Göttinger Palliativzentrum ermöglicht angenehmes Wohnen

In Ruhe ein Bad nehmen und dabei fernsehen: Im Göttinger Palliativzentrum sollen Todkranke die Wahl haben, wie sie leben möchten. Foto: Leissa

Göttingen. Wer aufgrund von Krankheit oder Alter nicht mehr lange zu leben hat, sollte nicht die Freude am Leben selbst verlieren, findet Prof. Dr. Friedemann Nauck, Leiter der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin (UMG) Göttingen.

Der Mediziner und sein Team an der Uni-Klinik haben sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von Palliativpatienten zu erhalten und mit ihren Möglichkeiten auch zu steigern. Dafür sorgt das Palliativzentrum mit seinem Angebot.

Zu den Patienten des Zentrums gehören nicht nur Krebserkrankte. Rund 20 Prozent der Patienten auf der Station leiden an unheilbaren chronischen Krankheiten am Herzen, an der Lunge oder an neurologischen Erkrankungen.

Friedemann Nauck

Das Ambulanzteam pflegt derzeit etwa 50 Patienten aus dem Landkreis Göttingen. Stationär aufgenommen werden zehn Patienten: Jedes Zimmer hat eine Terrasse, über die Haustiere zu Besuch kommen dürfen oder der Patient mitsamt Bett in den Patientengarten der Klinik geschoben werden kann.

„Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Veronika Frels, Vorsitzende des Göttinger Fördervereins für das Palliativzentrum. Der Verein initiierte nicht nur den Bau des offenen Gartens, sondern beteiligte sich an der Finanzierung.

Mit dem Angebot des Zentrums solle vieles wieder möglich werden, was die Krankheit erschwere. So ist laut Frels auch das Kochen mit Angehörigen in der Patientenküche möglich. Ein Klavier lädt zum Musizieren ein, auf der Station arbeitet ein Musiktherapeut. Entspannung gibt es in einem Klangraum, in dem im Hintergrund Musik und Lichteffekte nach Wahl gespielt gespielt werden.

Zur Lebensqualität gehöre laut Frels auch die Wahl zwischen Duschen und Baden: Dafür gibt es neben den Zimmerduschen auch einen Baderaum mit Deckenlichtern, die einen Sternenhimmel simulieren.

„Es ist hier wie in einem Hotel“, sagt eine Patientin, als sie durch die mit roter Wandfarbe gestrichenen Flure geht. Es freut zwar die Ärzte, Krankenpfleger und Psychologen, dass das Zentrum so gut ankomme. Man wolle aber kein Hotel sein: „Wir stabilisieren die Erkrankten, damit sie so schnell wie möglich wieder nach Hause zurückkehren. In Deutschland stirbt etwa die Hälfte der Palliativpatienten noch immer im Krankenhaus“, sagt Prof. Nauck.

Die Bilanz des Palliativzentrums ist vorbildlich: Zwei Drittel der Patienten sterben im Kreise der Angehörigen in den eigenen vier Wänden.   

DREI FRAGEN

Spenden für ein gutes Leben 

Das Göttinger Palliativzentrum versorgt nicht nur die Patienten mit dem Notwendigsten, sondern bietet alles, was das Leben trotz der schweren Phase wieder schön machen kann. Dafür setzt sich Veronika Frels, Vorsitzende des Fördervereins für das Palliativzentrum, ein.

Was macht der Göttinger Förderverein für das Palliativzentrum? 

Veronika Frels: Der Förderverein hat sich mit seiner Gründung vor 13 Jahren die Einrichtung eines Zentrums für Palliativmedizin zum Ziel gesetzt, das die Versorgung von Palliativpatienten verbessert. Der Verein hilft unter anderem bei der Unterbringung im Zentrum und bei der Ausstattung mit Kleidung und medizinische Geräten. Auch erhalten Angehörige, die es sonst finanziell nicht stemmen können, von uns Fahrgeld, damit sie die Patienten besuchen können.

Was macht der Verein, um die Lebensqualität eines Palliativpatienten zu steigern?

Frels: Wir organisieren jedes Jahr ein Sommerfest für die Patienten, für ihre Angehörige, aber auch für ehemalige Patienten. Eine Musiktherapeutin und Kochkurse machen einen angenehmen Alltag möglichen. Jedes Jahr unterstützen wir außerdem mit der Deutschlandstiftung einen Medizinstudenten und hoffen, die Palliativmedizin somit langfristig zu verbessern.

Wie finanziert der Verein seine Projekte? 

Frels: Hauptsächlich über Spenden, aber auch über die Beiträge unserer etwa 600 Mitglieder. Wir haben eine Stiftung gegründet, deren Zinsen uns etwas Geld zur Verfügung stellt. Außerdem finanzieren wir uns auch mit Aktionen, wie zum Beispiel Kunstauktionen und Benefizessen wie unserem „Charity BBQ“.

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