Angriffe auf Retter tabu

Kreisfeuerwehr will keinen Polizeischutz bei Einsätzen zum Jahreswechsel

+
Einsatz kurz nach dem Jahreswechsel 2017/18 am Jonaplatz im Göttinger Stadtteil Grone: Die Feuerwehr musste Balkone und eine Wohnung löschen. Im Bereich des Platzes besteht diesmal striktes Böllerverbot.

Göttingen/Rosdorf. Martin Willing, Chef des Kreisfeuerwehrverbandes Südniedersachsen, weist aktuelle Forderungen nach Polizeischutz für Feuerwehrleute bei Einsätzen zum Jahreswechsel zurück. Gleichzeitig macht er deutlich: Angriffe auf Einsatzkräfte sind tabu.

Mit Blick auf den Schutz sagt Willing: „Das ist hier kein Thema. Eine generelle Polizeibegleitung halte ich nicht für nötig und sinnvoll“, sagt der Gemeindebrandmeister von Rosdorf. Aus seiner Sicht ist das aufgrund der großen Zahl von Einsätzen der Feuerwehren am Silvesterabend auch gar nicht praktikabel. Es ist laut Willing auch personell nicht umsetzbar, da die Polizei mit genügend anderen Einsätzen ohne Beteiligung von Feuerwehr und Rettungsdienst beschäftigt ist.

Die Befürchtungen der Feuerwehr-Gewerkschaft, insbesondere in der Silvesternacht, wenn viele Menschen ausgelassen mit viel Alkohol und teileweise unter Drogeneinfluss feiern, attackiert zu werden, sind durchaus berechtigt. „Aber Schwerpunkte der Gewalt sind Berlin und das Ruhrgebiet. Dort könnten unter Umständen das Thema aufgegriffen und Konzepte entwickelt werden“, sagt Willing.

Martin Willing: Chef des Kreisfeuerwehrverbands Göttingen.

„Jedoch in unserer südniedersächsischen Region hat es in der Vergangenheit keine Einsätze gegeben, die eine solche Maßnahme erforderlich machen oder gar rechtfertigen würden“, so die Meinung des Feuerwehrchefs. Und: In der Regel ist bei Brandeinsätzen ohnehin die Polizei am Einsatzort und kann bei Bedarf eingreifen. „An speziellen Tagen wie Silvester mit hoher Einsatzfrequenz für die Feuerwehren oder Rettungsdienst sind die Einsatzkräfte aufgrund der Randbedingungen sensibilisiert und fordern bei Bedarf polizeiliche Unterstützung nach“, erklärt Willing. Auch die Einsatzleitstellen können eine prekäre Lage aufgrund der eingehenden Meldungen einschätzen und bei der Alarmierung die Polizei gegebenenfalls mit anfordern.

Gleichzeitig macht Willing deutlich: „Vollkommen inakzeptabel sind Angriffe auf Feuerwehren und Hilfskräfte im Allgemeinen.“ Dazu zählen auch die Rettungsdienste und Polizei des Bundes und der Länder. Das Thema ist laut Willing nicht neu, gewinnt nur immer mehr an Fahrt und Brisanz.

„Das geht von Beleidigungen und Anspucken über Schläge und Tritte. Grundsätzlich erstrecken sich die Einsatzlagen, bei den es zu Angriffen kommt, nahezu über das komplette Spektrum des Handelns der Einsatzkräfte“, heißt es weiter. Willing: „Wer die Rettungskräfte angreift oder daran hindert, ihre Pflicht zu tun, greift unsere gesamte Demokratie und deren Gesellschaft an.“

Böllerverbote in Göttingen und Bovenden

Ab Freitag, 28. Dezember, beginnt der Feuerwerksverkauf in den Geschäften. In Göttingen und in Bovenden besteht in einigen Bereichen ein striktes Böllerverbot. Bereits seit dem Jahr 2016 gibt es ein Böller- und Raketenverbot in der Göttinger Innenstadt, vor allem aus Gründen des Brandschutzes innerhalb des Walls. Inzwischen spielen dabei auch Sicherheitsaspekte für Passanten und Rettungskräfte eine größere Rolle, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Verbot gilt auch den Bereich rund um den Jonaplatz. Dort ware es im vergangenen Jahr zu gefährlichen Situationen gekommen. Außerdem gibt es ein Böllerverbot im Altdorf von Bovenden. Hintergrund ist die enge Bebauung mit Fachwerkhäusern.

Strafgesetzbuch: Bis zu fünf Jahre Haft sind möglich

Ein gutes Signal ist aus Sicht von Kreisfeuerwehrverbandschef Martin Willing die Einführung des Paragrafen 114 im Strafgesetzbuch im Jar 2017. Die Regeleung sieht für Angriffe auf Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ein Strafmaß von drei Monaten bis fünf Jahren Freiheitsstrafe vor. Willing: „Nur muss das auch konsequent zur Anzeige gebracht und von den Gerichten umgesetzt werden.“ Gleichzeitig beklagt der Feuerwehrchef aus dem Landkreis Göttingen: „In unserer Gesellschaft wird es immer ruppiger und ungemütlicher. Das Bewusstsein für Respekt vor den Rettungskräften sinkt rapide. Beleidigungen und Beschimpfungen nehmen deutlich zu und gehören zur Tagesordnung. Zu Silvester werden Einsatzfahrzeuge mit Feuerwerkskörpern beworfen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.