Göttinger Krebsforscher

Vielversprechende Reise in die Zukunft des Tumors

Da freut sich der Forscher: Prof. Dr. Philipp Ströbel und sein Team erhalten für ein Forschungsprojekt in der Krebsmedizin 9,6 Millionen Euro vom Bund. Foto: UMG/nh

Die Uni-Medizin Göttingen (UMG) erhält viel Geld aus Berlin für die Krebsforschung. Dabei geht es auch um den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI)

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erhält viel Geld aus Berlin für die Krebsforschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt 9,6 Millionen Euro für ein Projekt, dass die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen voranbringen soll.

Medikament finden

Wichtig eine erfolgreiche Behandlung von Krebserkrankungen ist, das für die zunehmend besser erforschten und genetisch wie molekular entschlüsselten Tumoren ein direkt passendes Medikament gefunden werden kann. Diese individualisierte Krebsmedizin erspart oft auch den Einsatz der großen chemische Keule, ist zielgerichtete und effektiver.

Zeit und Geld sparen

Für die Medikamente, die immer präziser auf bestimmte Tumortypen und deren Mutationen, angepasst werden müssen, gilt: Sie können nur wirken, wenn der Tumor dazu passende Veränderungen in seinen Molekülen aufweist. Um diese in Fachkreisen genannte „Schlüssel-Schloss-Kombination“ zu entdecken, sind viele Tests notwendig, die (noch) aufwendig sind, viel Zeit und Geld kosten.

Künstliche Intelligenz

Genau an diesem Punkt setzen die Göttinger Forscher am Institut für Pathologie der UMG an, sie wollen die Suche von zueinander passenden Tumoren und Medikamenten beschleunigen – über die Entwicklung neuer Tests mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI). Helfen soll dabei das ´irreale‘ Gewebe. Die Forscher wollen über „digitale“ Biopsien – Gewebeproben – molekulare Veränderungen in Tumoren vorherzusagen. Als Folge dieser Zeitreise in die Tumor-Zukunft könnten die Krebsgebilde deutlich schneller behandelt werden als bisher.

Stetig mehr Tumorkranke

Und das wäre ein enormer Fortschritt, denn die Zahl der Tumorerkrankungen nimmt zu, auch bedingt durch die demografische Entwicklung einer älter werdenden Bevölkerung. Die schnellere Identifikation von wirksamen Medikamenten bei unterschiedlichen Tumoren hieße eine Verkürzung bis zum Behandlungsbeginn, ein Minimieren von Ausprobierphasen und letztlich natürlich der Kosten. Bliebe unter dem Strich auch eine bessere Krebsmedizin mit verbesserten Folgen für die Patienten. Zudem würden auch personelle Ressourcen in den Kliniken gespart. Es bliebe mehr Zeit für andere Aufgaben – so in der Pathologie.

Schnellere Infos über Tumore

„Die Diagnose Krebs wird in aller Regel in der Pathologie durch die Beurteilung von Gewebeproben gestellt. Bisher verwenden wir dafür herkömmliche Lichtmikroskope. Ziel unserer Forschungen ist es jetzt, künstliche Intelligenz so zu nutzen, dass wir mithilfe spezieller Unterstützungssysteme noch schneller als bisher Informationen über den Tumor erhalten“, sagt Ströbel. „Künstliche Intelligenz ist bei der Analyse von Bilddaten und der Erkennung von Bildern sehr präzise und schnell. Daher könnte diese Technologie dabei helfen, auch die Behandlung von Krebs zu erleichtern.”

Basis Datenbank

Zuerst wollen die Forscher an der Göttinger Uni-Klinik eine große Datenbank erstellen. Darin werden die histologischen Bilddaten und molekulare Daten von jeweils 1000 Fällen häufiger Tumoren, wie Lungenkrebs, Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs enthalten sein.

Lernendes System

In einem nächsten Schritt soll ein computergestütztes System darauf trainiert werden, auf Grundlage der histologischen Bilder wichtige molekulare Gruppen vorherzusagen. Gelingt das mit Genauigkeit, könnte das System in Zukunft dazu eingesetzt werden, die Tumore schneller und kostengünstiger zu identifizieren, die für die bestimmte „Schlüssel-Schloss-Therapie“ geeignet sind. (tko)

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