"Total überrascht" vom Anruf aus Oslo

Dotiert mit einer Million Dollar: Göttinger Physiker erhält Kavli-Preis

Gewinner des Kavli-Preises: Stefan W. Hell. Foto: nh
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Gewinner des Kavli-Preises: Stefan W. Hell. Foto: nh

Göttingen. Eine der weltweit höchsten Auszeichnungen geht an Stefan W. Hell vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Der 51-Jährige erhält den mit einer Million US-Dollar dotierten Kavli-Preis für Nanowissenschaften.

Die Auszeichnung wird in diesem Jahr an drei Forscher verliehen: Neben Stefan W. Hell werden auch Thomas W. Ebbesen (Straßburg) und Sir John B. Pendry (London) für ihre Beiträg

Zur Person:

Stefan W. Hell ist 51 Jahre alt. Er promovierte 1990 an der Universität Heidelberg in Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am dortigen Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL). Danach folgte ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien). Als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe wechselte er im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Seit 2002 ist er am Max-Planck-Institut Direktor und Leiter der Abteilung Nano-Biophotonik. Zudem leitet er seit 2003 die Abteilung Optische Nanoskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Stefan Hell hat für seine Forschung zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne sowie eine Tochter. (esp)

e zur Nano-Optik geehrt. Ihre Forschungen hätten die althergebrachten Glaubenssätze zur Auflösungsgrenze der optischen Mikroskopie und Bildgebung überwunden, hieß es in der Begründung. Der Preis wird am Dienstag, 9. September, in Oslo durch den norwegischen König verliehen.

Stefan Hell saß in seinem Büro, als ihn der unerwartete Anruf aus Oslo erreichte. „Total überrascht“ sei er von der Mitteilung des Präsidenten der Norwegischen Akademie der Wissenschaften gewesen, habe sich aber riesig gefreut, sagte Hell. „Das ist eine große Anerkennung – nicht nur für mich, sondern für alle meine Mitarbeiter, die gemeinsam an der hochauflösenden Lichtmikroskopie gearbeitet haben.“

Große Begeisterung über die Nachricht gab es auch am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. „Wir freuen uns alle mit Stefan Hell, dass ihm diese hohe Auszeichnung verliehen wurde“, erklärte der Geschäftsführende Direktor Gregor Eichele. Das sei eine große Ehre für Hell, aber auch für das Institut.

Mit neuen physikalischen Konzepten ist es Hell gelungen, die Beugungsgrenze von Lichtmikroskopen zu unterlaufen. Er revolutionierte damit die Lichtmikroskopie und erlaubte völlig neue Einblicke in den Nanokosmos lebender Zellen.

Der Ansatz des Physikers beruht auf einem Kniff: Eng benachbarte Details werden unter Verwendung eines speziellen Lichtstrahls sequenziell dunkel gehalten, sodass sie nicht gleichzeitig, sondern nacheinander aufleuchten. Sie können somit im Lichtmikroskop unterschieden werden. „Ein großer Vorteil ist, dass unserer Methode ein relativ allgemeines Grundprinzip zugrunde liegt. Die Hochauflösung ist daher längst nicht ausgereizt“, sagte Hell.

Mit seinen Abteilungen Nano-Biophotonik am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Göttingen) und Optische Nanoskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum (Heidelberg) forscht Hell nun intensiv daran, noch feiner in die molekularen Details der lebender Zellen vorzustoßen. (esp)

Hintergrund: Kavli-Preis

Der Kavli-Preis wird seit 2008 jedes zweite Jahr gemeinschaftlich von der Norwegischen Akademie der Wissenschaften, der Kavli-Stiftung sowie dem Norwegischen Ministerium für Bildung und Forschung verliehen. Geehrt werden Wissenschaftler für bahnbrechende Erkenntnisse in den drei Forschungsfeldern Astrophysik, Nanowissenschaften und Neurowissenschaften. Die Auszeichnung ist in jeder Kategorie mit einer Million US-Dollar (rund 730.000 Euro) dotiert. Bei mehreren Preisträgern in einer Kategorie wird das Preisgeld geteilt. Die Auszeichnung ist nach dem norwegischen Physiker und Unternehmer Fred Kavli (1927-2013) benannt. (esp)

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