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Göttinger Mediziner: Hohe Belastung durch Covid und Krankenstand

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Von: Thomas Kopietz

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Die Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen: Dort werden Covid-19-Patienten unter hohem personellen und technischen Aufwand intensivmedizinisch und pflegerisch betreut. archiv
Die Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen: Dort werden Covid-19-Patienten unter hohem personellen und technischen Aufwand intensivmedizinisch und pflegerisch betreut. archiv © Archiv/Swen Pförtner/UMG/nh

Der UMG-Vorstand Krankenversorgung, Prof. Lorenz Trümper, spricht aktuell von der „täglichen Bewältigung einer angespannten und grenzwertigen Versorgungssituation“.

Göttingen – Der Eindruck in der Öffentlichkeit durch Lockerungen und sogar dem Wegfall vieler Corona-Regelungen täuscht. In den Arztpraxen, Versorgungseinrichtungen und Kliniken ist die Lage aufgrund der Covid-Erkrankungen weiter angespannt. Die Göttinger Universitätsmedizin (UMG) meldete am Samstag vergangener Woche mit 39 stationär behandelten Covid-Patienten sogar einen Rekordwert.

Hoher Krankenstand belastet ohnehin schon gefordertes Personal

Belastend hinzu kommt ein hoher Krankenstand generell in Betrieben, natürlich auch in den Krankenhäusern, wo das verbleibende und ohnehin seit zwei Jahren extrem geforderte Personal überlastet ist.

Der UMG-Vorstand Krankenversorgung, Prof. Lorenz Trümper, spricht auf Anfrage unserer Zeitung aktuell von der „täglichen Bewältigung einer angespannten und grenzwertigen Versorgungssituation“. In Zahlen heißt das: In der Uni-Klinik wurden am Donnerstag 33 Patienten mit Covid-19 behandelt, 13 davon auf der Intensivstation, vier wurden beatmet.

UMG-Vorstand-Krankenversorgung: Prof. Lorenz Trümper.
UMG-Vorstand-Krankenversorgung: Prof. Lorenz Trümper. © UMG/nh

Teilweise kommt es zu Verlegungen von Terminen

Aber: 20 lagen auf den Normalstationen. Die Lage auf den Normalstationen der Uni-Klinik sei „sehr angespannt“, während die Zahlen der Corona-Intensivpatienten „stabil und beherrschbar“ sei.

Jedoch die vielen stationären Covid-19-Patienten plus der hohe Personalausfall in der UMG – der übrigens alle im Kliniknetzwerk Südniedersachsen/Nordhessen kooperierenden Krankenhäuser trifft – wirkt sich im Klinikbetrieb aus. Laut UMG-Sprecher Stefan Weller „mussten bereits einzelne Stationen geschlossen und Personal zusammengefasst werden“.

Auch komme es teilweise zu Verlegungen von Terminen. Das offizielle Fazit aber lautet: „Insgesamt ist die UMG weiter in der Lage, ihr Leistungsspektrum in der Patientenversorgung aufrecht zu erhalten.“

Alle Bereiche betroffen

Der hohe Personalausfall jedenfalls erstreckt sich auf alle Bereiche wie Patientenversorgung, Administration und Forschungseinrichtungen. Die Corona-Infektionen stammen „meist aus dem privaten und familiären Umfeld“. Besonders betroffen sind – wie generell zurzeit – Familien mit Kindern in Kitas und Schulen. Eine genaue Krankenstand-Quote für die UMG mit ihren mehr als 8000 Mitarbeitenden lasse sich aber nicht präzise ermitteln, „da der Personalverlust in den Bereichen sehr unterschiedlich ausfällt“.

Einen „erhöhten Personalausfall wegen der Corona-Regularien in allen Dienstbereichen“ meldet auch das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW), die zweitgrößte Klinik in der Region Südniedersachsen.

Ausfallgründe sind Infektionen und die damit verbundene Quarantäne und Isolation. „Allerdings können wir die Ausfälle durch Mitarbeiter aus anderen Bereichen kompensieren, Betten oder Stationen mussten dadurch bislang nicht gesperrt bzw. geschlossen werden“, sagt EKW-Sprecher Stefan Rampfel. Im „Weender“ wurden Stand Dienstag 18 Patienten mit Covid-19 auf der Normalstation und zwei auf der Intensivstation versorgt.

„Eine Prognose bis Mai nicht möglich“

Derweil fällt UMG-Vorstand Lorenz Trümper eine Vorhersage der Situation in der Uni-Klinik schwer: „Schon aufgrund der so nicht erwartbaren Entwicklung der vergangenen Wochen ist eine Prognose bis Mai schlichtweg nicht möglich.“

Eine ganz klare Aussage aber trifft Trümper zum Wegfall von Corona-Regeln: „Der Wegfall des aus meiner Sicht effektivsten und einfachsten Kontroll- und Schutzinstrumentes – das Tragen der Schutzmaske im öffentlichen Raum – ist unnötig, sogar schädlich und deshalb für mich gänzlich unverständlich“, sagt er unmissverständlich.

Die UMG werde diesbezüglich zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Das heißt: Das Tragen von FFP-2-Masken und das Einhalten der Corona-Abstandsregeln im Klinikum bleiben Pflicht. (Thomas Kopietz)

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