Task Force Cybercrime ermittelt

Göttinger Polizei-Spezialeinheit bekämpft Betrug mit der „Chef-Masche“

Göttingen. Eine Göttinger Spezialeinheit der Polizei ist Straftätern im Internet auf der Spur. Aktuell beschäftigt die Ermittler eine Masche, bei der es darum geht, im großen Stil Firmen abzuzocken. Auch bei Unternehmen in Südniedersachsen wurde der Trick bereits versucht.

Die E-Mail des Göttinger Unternehmenschefs ist kurz: „Wie hoch ist der Kontostand? Müssen eine Überweisung von 75T machen“, schreibt er der Mitarbeiterin aus der Finanzabteilung, gefolgt von dem Hinweis „von meinem iPhone gesendet“. Was aussieht, wie eine besonders wichtige Arbeitsanweisung ist in Wirklichkeit ein Fall für die „Task Force Cybercrime/Digitale Spuren“ bei der Polizei Göttingen.

Obwohl die Sache sehr dringend zu sein scheint, zögert die Mitarbeiterin, den Anweisungen zu folgen und die 75 000 Euro zu überweisen – und bewahrt ihre Firma so vor großem Schaden. Die Mail stammt nicht vom Chef, sondern von Betrügern, die mit diesem Trick versuchen, hohe Geldbeträge zu ergaunern. Die Göttinger Firma schaltet umgehend die Polizei ein.

Dort kümmern sich die Cybercrime-Spezialeinheit um alle Straftaten im „Tatort Internet“. Die Polizeiinspektion Göttingen ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet. Bereits 2011 wurde hier die landesweit erste Ermittlungseinheit zur Bekämpfung von Internet-Kriminalität eingerichtet.

Polizei braucht Spezialisten

Die Digitalisierung habe auch bei der Polizei zu einem Paradigmenwechsel geführt, sagt der Leiter der Polizeiinspektion, Thomas Rath. „Wir brauchen in der Ermittlungsarbeit nicht nur Generalisten, sondern auch IT-Fachleute, damit wir die Ganoven technisch einholen und überholen können.“

Um noch schlagkräftiger zu werden, wurde die Task Force nun personell aufgestockt. Inzwischen arbeiten in dem 17-köpfigen Team auch zwei Informatiker. Die beiden 25 Jahre alten IT-Spezialisten helfen den Polizeiermittlern in der Uni-Stadt bei der Sicherung, Analyse und Auswertung von Daten und der Verfolgung der meist weit verzweigten virtuellen Spuren.

Zu den aktuellen Phänomenen gehört auch die aktuell grassierende, oben beschriebene „Chef-Masche“. Inzwischen warnt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor dieser auch „CEO Fraud“ genannten Betrugsmasche. Die Betrüger verschaffen sich über Webseiten und soziale Netzwerke Informationen über einzelne Firmen und schreiben dann unter dem Namen der jeweiligen Chefs gezielt ausgewählte Mitarbeiter an.

Auch in Südniedersachsen wurden bereits diverse Firmen kontaktiert. In den vergangenen Wochen hätten sich allein vier Unternehmen aus Göttingen gemeldet, sagt Oliver Knabe, der Leitter der Spezialeinheit. Betroffene sollten möglichst frühzeitig die Polizei informieren: „Je schneller sie sich melden, desto besser können wir ermitteln.“

Polizei-Spezialeinheit hat inzwischen technisch aufgerüstet

Technisch hat die Göttinger Spezialeinheit „Task Force Cybercrime/Digitale Spuren“ inzwischen aufgerüstet. „Wir haben einen leistungsstarken eigenen Server bekommen und sind jetzt richtig gut ausgestattet“, freut sich Task-Force-Leiter Oliver Knabe.

Mit den neuen technischen Möglichkeiten können sich die Spezialermittler noch effizienter auf die Suche nach den Hintermännern von kriminellen Machenschaften im Internet machen. „Eine besondere Herausforderung besteht für uns darin, dass wir die oft riesigen Datenmengen erst einmal handhabbar machen müssen“, sagt Knabe, Chef der Task Force.

Um den in der Anonymität des Internets agierenden Tätern auf die Schliche zu kommen, und die oft bandenmäßig organisierten Strukturen aufzudecken, entwickeln die IT-Experten auch eigene Software-Lösungen.

Rubriklistenbild: © Spata/dpa

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