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Göttinger Migrationszentrum koordiniert Unterstützung für ukrainische Geflüchtete

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Von: Bernd Schlegel

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Unterstützen Flüchtlinge und Helfer: Indira Khalikova (links) und Natascha Wellmann-Rizo vom Migrationszentrum und Jörg Mannigel vom Diakonieverband.
Unterstützen Flüchtlinge und Helfer: Indira Khalikova (links) und Natascha Wellmann-Rizo vom Migrationszentrum und Jörg Mannigel vom Diakonieverband. © Bernd Schlegel

Beim Migrationszentrum in der Uni-Stadt wird Vor-Ort-Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine in Stadt und Landkreis Göttingen koordiniert.

Göttingen – Natascha Wellmann-Rizo und Indira Khalikova sind dafür zuständig – dazu Fragen und Anworten.

Wie viele Geflüchtete aus der Ukraine halten sich derzeit in Stadt und Landkreis Göttingen auf?

Nach einer Schätzung sind es ungefähr 1200 in Stadt in Kreis Göttingen, so das Migrationszentrum. Aber diese Zahl ist nicht nachprüfbar, da sich viele Geflüchtete bei Freunden und Verwandten untergekommen sind. Außerdem dürfen sie sich bis zu 90 Tage visumsfrei im Bundesgebiet aufhalten.

Wie viele freiwillige Helfer kümmern sich um die Geflüchtete aus der Ukraine?

Im Migrationszentrum haben sich etwa 100 gemeldet. Es gibt aber hunderte, die eigenständig aktiv sind. Weitere freiwillige Unterstützer für die Arbeit mit den Geflüchteten werden benötigt.

Wie sieht es mit möglichen Sprachproblemen aus?

Für das Migrationszentrum ist es kein so großes Problem, weil viele der Geflüchteten neben ukrainisch auch russisch sprechen, so wie die beiden Koordinatorinnen. „Die Geflüchteten sind dankbar, wenn sie Infos in einer Sprache bekommen, die sie verstehen“, sagt Wellmann-Rizo.

Für welchen Zeitraum können ukrainische Geflüchtete eine Aufenthaltserlaubnis bekommen?

Diese gibt es zunächst für ein Jahr. Danach ist eine Verlängerung von bis zu einem weiteren Jahr möglich. In dieser Zeit dürfen diese Geflüchteten auch arbeiten und haben Zugang zu Sozialleistungen und zur Gesundheitsversorgung.

Was sollten Geflüchtete beachten, bevor sie sich offiziell bei den Behörden melden?

Sie bekommen mit der Registrierung eine „Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz“ – nach Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes. Damit bekommen sie Leistungen wie Asylbewerber. Das Problem: Wenn Betroffene diesen Status haben, dürfen sie nicht mehr ohne weiteres umziehen und müssen in der jeweiligen Kommune beziehungsweise dem Kreis bleiben. Ein Umzug ist dann nur noch aus einem triftigen Grund möglich – zum Beispiel zur Zusammenführung einer zerrissenen Familie.

Was sollten deshalb betroffene ukrainische Geflüchtete tun?

Der offizielle Schritt der Anmeldung sollte gut überlegt ein. Insbesondere sollte die Frage im Mittelpunkt stehen, ob man in der Region, in der man sich anmeldet, auch bleiben will.

Wie läuft konkret die Anmeldung ab?

Über eine E-Mail an die jeweilige Ausländerbehörde. Für Sozialleistungen muss bei der Stadt Göttingen online ein Termin gebucht werden. Im Neuen Rathaus gibt es eine Anlaufstelle, die wochentags vormittags geöffnet ist und auch Notauszahlungen vornimmt. Einen ähnlichen zentralen Anlaufpunkt gibt es beim Landkreis nicht. Dort läuft viel über die Gemeinden.

Welche Einstellung der Geflüchteten beobachten die beiden Göttinger Koordinatorinnen bei den Geflüchteten?

