Untreue in 167 Fällen

Göttinger Nachlasspfleger soll mehr als 1,3 Millionen Euro abgezweigt haben

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Anklage vor der Wirtschaftsstrafkammer: Ein 48-Jähriger aus Göttingen muss sich wegen gewerbsmäßiger Untreue in 167 Fällen verantworten. Es geht um mehr als 1,3 Millionen Euro.

Göttingen. Weil er mehr als 1,3 Millionen Euro veruntreut haben soll, muss sich ein früherer Nachlasspfleger vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat den 48-jährigen Göttinger wegen gewerbsmäßiger Untreue in 167 Fällen angeklagt. Sie wirft ihm vor, zwischen August 2011 und Januar 2015 als gerichtlich bestellter Nachlasspfleger wiederholt erhebliche Beträge aus der Erbmasse von zehn Verstorbenen für sich abgezweigt und verwendet zu haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 48-jährige Geschäftsführer einer GmbH, die laut eigener Darstellung mit der Begleitung von Insolvenzverfahren, Zwangsverwaltungen und Pflegschaften aller Art befasst war. Bei den angeklagten Fällen geht es um Nachlasspflegschaften.

Wenn unklar ist, ob und welche Erben ein Verstorbener hat, setzen Amtsgerichte einen Nachlasspfleger ein. Dieser ist dann der gesetzliche Vertreter der unbekannten Erben. Er hat die Aufgabe, die Erben zu ermitteln und die Nachlassangelegenheit abzuwickeln.

Transfer auf ein Sammelkonto

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48-Jährigen vor, nur einen Teil der Erbmasse an die berechtigten Erben ausgekehrt und erhebliche Anteile für sich verwendet zu haben. Dabei soll er so vorgegangen sein, dass er die jeweiligen Treuhandkonten für die einzelnen Nachlässe auflöste und stattdessen die Gelder auf ein eigens eingerichtetes Sammelkonto transferierte.

In einem Fall habe er beispielsweise 365.000 Euro aus dem Nachlass einer verstorbenen Frau auf dieses Konto umgebucht, in einem anderen Fall seien es 840.000 Euro gewesen, sagte Behördensprecher Andreas Buick.

Von diesem Sammelkonto soll er dann über mehrere Jahre hinweg nach und nach mehr als 185.000 Euro in bar abgehoben haben. Außerdem überwies er laut Anklage 64.000 Euro auf ein Privatkonto, weitere 45.000 Euro flossen auf ein Prepaid-Kreditkartenkonto.

Mehr als 990.000 Euro transferierte er auf sein Geschäftskonto, dorthin soll er außerdem weitere 44.000 Euro direkt aus einem Nachlass überwiesen haben.

Motiv: Spielsucht

Der 48-Jährige hatte sich vor zwei Jahren selbst angezeigt. Als Tatmotiv gab er an, mit dem veruntreuten Geld seine Spielsucht finanziert zu haben. Nach Bekanntwerden des Falls war er von allen Aufgaben entpflichtet worden. Die betroffenen Amtsgerichte überprüften zudem sämtliche Nachlassverfahren des 48-Jährigen.

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