Göttinger IT-Experten entwickeln Analyseplattform gegen Online-Betrug

So funktioniert „ABBO“: Prof. Dr. Konrad Rieck (links) und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Daniel Arp vom Institut für Informatik der Uni Göttingen entwickeln mit dem Projekt eine Analyseplattform, die verdächtige Bestellungen in Echtzeit prüft. Foto: Leissa

Göttingen. Seit Februar arbeiten die Wissenschaftler der Forschungsgruppe „IT-Sicherheit" am Institut für Informatik der Universität Göttingen an der Plattform „Analyse und Bekämpfung von bandenmäßigen Betrug im Onlinehandel" (ABBO).

Für die Forscher aus Südniedersachsen kristallisiert sich schon jetzt heraus: Das Projekt könnte die erste händlerübergreifende Lösung gegen Online-Betrug sein.

Gemeinsam mit der Steinbeis-Hochschule in Berlin, dem Online-Versandhändler Zalando und der Polizeidirektion Göttingen analysieren die Forscher in einem Zeitraum von drei Jahren Betrugsfälle beim Einkauf im Internet. Mit diesem Wissen entwickeln sie ein Frühwarn-System für verdächtige Einkäufe in Online-Shops.

Bandenmäßig organisierte Betrüger bestellen in der Regel große Mengen einer bestimmten Ware bei verschiedenen Händlern. Sie lassen sich die Bestellungen an meist falsche Adressen liefern und bezahlen sie nicht.

Analyse in Echtzeit

Das soll ABBO verhindern: Das Programm der Göttinger Forschungsgruppe um Koordinator Prof. Dr. Konrad Rieck soll anonymisierte Kundendaten von Onlinehändlern nach bestimmten auffälligen Verhaltensarten untersuchen. „Die hochsensiblen Daten werden in der Analyseplattform wie durch eine Milchglasscheibe betrachtet“, sagt Rieck. Konkrete Namen, Details zur Bestellung oder die Lieferadresse sind für ABBO nicht einsehbar - das muss die Plattform laut dem IT-Experten auch nicht.

„Eine Bestellung ist etwas privates. Außer dem Käufer und dem Verkäufer sollte niemand Zugriff darauf haben, auch ABBO nicht“, erklärt Rieck. Wenn ABBO wiederkehrende, verdächtige Muster erkennt, benachrichtigt es in Echtzeit den Onlinehändler, der den betreffenden Bestellvorgang dann genauer prüfen kann.

Die Forschungsgruppe arbeitet derzeit mit einem etwa 3000 Einträge umfassenden Beispieldatensatz, der einen typischen Kundenstamm eines Online-Versandhändlers nachbildet. Es werden dabei Daten generiert, die wie Bestellungen aussehen und auf ihr Betrugspotenzial geprüft werden.

Mögliche Schwachstellen rund um ABBO und die Stabilität der Plattform für größere Datensätze stehen noch auf dem umfangreichen Aufgabenplan der Göttinger Forscher. Gefördert wird das Projekt mit 935 000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die Forschungsgruppe „IT-Sicherheit“ der Uni Göttingen beschäftigt sich mit der Entwicklung intelligenter Sicherheitssysteme zu Erkennung und Analyse von Angriffen, von Schadsoftware und von Schwachstellen.

Verbraucherzentrale: Tipps zum sicheren Online-Shopping

Wer im Internet einkauft, sollte sich laut Kathrin Körber, Verantwortliche für Telekommunikation und Internet bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, genau über die genutzten Internetshops informieren. „Am besten, man vergleicht mehrere Angebote und verschafft sich einen Überblick über den gängigen Preis der Ware“, sagt Körber. Als Tipp, um keinem Betrug beim Online-Shopping auf den Leim zu gehen, rät die Niedersachsen-Referentin, sich nicht vor der Optik der Seite beeinflussen zu lassen.

Ein Blick ins Impressum eines Internet-Shops kann aber Hinweise auf die Seriosität des Händlers geben: „Wenn die einzige Kontaktmöglichkeit eine kostenpflichtige Nummer wie etwa eine 0180-Nummer, ist, dann sollte man vorsichtig werden“, sagt Körber. Auch fehlende AGB und Zertifizierungs-Links, die ins Leere führen, sprechen gegen einen seriösen Online-Händler.

Finger weg von Shops, die nur begrenzte Bezahlmöglichkeiten anbieten: Betrüger versuchen mit fingierten Fehlermeldungen im Warenkorb den Käufer dazu zu bewegen, sich für die Bezahlmodelle „Vorkasse“ oder „Sofortüberweisung“ zu entscheiden. Oft erhalten die Käufer dann aber nicht ihre bestellte Ware. 

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