„Sie wollen ihr Leben nahtlos fortsetzen“, sagt Koordinatorin Wellmann-Rizo. Insbesondere besteht der Wunsch, die Kinder einzuschulen beziehungsweise in einer Kita betreuen zu lassen. Und viele Geflüchtete sagen: „Ich will nicht von Sozialhilfe leben.“

Wie sieht es mit Sprach- beziehungsweise Integrationskursen für die Geflüchteten aus der Ukraine aus?

Es kann noch ein wenig dauern, bis entsprechende Angebote in der Region Göttingen geschaffen werden.

Was ist mit Kita-Plätzen?

Die Kitas sind durch die Corona-Krise ohnehin belastet. Und: Die Kita-Anmeldungen sind Anfang des Jahres bereits gelaufen. Deshalb könnte die Kita-Betreuung zum Problem werden. Allerdings wurden in dieser Woche die Standards aufgeweicht, um mehr Kinder in Kitas aufnehmen zu können. Ideal wären Sprach- und Integrationskurse mit Kinderbetreuung, die es momentan aber nicht gibt.

Wie kann das Problem mit konkreten Angeboten für Geflüchtete angegangen werden?

Derzeit aktiviert das Migrationszentrum sein umfangreiches Netzwerk, um ehrenamtliche Angebote zu schaffen. Es gibt enge Kontakte zu Kirchengemeinden, den Nachbarschaftszentren sowie zum KAZ. In der Evangelischen Familienbildungsstätte wurde zusätzliche Eltern-Kind-Gruppe (für Kinder von null bis drei Jahre) eingerichtet..

Gibt es ein Beispiel für aktive Hilfe durch Freiwillige?

Ja, im Neuen Rathaus in Göttingen wurde ein Dolmetscher-Dienst mit Freiwilligen eingerichtet. Sie stehen bei Fragen – auch zu den Themen Impfungen und Sozialleistungen – den Betroffenen zur Seite. Und die vielen Freiwilligen, die Ukrainer zuhause aufgenommen haben und bei allen Schritten begleiten. (Bernd Schlegel)

Migrationszentrum freut sich über konkrete Unterstützungsangebote und bietet Informations-Treffen an

Das Migrationszentrum Göttingen freut sich über konkrete Hilfsangebote, zum Beispiel Sprach- oder Begegnungsangebote.

Das Netzwerkder Ehrenamtskoordination wurde in den vergangenen sieben Jahren aufgebaut und trägt nun Früchte. Gleichzeitig betonen die Koordinatorinnen Natascha Wellmann-Rizo und Indira Khalikova, die beide russisch sprechen, mit Blick auf die Arbeit im Migrationszentrum: „Wir sind auch weiterhin für alle anderen Geflüchteten da.“ Auf der Homepage des Migrationszentrums haben beide wertvolle Tipps sowie Links in deutscher und russischer Sprache für ukrainische Geflüchtete und Helfer zusammengestellt. Für Anfragen sind sie am besten unter der E-Mail-Adresse ehrenamt.miz.goettingen@evlka.de zu erreichen.

Für betroffene ukrainische Geflüchtete gibt es im Göttinger Migrationszentrum, Neustadt 18, jeweils montags und donnerstags um 10 Uhr Informatons-Treffen.

Info-Abende für freiwillige Helfer und Interessierte, bei denen es beispielsweise um die gesetzlichen Grundlagen zum Aufenthaltsrecht geht, gibt es jeden Montag um 19 Uhr im Migrationszentrum.

Außerdem benötigt das Migrationszentrum, das beim Diakonischen Werk angesiedelt ist und auch von Land, Stadt, Kreis und Kirche unterstützt wird, selbst finanzielle Unterstützung für seine Arbeit. Jährlich muss nämlich ein sechsstelliger Betrag aufgebracht werden, damit die Projekte weiterlaufen können. bsc

Weitere Infos gibt es hier.

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