Schimmel, Wanzen und Bauschäden

Göttinger Obdachlosen-Unterkunft der Heilsarmee wegen Schäden kaum noch zu nutzen

Steht unter Denkmalschutz: Seit 1971 betreibt die Heilsarmee an der Unteren-Masch-Straße 13b eine Obdachlosenunterkunft.
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Steht unter Denkmalschutz: Seit 1971 betreibt die Heilsarmee an der Unteren-Masch-Straße 13b eine Obdachlosenunterkunft.

Schimmel, Wanzen und Bauschäden: Die Obdachlosen-Unterkunft der Heilsarmee an der Unteren-Masch-Straße 13b in Göttingen lässt sich guten Gewissens kaum noch nutzen.

Göttingen – Schimmel im Keller, Bauschäden überall im Haus, Probleme mit Kakerlaken und jetzt noch keimbelastetes Leitungswasser: Die Obdachlosen-Unterkunft, die die Heilsarmee seit 1971 an der Unteren-Masch-Straße 13b in Göttingen betreibt, lässt sich guten Gewissens kaum noch nutzen, sagt Leiterin Esther Gulde.

Seit Jahren, so die Sozialpädagogin, dränge sie die Eigentümerin des unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkgebäudes, tätig zu werden. Doch die Stadt Göttingen schiebe eine grundlegende Sanierung bis heute auf, beschränke sich auf „Flickwerk“. Das habe auch mit einem neuen Mietvertrag zu tun, den die Heilsarmee Deutschland 1996 unterzeichnet habe. Er verpflichte die Freikirche dazu, alle anstehenden Arbeiten am Gebäude selbst zu übernehmen.

Nach einer Kanalsanierung 2010 hat sich die Situation massiv verschlechtert

„Die großen Baumaßnahmen, die jetzt anstehen, können wir jedoch nicht finanzieren“, erklärt Gulde. Die Situation habe sich seit der Kanalsanierung in der Straße Ende der 2010er Jahre massiv verschlechtert. Seitdem gebe der Untergrund nach. Putz falle innen und außen von den Wänden, im Haus bildeten sich Risse, Türen brächen aus den Angeln. Der Fußboden habe an mehreren Stellen ein Gefälle. Decken würden sich so mehrere Zentimeter durchbiegen. Zwei der 16 Einzelzimmer für Dauergäste sowie das Fünfbettzimmer für Notübernachtungen seien deswegen gesperrt.

„Probleme verursacht zudem eindringendes Wasser“, berichtet Gulde. In den feuchten Kellerräumen, wo die Heilsarmee ihre Vorräte lagert und Kleidung wäscht, breitet sich Schimmel aus. Die ehemalige Kleiderkammer, darf deshalb seit 2017 nicht benutzt werden.

Die ehemalige Kleiderkammer im Keller der Heilsarmee ist seit 2017 aufgrund massiver Schimmelprobleme gesperrt: Einrichtungsleiterin Esther Gulde.

Eine der Mitarbeiterinnen bekommt mittlerweile schon Asthma-Anfälle

Eine Mitarbeiterin, die unter Schimmelsporenallergie leidet, bekommt mittlerweile schon im Erdgeschoss Asthma-Anfälle. Auch andere der insgesamt zwölf Beschäftigten leiden unter den Arbeitsbedingungen. Die Feuchtigkeit im Haus lässt Balken faulen. Bewohner nutzen die Balkone nicht mehr, aus Angst abzustürzen.

Zu kämpfen hat die Einrichtung auch mit der Haustechnik. 2021 haperte es monatelang mit der Warmwasserversorgung, weil der Speicher defekt war. Aus den Leitungen kommt verfärbtes, keimbelastetes Wasser.

In der zweiten und dritten Etage fehlen die Flucht- und Rettungswege. Im Brandfall wären Bewohner dort oben kaum zu retten. Für Ärger sorgen Schädlinge. Neben Kakerlaken gibt es immer wieder Probleme mit Pelzkäfern, Bettwanzen oder Mäusen. „Der Kammerjäger ist bei uns Dauergast“, erklärt Gulde.

Oberbürgermeister: Stadt Göttingen kann Sanierung aus eigener Kraft nicht stemmen

„Die Stadt kann die Sanierung aus eigener Kraft nicht stemmen“, betont Göttingens scheidender Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Er setzt auf das Sanierungsprogramm Nördliche Innenstadt. Dort sind bereits anderthalb Millionen Euro für die Unterkunft vorgesehen, die aber kaum reichen werden.

Der Programmstart hat sich aufgrund der Pandemie verzögert. CDU-Ratsherr Olaf Feuerstein macht Druck, verlangt die „sofortige Renovierung und Sanierung“. Bei laufendem Betrieb wird das kaum möglich sein. „Wir brauchen in der Zeit eine Ausweichunterkunft“, fordert Gulde. (Michael Caspar)

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