Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Wassersuche mit dem künstlichen Mond

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Erde-Mond-Forscher: Matthias Nieuwenhuis vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

Mit einem selbst zusammengemixten Mond forscht der Göttinger Matthias Nieuwenhuis und will erfahren, wo und wie viel Wasser der Erdtrabant beinhaltet.

Matthias Nieuwenhuis braucht kein Mondgestein für seine Forschungen. Der Doktorand am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung hat mit Kollegen einen eigenen Mond aus Chemikalien zusammengemixt. Damit wollen sie belegen, wie der Erdtrabant im Inneren beschaffen ist, denn darüber weiß man trotz Apollo- und Sondenmissionen sowie 382 Kilogramm Mondgestein auf der Erde wenig.

Die Göttinger wollen mit ihrem Mond hinsichtlich der Mineralogie eine Studie aus 2018 bestätigen – und Informationen über die Wasserverteilung auf dem Mond bekommen, so Nieuwenhuis, der in Kassel zur Schule ging, in Göttingen Geologie studierte und sich heute als experimenteller Mineraloge bezeichnet. 

Die Mond-Masse legt Nieuwenhuis in eine Zylinderpresse, die Drücke entwickeln kann – bis zu 30.000 Atmosphären. „Wir schmelzen unseren Mond bei 1700 Grad Celsius und haben ihn dann im Stadium seiner Entstehung.“ Den Druck variieren die Forscher: „Wir machen so Experimente in verschiedenen Tiefen und schauen dann jeweils, wie das Wasser in den einzelnen Mineralen und der Restschmelze verteilt ist.

Wasser – dem ist Nieuwenhuis eigentlich auf der Spur. „Ja, ich will wissen, wo und wie viel Wasser in welchen Schichten auf dem Mond ist und was es bewirkt.“ Das dürfe man sich nicht als See oder gar Ozean über- und unterirdisch vorstellen, sondern gebunden in Gestein und Mineralien. Das gibt es massenhaft so auch auf der Erde, wo es sogar bei der Verschiebung tektonischer Platten hilft.

Der Mond aber galt lange als „bone-dry“, knochentrocken, wie der Göttinger Isotopen-Geologe Prof. Dr. Andreas Pack sagt. Dann wurden Wasseranteile gefunden. „Plötzlich war er total feucht“, sagt Pack amüsiert, so sei das in der Wissenschaft. Matthias Nieuwenhuis betont diesbezüglich, dass aus früheren Schätzungen und jüngeren Messungen das Bild nun klarer ist: Im Mondgestein ist Wasser vorhanden. „Die Menge Wasser auf dem Mond ist radikal gestiegen – der Mond ist feuchter geworden seit den Messungen aus 2008.“ So sucht der 29 Jahre junge Forscher vom MPS nun mit Geräten der Uni-Geologen nach dem nichtflüssigen Wasser.

Aber Nieuwenhuis begeistert sich auch für die Raumfahrt, für Mondmissionen, eben weil so Rückschlüsse auf die Entstehungsgeschichte des Trabanten und der von Mutter Erde zulassen. „Auf der Erde gibt es Atmosphäre, Plattenverschiebungen, Oxidation, hier ist fast nichts mehr wie vor vier Milliarden Jahren.“ Auf dem Mond aber sei nicht viel passiert. „Wir finden dort Dinge, die wir brauchen, um frühgeschichtliche Zusammenhänge zu verstehen.“ Deshalb seien neue bemannte Mond-Missionen sinnvoll – vor allem das Mitbringen von Steinen aus tieferen Schichten.

Übrigens: Früher wäre man laut Matthias Nieuwenhuis durch die Diplomprüfung gefallen, wenn man von Wasser auf dem Mond gesprochen hätte. Das hat sich geändert. Seine Arbeit wird nicht mehr belächelt – wenn auch von manchem Forscher skeptisch betrachtet. So ist das in der Wissenschaft.

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