Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Göttinger Institut baute am Faßberg ein "Kloster" für seine Forscher

Neubau am Nord-Campus in Göttingen: Am Dienstag wurde ein Neubau des Max-Planck-Institutes für Dynamik und Selbstorganisation eingeweiht. Er bietet Büros, Seminarraum und eine große Gemeinschaftshalle. Foto: Kopietz

Göttingen. Der MPI-Campus am Faßberg wächst weiter – und mit ihm der gesamte Nordcampus mit Einrichtungen von Uni, Forschungsinstituten und Unternehmen. 

Am Dienstag weihte das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation ein lange benötigtes Büro-Forschungsgebäude ein. Freie Plätze gibt es darin aber nicht, das schnell wachsende Institut lockt Forscher aus aller Welt an.

Das neue Gebäude beherbergt auch gleich die neue Abteilung „Göttinger Fokus komplexe Fluiddynamik“. Der Neubau schließt sich per überdachter Brücke an das MPI-Hauptgebäude an und schließt eine Lücke, räumlich wie baulich. „Der Schlussstein sitzt“, sagte Direktor Prof. Stephan Herminhaus bei der Feierstunde im zentralen Gemeinschaftsraum vor vielen Mitarbeitern und Ehrengästen.

2004 war das MPI in Göttingen gegründet worden – aus dem Vorgänger, Institut für Strömungsforschung in der Bunsenstraße. Von dort zog das junge MPI auf den Fassberg, baute zuerst die Forschungshalle, dann das Hauptgebäude 2011. Es fehlte seitdem noch etwas, vor allem Platz für das rasch wachsende Institut, das heute viele Forschergruppen anlockt.

Start der Arbeiten zum Neubau war im Juli 2015, im Mai 2017 waren sie beendet. Er bietet auf 1275 Quadratmetern vor allem Einzel-Büros, schöne Denkräume, wie der Baubeauftragte der Max-Planck-Gesellschaft, Wolf Seufert sagt.

Ungewöhnlich: Professor Stephan Herminghaus, geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Dynamik und Selbstorganisation, begrüßte die Gäste und machte die Musik bei der Einweihung des neuen Gebäudes. Foto: Kopietz

Damit aber die Denker nicht nur alleine Ideen ausbrüten, führt ihr Weg aus den Büros zwangläufig in die helle Halle mit den grünen Betonwänden. Denn der Grundriss ähnelt dem eines Klostergebäudes: Um den Treffpunkt, die Halle, sind die Einzelräume auf zwei Geschossen angelegt. Die meisten Türen und Gänge sind dorthin ausgerichtet. Das Gebäude selbst ist ein Hybrid-Bau: Fundament und Tragschale sind aus Beton, die Nutzgeschosse wurden in Holzbauweise errichtet.

„Rückzug und Begegnung: Unter dieser Prämisse werden heute Wissenschaftsgebäude gebaut“, sagt Seufert. „Wir müssen unseren Köpfen angemessene Möglichkeiten für ein wissenschaftliches Arbeiten bieten“, lautete die Vorgabe bei der Bau-Konzeption.

Von den Gästen gab es viel Lob für den Bau, er sei attraktiv und habe eine prima Akustik, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel fand ebenfalls Gefallen und zeigte sich „ein klein wenig neidisch, weil unsere Uni-Gebäude nicht alles so schön sind“.

Die Max-Planck-Gesellschaft hatte lange mit dem Zuschlag für den Neubau gezögert. Als das Land Niedersachsen aber zwei Millionen auf den Tisch legte, sprang Max Planck auf, sagte der Geschäftsführende Direktor Stephan Herminghaus. Er bewies, dass Einweihungsfeiern locker sein können. Seine Rede hielt er mit umgehängter Bassgitarre. Denn Herminghaus, zwei weitere Professoren und zwei Mitarbeiter lieferten als „Institut-Band“ die Musik-Umrahmung.

Hintergrund: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Der Name klingt pauschal und verwaltungssprachlich. Dahinter aber verbirgt sich ein weites, wie spannendes Arbeitsfeld. Prinzipiell geht es um die Erforschung von Systemen, ob belebt oder unbelebt, die physikalische Selbstorganisation von Vorgängen. Viele miteinander wechselwirkende Teile organisieren sich selbstständig ohne äußere Steuerung zu einem komplexen Ganzen. Am MPI werden die Mechanismen dieses Zusammenwirkens erforscht, letztlich, um diese zu verstehen. Beispiele für die Arbeit sind die Erforschung und Berechnung von Phänomenen wie Schwarmverhalten, Entstehung eines Wassertropfens oder eines Wirbels in einem Strudel, Verkehrsentwicklung und -ströme, die Entstehung eines Gedankens, Energieversorgung und Klimawandel. Am MPI arbeiten etwa 250 Menschen, dazu zählen Physiker, Biologen, Chemiker, Geologen, Informatiker und Mathematiker. Das MPI für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen geht auf das 1925 in Göttingen gegründete Kaiser-Wilhelm-Institut für Strömungsforschung zurück und ist eines der traditionsreichsten der Max-Planck-Gesellschaft. 2004 wurde es umbenannt.

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