Kooperation mit Pharma-Multi

Göttinger Hightech-Schmiede LaVision: Rauchfreier Rauchtest für Reinräume

Macht mit Spezialkameras Luftströmungen im Reinraum sichtbar: Thomas Berg.
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Macht mit Spezialkameras Luftströmungen im Reinraum sichtbar: Thomas Berg.

Die Stillstandszeiten in der Reinraum-Produktion will die Göttinger Hightech-Schmiede LaVision erheblich verkürzen. Gemeinsam mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer, der mit Biontech einen Corona-Impfstoff herstellt, entwickelt sie einen rauchfreien Rauchtest.

Göttingen – „Mit Rauch prüfen Firmen, ob in Reinraum-Boxen von der Decke – kontinuierlich und ohne Staubverwirbelungen – gereinigte Luft herabströmt und diese dann problemlos durch ein Gitter im Box-Boden abfließen kann“, erläutert LaVision-Geschäftsführer Thomas Berg. Mit diesen vorgeschriebenen Tests stellen Firmen sicher, dass es zum Beispiel beim Abflüllen von Vakzinen keine Verunreingungen in die Ampullen geraten.

Das Problem: „Als Rauch eingesetzter Wasserdampf kondensiert, was die Keimbildung begünstigt“, führt Berg aus. Wird Glykol-Rauch verwendet, kommt es zu Ablagerungen. Der Reinraum muss daher nach jedem Test aufwendig gereingt und sterilisiert werden. Das LaVision-Verfahren arbeitet dagegen mit einem Edelgas-Gemisch. Die Software in einer Kamera macht die Strömung vor dem Hintergrund eines Punktemusters sichtbar. Background Oriented Schlieren (BOS) Imaging nennt sich die Technik, die zur Jahrtausendwende vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt wurde.

„Wir bieten das Verfahren seit langem an“, sagt Berg, der bis März die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens leitete. Bisher fehlte den Göttingern aber ein Anwendungfeld, wo die Technik ihre Vorteile ausspielen kann. Das änderte sich vor anderthalb Jahren ein Technologiescout von Pfizer das Unternehmen um Hilfe bei den Reinraumtests bat. Seither läuft die Entwicklung. LaVision will ihr Produkt bis 2022 zur Marktreife entwickeln. Sie wollen es dann auch anderen Pharmakonzernen anbieten. Daran hat auch Pfizer ein Interesse, da nur mehrere Unternehmen zusammen die aufwändigen Zulassungsverfahren in USA bewältigen können.

Mittlerweile haben sich weitere Anwendungsfelder aufgetan. Dafür ist ein 20 Sekunden langes Video verantwortlich, das Berg zu Beginn der Pandemie über Twitter verbreitete. Mit der BOS-Technik zeigt er eindrucksvoll, wie gut eine FFP2-Maske Aeorosole zurückhält. Mehr als zehn Millionen Mal wurde das Video angeklickt und sorgte so für einen „unglaublicher Marketingeffekt“, freut sich der Geschäftsführer.

Die Automobilindustrie nutzt nun die LaVision-Kameras, um den Luftstrom von Klimaanlagen zu optimieren. Firmen, die den zukunftsträchtigen Energieträger Wasserstoff herstellen und verteilen, spüren mit Lavision-Geräten Leckagen auf. Mit den Aufträgen aus der Industrie wollen die Göttinger, die bisher vor allem für die Wissenschaft Geräte bauen, in den kommenden Jahren wachsen. „Wir verstärken in den kommenden Monaten unser Team in der Entwicklung und im Vertrieb“, kündigt Berg an, der das LaVision gemeinsam mit Dr. Bernhard Wieneke führt. Derzeit macht die 1989 gegründete Firma mit 100 Beschäftigten gut 25 Millionen Euro Umsatz. Die Exportquote liegt bei 80 Prozent. (Michael Caspar)

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