Göttinger Kliniken sind gut aufgestellt: Was tun, wenn’s brennt?

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Regelmäßige Brandschutzunterweisung im EKW: Brandschutzbeauftragter Holger Geisler (rechts) und Sicherheitsingenieur Jens Bergemann (mit einer Brandfluchthaube).

Göttingen. Die Göttinger Kliniken scheinen für den Brandfall gut gerüstet zu sein. Die Frage nach möglichst viel Sicherheit vor Feuer in Krankenhäusern ist nach dem Großbrand in einem Bochumer Hospital Ende voriger Woche mit zwei Toten akut geworden.

Der aktuelle Brandfall ist jedoch kein Anlass, die hiesigen Brandschutzpläne auf den Prüfstand zu stellen: „Die Krankenhäuser hier bei uns sind gut vorbereitet, es liegen detaillierte Notfallpläne für den Ernstfall vor“, sagt eine Sprecherin des Agaplesion Krankenhauses Neu Bethlehem. Es gebe regelmäßig Übungen und Brandschutzunterweisungen für die Mitarbeiter, um die Abläufe in einem solchen Fall zu automatisieren.

Früherkennungsanlage

Auch das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) erfüllt alle Brandschutzauflagen, die gefordert sind. „Diese wurden in enger Abstimmung mit dem vorbeugenden Brandschutz der Stadt Göttingen umgesetzt“, erklärt Brandschutzbeauftragter Holger Geisler.

Zudem ist das EKW als eines von wenigen Unternehmen in Göttingen ausgewiesener „Partner der Feuerwehr“, da mehrere Mitarbeiter des Krankenhauses aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr tätig sind. Im Falle einer Rauchentwicklung, sendet eine flächendeckende Brandfrüherkennungsanlage diese Information sofort in die 24 Stunden besetzte Leitstelle der Berufsfeuerwehr Göttingen. Rauchmelder in jedem Zimmer und die aufgrund der Gefährdungslage vorgeschriebene Anzahl von Feuerlöschern und Wandhydranten sorgen zusätzlich für Sicherheit.

Evakuierungsrampen

Auf jeder Station werden zusätzlich fünf Brandfluchthauben vorgehalten, die bei einem Brand im Evakuierungsfall zum Einsatz kommen. Ebenso wie das Evakuierungstuch, das unter jeder Matratze liegt.

Eine Besonderheit gibt es auf der Intensivstation im Weender Krankenhaus: Zwei breite Evakuierungsrampen außen am Gebäude, über die die Intensivpatienten mit Bett und sämtlichen Apparaturen direkt aus dem Gebäude gerettet werden und in einen Rettungswagen mit Notarzt übergeben werden können.

Eigene Werkfeuerwehr

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) verfügt über verschiedene Notfallpläne. Neben 20.000 Rauchmeldern und Brandmeldeanlagen, befindet sich auf ihrem Gelände eine Werkfeuerwehr mit 31 hauptberuflichen Berufsfeuerwehrkräften der Stadt Göttingen und 34 nebenberuflichen Kräften in Rufbereitschaft.

Rettungstücher

„Bettlägerige Patienten werden nach unserem Evakuierungskonzept zusammen mit Matratze und Bettzeug mithilfe der ‘Hamburger Rettungstücher’ evakuiert“, schildert UMG-Pressesprecher Stefan Weller das Vorgehen im Ernstfall. „Dort, wo keine horizontale Evakuierung über die Übergänge in das Kerngebäude möglich ist, sind Rettungstücher sind flächendeckend in den Patientenzimmern vorhanden.“

Das Konzept für die Bewältigung von Ereignissen mit einem Massenanfall von Verletzten in Stadt und Landkreis Göttingen sieht vor, das die Betreuung mit vorgehaltenem Material von bis zu 500 Personen sichergestellt sein muss.

Intensivstation

Sollte es aber zu einer Evakuierung der Intensivstation kommen müssen, entscheidet der Leitende Notarzt unter Beibehaltung der Intensivtherapie patientenbezogen, wie und wann solch eine Evakuierung stattfindet.

Katastrophenschutz

Bei einer Großschadenslage an der UMG übernimmt die Katastrophenschutzbehörde die Einsatzleitung. Es werden die umliegenden Krankenhäuser informiert. Evakuierte Patienten werden in entsprechend leistungsfähige Kliniken verlegt. Am Tag und bei Flugwetter auch mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 44“. Dafür gibt es Einsatzpläne, in denen festgelegt ist, wie viele mit Ärzten besetzte Krankenwagen und Hubschrauber für wie viele Patienten notwendig sind und welche Kliniken angefahren werden.

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