Göttinger Pianist Alexander Schimpf: Klassik als Philosophie

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Musiker und Instrument: Pianist Alexander Schimpf sprach im Interview über seinen schönsten Auftritt.

Alexander Schimpf ist vielfach ausgezeichneter Pianist und wurde in Göttingen geboren. Im Interview erzählt er ein Missgeschick, das ihm auf der Bühne passiert ist.

Wie sind Sie zur Musik gekommen? 

Alexander Schimpf: Meine Eltern haben Geige gespielt und wir hatten ein Klavier. Mit fünf Jahren bekam ich die ersten Stunden. Ich habe oft auch Zeit am Klavier verbracht, ohne dass es ums Üben ging.

Also hatten Sie durch das Lernen keine Entbehrungen? 

Schimpf: Nein. Es war eher eine Bereicherung und ich war selbstverständlich nicht den ganzen Tag am Klavier. Ein Instrument, das Töne machen kann, ist, glaube ich, für jedes Kind faszinierend.

Wenn Sie mit Musik eine Emotion verbinden, welche ist das? 

Schimpf: Musik beinhaltet alle Emotionen, da könnte ich nicht eine herausgreifen. Die großen Komponisten haben alle Emotionen in ihren Werken verarbeitet. Das alles wiedergeben zu können, ist Aufgabe des Spielers.

Welches war Ihr schönster Auftritt und warum?

Schimpf: Der Auftritt, der mir am intensivsten im Gedächtnis bleibt, war in der New Yorker Carnegie Hall 2011. Die Atmosphäre an diesem Ort, um den sich so viele Geschichten ranken, war etwas sehr Besonderes. Ich war, zum Glück, auch mit dem Konzert sehr zufrieden.

Ist Ihnen mal etwas passiert, was einen Auftritt hätte gefährden können? 

Schimpf: Mir ist mal eine Saite gerissen. Da habe ich ein Stück gespielt, bei dem ein bestimmter Ton immer wiederholt wird. Als ich die Saite einmal hart angeschlagen habe, ist sie gerissen und selbst wenn ich den Ton leise gespielt habe, gab es dieses typische Geräusch. Dann ist man ausgeliefert. Viele Leute haben vielleicht gedacht, das sei Absicht gewesen, aber das war es natürlich nicht.

Hören Sie auch andere Genres außer Klassik? 

Schimpf: Seit ich selber Musik mache, höre ich weniger Musik. Ich habe mich aber immer für Jazz interessiert. Und was Popsongs angeht, müssen sie zur Stimmung passen. Ich höre aber bevorzugt Klassik. Ich würde nicht unbedingt in einen Technoclub gehen.

Wenn Sie einen Komponisten nennen müssten, der Sie am meisten begeistert, welcher ist das? 

Schimpf: Wenn ich einen nennen müsste, wäre das immer Beethoven. Es steckt eine bestimmte Art von Energie in seiner Musik. Auch, wenn ich das Gefühl habe, ein paar anderen Komponisten damit Unrecht zu tun.

Warum ist Klassik noch so angesagt? 

Schimpf: Die großen Werke muss man sehen wie große Werke der griechischen Philosophen. Sie verlieren nicht an Wert. Deshalb entdecken die Menschen sie auch immer wieder neu. Es gibt bei vielen Leuten zwar die Denkweise, Klassik sei altmodisch, aber für mindestens ebenso viele Menschen ist sie das eben nicht.

Zur Person

Alexander Schimpf wurde am 28. August 1981 in Göttingen geboren und wuchs mit der Musik auf. Er ist Lehrbeauftragter für Klavier an der Hochschule für Musik Würzburg. Seine Eltern wohnen in Herberhausen und spielen Geige, seine Mutter gibt auch Unterricht. Sein Vater, Wolfgang Schimpf, ist Direktor des Max-Planck-Gymnasiums. Schimpf spielte bereits auf internationalen Bühnen, unter anderem in Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, Polen, England sowie mehrfach in Südamerika. Auch in der berühmten New Yorker Carnegie Hall spielte er bereits. Das Manhattaner Konzerthaus fällt ihm ein, wenn er über seinen schönsten Auftritt nachdenkt.

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