Furiose Show

Göttinger Literaturherbst: „Stille Hunde“ lasen in einfacher Sprache

Christoph Huber (links) und Stefan Dehler vom Schauspieler-Team „Stille Hunde“ aus Göttingen sitzen an einem Tisch im Alten Rathaus und halten ein Buch und einen Miniatur-Elefanten in die Kamera.
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Lasen im Alten Rathaus: Christoph Huber (links) und Stefan Dehler von den Stillen Hunden aus „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Das Schauspieler-Duo Stille Hunde, bestehend aus Christoph Huber und Stephan Dehler, legte am Montagabend, 1. November, einen furiosen Auftritt hin.

Göttingen – Lesung ist für diese Darbietung der falsche Ausdruck: Vielmehr beeindruckten die beiden Schauspieler ihr Publikum mit einer Improvisations-Performance auf der Grundlage des Erfolgsromans „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonassons (Spaß am Lesen Verlag, 2019).

Im gut gefüllten Saal des Alten Rathauses führten sie die Geschichte von Allan Karlsson auf, der gerade seinen Geburtstag feiert. Er wird 100. Sogar der Stadtrat will ins Altenheim kommen und das feiern. Doch Allan ist ganz fürchterlich langweilig im Altenheim. Deswegen verschwindet er einfach, setzt sich in den nächsten Bus und fährt soweit, wie ihn seine 50 Kronen bringen – und landet im Wald.

Stille Hunde: Von Mal zu Mal füllt sich der Tisch mit allerlei Requisiten

Die Stillen Hunde ziehen die Szene ins Komische: Der Wald ist ein kleiner Buchsbaum im braunen Plastiktopf. Wie aus dem Nichts reihen sich im Laufe der Lesung Spielzeugautos, -boote und allerlei andere Requisiten auf der Kante des mit einem schwarzen Tuch bedeckten Tisches auf. Selbst als der Tisch überquellen zu scheint, kommt Mal um Mal noch etwas Kurioses hinzu: Wie wär’s mit einem krossgebratenen Grillhähnchen?

Romanfigur Allan triff auf seiner Reise neue Freunde und erlebt viele Abenteuer. Doch er reitet sich ins Verderben, sodass es bald ein paar gefährliche Kriminelle auf ihn abgesehen haben.

Das Besondere an dem Ritt durch die Buchseiten: Das Material ist in einfacher Sprache verfasst. So können auch Kinder und Menschen mit Lernschwäche dem Stoff gut folgen. Dabei merkt man der Aufführung nicht an, dass sie ein pädagogisches Konzept verfolgt. Es ist spaßig, die Zuhörer jauchzen und lachen ausgiebig.

Jonassons Roman ist brutal, doch davon merkt man an diesem Abend nichts

Die Stimmen sind astrein zu verstehen. Gelungen sind auch die immer wieder eingeworfenen Improvisationen von Christoph Huber und Stephan Dehler, die Elche röhren lassen und Türen quietschen – alles mit der Kraft ihrer Stimmen.

All das lenkt von der Brutalität der Gangsterkomödie ab. Hier ein zerquetschter Handlanger, dort ein erfrorener Ganove. Die Stillen Hunde lassen das Publikum darüber weglachen. Das ist beste Unterhaltung wie im Actionkino. Auch bei 007 zählt ja niemand die Leichen. (Paul Bröker)

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