NDR-Sachbuchpreis und Sartorius-Preis 

Göttinger Literaturherbst: Preise für Anette Kehnel und Martin Moder

Preisverleihung beim Literaturherbst: Sartorius hatte zum ersten Mal den LifeScienceXplained-Preis ausgerufen – für junge Wissenschaftserklärer bis 35 Jahre. Gewonnen hat der Österreicher Martin Moder (Mitte). Links: Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg, rechts Jury-Vorsitzende Inga Bergen.
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Preisverleihung beim Literaturherbst: Sartorius hatte zum ersten Mal den LifeScienceXplained-Preis ausgerufen – für junge Wissenschaftserklärer bis 35 Jahre. Gewonnen hat der Österreicher Martin Moder (Mitte). Links: Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg, rechts Jury-Vorsitzende Inga Bergen.

Am Sonntag wurden zwei Preise beim Göttinger Literaturherbst verliehen: der NDR-Sachbuchpreis und der LifeScienceXplained/Sartorius-Preis für neue Kommunikation.

Göttingen –Die Gestaltung des Abends hatte der Norddeutsche Rundfunk, die flotte Moderation hatte Bianca Hauda.

Drei waren für den Preis nominiert: die Schriftstellerin und Biologin Jasmin Schreiber, die am – tödlichen – Schicksal ihres Hamsters Hermine in einem Buch den Lebenszyklus verständlich und plastisch erklärt – „inklusive der Verwesung“, wie sie selber auf der Bühne sagte.

Ebenfalls im Rennen war Lars Otte. Der ist 25 und Doktorand an der Uni Osnabrück. Otte nervten nach eigener Aussage die Kommentare über Wissenschaft und Erkenntnisse in der Corona-Pandemie. Per Buch und mit Hilfe einfacher Experimente möchte er Fragen beantworten und Menschen helfen, so für sich selbst auch zu erklären, wie gut Masken wirken..

Dem Kampf gegen Fake-News hat sich Martin Moder verschrieben. Der Österreicher ist Molekularbiologe und YouTuber mit dem Kanal M.E.G.A. – „Make Europe Gscheit Again“. Seine Filme, per Handykamera aufgezeichnet, sind einfach und einprägsam: So hält eine Orange als Objekt her, um die Angriffspunkte am Coronavirus zu erklären.

LifeScienceXplained/Sartorius-Preis: YouTuber Martin Moder ist der glückliche Gewinner

Moder ist der Gewinner und erhielt die Trophäe aus den Händen von Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg, der zuvor kurz erklärt hatte, dass das Erklären von Wissenschaft sehr wichtig sei. Er persönlich begeistere sich besonders für Bücher, aber man wolle mit dem Preis auch die Bühne öffnen für andere Formate.

Wie für YouTuber. Martin Moder wollte etwas tun, weil er über seine Freundin, die Ärztin auf einer Coronastation ist, viel darüber erfuhr, was das Virus im Menschen anrichtet. Und Moder wollte die kursierenden und ihn wahnsinnig störenden Gerüchte und Falschinfos widerlegen. Seine Erklärungen sind einfach, prägnant und durchaus humorvoll.

Kurz darauf ist Moder noch mal auf der Bühne zu sehen, in anderer Funktion, als Mitglied der Wissenschaftskabarett-Gruppe „Science Busters“. Und da bestätigt der Mikrobiologe seinen Kollegen Martin Puntigam in dessen Theorie, warum Klopapier und Hefe in der Pandemie so oft ausverkauft waren: Klopapier bestehe aus Glucose, dem Ausgangsstoff für Alkohol. Die Brühe mit den zerhäckselten Papiere werde mit Hefe zum Gären gebracht, irgendwann kommt Klopapierschnaps heraus.

NDR-Sachbuchpreis: Anette Kehnel gewinnt 15.000 Euro

Der mit 15.000 Euro dotierte NDR-Sachbuchpreis ging an Anette Kehnel für ihr Buch „Wir konnten auch anders. Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit“, mit dem sie aufzeigt, dass die Menschen im nachhaltigen Denken und Handeln schon weiter waren als heute.

„Wir konnten schon einmal anders“, sagte Kehnel, die aber keinesfalls die Vergangenheit wieder beleben möchte. Die Historie böte Inspirationen, zeige Alternativen auf. Es gehe nicht ums Nachmachen. „Lasst Euch auf neue Ideen ein“, sagte Kehnel.

NDR-Hörfunkprogrammdirektorin Katja Marx sagte in einer vortrefflichen Laudatio, die sie als Geschichte einer gemeinsamen Bergwanderung höchst unterschiedlicher Teilnehmer zum „Gipfel der Nachhaltigkeit“ beschrieb: „Kehnel zeigt uns die Spuren die unsere Vorfahren im Schnee hinterlassen haben. Auf dem Lösungsweg zu nachhaltigen Fragen waren schon andere.“ Die Autorin aber sporne an, alte Ideen neu zu denken. „Sie wirft Geschichtliches in die Zukunft.“

Nominiert waren auch der Leiter der „Polarstern“-Expedition Markus Rex mit seinem Buch „Eingefroren am Nordpol“ und Stefan Weidner mit „Ground Zero – 9/11 und die Geburt der Gegenwart“. Beide waren übrigens per Videobotschaft aus Glasgow und Istanbul zugeschaltet. Beide übrigens studierten – na klar! – auch in Göttingen. (Thomas Kopietz)

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