Aberwitzig gespielter Bebop

44. Göttinger Jazzfestival: Ein Doppelkonzert zum Abschluss

Monk’s Casino hat sich dem Werk von Monk verschrieben: Trompeter Axel Doerner, Klarinettist Rudi Mahall, und Schlagzeuger Michael Griener (v. l.).
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Monk’s Casino hat sich dem Werk von Monk verschrieben: Trompeter Axel Doerner, Klarinettist Rudi Mahall, und Schlagzeuger Michael Griener (v. l.).

Orientalische Klänge hat Rabih Abou-Khalil am Wochenende im Deutschen Theater seiner Kurzhalslaute entlockt. Dann spielte Monk’s Casino in aberwitzigem Tempo Bebop. Mit diesem Doppelkonzert endete das 44. Göttinger Jazzfestival.

Göttingen – Arabische und westliche Musik hat Abou-Khalil einst in Beirut studiert, das Studium nach seiner Flucht vor dem libanesischen Bürgerkrieg 1978 in München fortgesetzt. Der Meister des arabischen Instruments Oud, aus dem sich die europäische Laute entwickelte, faszinierte sein Göttinger Publikum mit mitreißenden, frischen Kompositionen. In ihnen verband der Grenzgänger zwischen Morgen- und Abendland arabische Metren und Tonskalen mit europäischen und amerikanischen Elementen.

Die Rhythmen gab Perkussionist Jarrod Cagwin an seinem eindrucksvoll vielfältigen Schlagzeug, aber auch mit der großen Rahmentrommel vor. Der Musiker aus dem amerikanischen Idaho spielte mit großem Körpereinsatz und einem seligen Lächeln auf den Lippen. Dritter im Bunde war der italienische Akkordeonist Luciano Biondini.

„Ziehharmonika ist nicht schwer zu erlernen, wenn man einen Stadtplan falten kann“, spottete der begnadete Erzähler Abou-Khalil, der den Auftritt des Trios moderierte. Und die Tasten, so der heute in Frankreich lebende Musiker, seien zur besseren Unterscheidbarkeit schwarz oder weiß. Man müsse nur genau hinschauen.

Die Band trug Abou-Khalils Loblied auf krosse Kalapuikot – finnische Fischstäbchen – vor. In einem anderen Stück ging es um Liebe („Wenn du mich verlassen solltest, muss ich mir jemand anders suchen und das ist viel Arbeit“). Ein Stück war dem „Extremisten“ gewidmet, der eine „extrem friedliche Religion“ praktiziert.

Verschmelzen orientalische und westliche Klangwelten: Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil (links) und Akkordeonist Luciano Biondini.

Bebop nach der Pause

Nach einer kurzen Pause stand das Quintett Monk’s Casino auf der Bühne. Die Band um den Pianisten Alexander von Schlippenbach hat sich seit Ende der 90er Jahre in das Werk des exzentrischen New Yorkers und Bebop-Mitbegründers Thelonious Monk (1917–1982) eingearbeitet. 2004 spielte es dessen rund 100 Titel komplett ein. Im Deutschen Theater saß von Schlippenbach in sich versunken am Piano, den Kopf so weit nach vorn gebeugt, dass er mit der Stirn fast die Tasten berührte.

Vorne auf der Bühne zogen die beiden Bläser die Aufmerksamkeit auf sich. Rudi Mahall, der Spaßvogel des Quintetts, war an der Bassklarinette zu hören. Axel Doerner entlockte seiner Trompete – hart an der Grenze zum Klamauk – die verrücktesten Töne. Die beiden spielten Solos, aber auch im Duo.

Von Zeit zu Zeit verschwanden sie in den rückwärtigen Bereich der Bühne, ließen den Kontrabassisten Jan Roder nach vorne. Der gab alles, bis ihm sein Hemd schweißnass am Körper hing. Souverän am Schlagzeug begleitete Michael Griener die Bandkollegen.

Die beiden Gruppen spielten im Anschluss an der 20-Uhr-Konzert noch eine zweite Schicht. Dazwischen wechselte das Publikum. (Michael Caspar)

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