Schließlich – und das ist für den Maximalversorger Uni-Klinik eine Kernaufgabe – geht es neben der Forschung und Ausbildung besonders um die Versorgung der Patienten aus der Region.

Gerd Hasenfuß wird nicht müde zu sagen, worum es ihm im Schwerpunkt geht: „Wir wollen die Diagnose- und Behandlungsverfahren für Patienten mit Herzerkrankungen verbessern und neu entwickeln.“ Er benutzt dabei gerne das Wort translatorisch. Das heißt: Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung, so von Stammzellenforschern, Neurologen, Pharmakologen und anderen, schnell in die Anwendung am Bett, am Patienten zu bringen.

2021 ist dabei wieder ein wichtiger Zeitraum: In der Uni-Klinik startet die Erprobung des Herzpflasters. Dabei wird aus Stammzellen im Labor gezüchtetes Gewebe auf schadhaftes oder leistungsschwaches Herzgewebe gesetzt. Aus diesen bahnbrechenden Resultaten Göttinger Spitzenforscher – in diesem Fall um das Team von Prof. Wolfram-Hubertus Zimmermann – können weitere patientenschonende Behandlungen entstehen.

Erprobung am Patienten läuft: Das am UMG-Herzzentrum entwickelte Herzpflaster, dabei wird Herzgewebe „gezüchtet“ – hier unter dem Mikroskop.

Andere gibt es schon: „Viele Eingriffe laufen heute minimal-invasiv“, sagt Hasenfuß, also mit wenig Aufwand und Belastung für Operateure und Patienten. So werden auch defekte Aortenklappen und Mitralklappen minimalinvasiv und endoskopisch vorgenommen. Dabei hilft heute Spitzentechnik in der Bildgebung.

Eine optische Revolution hat der vielfach preisgekrönte Prof. Jens Frahm geschaffen: Das Echtzeit-MRT erlaubt auch Einblicke in das schlagende Herz. Nobelpreisträger Hell und sein hyper-leistungsstarkes STED-Lichtmikroskop hilft ebenfalls, vor allem bei der Analyse des Geschehens auf Molekularebene. Göttinger Spitzentechnologie steht so also direkt vor Ort in verschiedenen Gebäuden der Uni-Klinik für Forscher und Patienten bereit.

Der Weg des Zentrums, das bald die erwiesenen Zusammenhänge von Herz- und Hirnerkrankungen im neuen Heart&Brain-Center unter die Lupe nehmen wird, zum „Herzzentrum 2.0“, wie Hasenfuß sagt, ist vorgezeichnet. Dabei werde auch die Gen-Schere helfen. „Wir arbeiten damit auf der DNA- und RNA-Ebene.“ Auch das werde sich, so Hasenfuß für die Patienten positiv auswirken.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) kommt übrigens gerne, um dieses „Vorzeigemodell“ in Sachen Forschung und Versorgung zu unterstützen. Das ist für die UMG, die weiter kräftig in das Herzzentrum investieren wird, wichtig – vor allem in finanzieller Form. (Thomas Kopietz)

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