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Göttinger Polizeibeamte werden künftig in Migration und Flucht geschult

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Von: Clara Veiga Pinto

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Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten (links) und Dr. Anna Haut, wissenschaftliche Leiterin des Museums.
Wollen künftig zusammenarbeiten, um Polizisten in den Themen Flucht und Migration zu schulen: Die Polizeidirektion Göttingen und das Museum Friedland. Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten (links) und Dr. Anna Haut, wissenschaftliche Leiterin des Museums, haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. © Polizeidirektion Göttingen

Die Polizeidirektion Göttingen und das Museum Friedland kooperieren. In Zukunft lernen Polizeibeamte mehr zu den Themen Migration und Flucht.

Friedland – Monzer Alzakrit steht am Rednerpult. Er ist aufgeregt. „Nach meiner Ankunft in Deutschland dachte ich, die Menschen hier werden mir nicht helfen. Sie haben Angst vor mir“, sagt er. 2012 floh er aus seinem Heimatland Syrien nach Ägypten – seit 2014 lebt er in Deutschland.

Eine seiner ersten Stationen war das Grenzdurchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen, das die offizielle Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Niedersachsen ist.

Wichtige Themen Flucht und Migration: Künftig werden Polizeibeamte darin geschult

Wie ihm ging es seit dem Zweiten Weltkrieg mehr als vier Millionen Menschen. Sie alle wurden im Grenzdurchgangslager registriert. Alzakrit arbeitet heute im Museum Friedland und wohnt in Eschwege. Noch immer haben er und seine Frau allerdings mit Anfeindungen in der Öffentlichkeit zu kämpfen.

Migration und Flucht haben in Deutschland immer wieder eine große Rolle gespielt. Auch heute ist das Thema aktueller denn je. Daher werden Asylsuche und Migration künftig ein fester Bestandteil in Fort- und Ausbildung der Polizeibeamten der Polizeidirektion Göttingen sein.

2016 hat das Museum Friedland eröffnet. Es befindet sich nahe dem Lager im früheren Bahnhofsgebäude und präsentiert die Geschichte des Lagers – und auch die Gegenwart. In Kooperation mit dem Museum entwickelt die Polizeidirektion einen Workshop, der die Göttinger Polizisten in diesen Themen schulen wird. Einen Kooperationsvertrag haben Museum und Polizeidirektion nun unterzeichnet – zu dieser Gelegenheit erzählte auch Monzer Alzakrit die Geschichte aus seiner Vergangenheit.

Einen Probelauf des Projektes „Das wird man wohl noch sagen dürfen: Über Migration sprechen“ gab es bereits. „Der hat uns und den Teilnehmern viel Spaß gemacht“, sagt Angela Steinhardt, Bildungsreferentin des Museums. „Die Kooperation kommt genau zur richtigen Zeit.“

Dieser kleine Ort in Südniedersachsen verbindet durch die Einrichtung die ganze Welt.

Dr. Anna Haut

Gwendolin von der Osten, Polizeipräsidentin der Polizeidirektion Göttingen nannte die Zusammenarbeit einen „weiteren Baustein in einem wichtigen Handlungsfeld“. Welcher Ort könnte sich für die Themen Asyl und Migration schließlich besser eigenen, als das Museum Friedland.

Die Polizei solle dadurch mehr zu einer „Polizei der Chancengleichheit und der Willkommenskultur“ werden, sagte die Präsidentin. Friedland sei ein Ort, der viele Geschichten zu erzählen hat. „Dieses kleine Dorf in Südniedersachsen verbindet durch die Einrichtung die ganze Welt“, sagte die Wissenschaftliche Leiterin des Museums Dr. Anna Haut.

Gemeinsam wollen Polizei und Museum im nächsten Schritt Bildungsangebote entwickeln, darunter werde man auch mit Podcasts arbeiten.

Übrigens: Bis zum Jahr 2025 soll für das Museum ein Erweiterungsbau inklusive einer Akademie entstehen. „Das Bildungsangebot wird dadurch erweitert und ist für ein diverses Publikum ausgelegt“, sagte Dr. Anna Haut. Das Projekt trägt den Namen Campus, da das Wort aus Camp, also „Lager“, und Us, aus dem englischen für „wir“ besteht. (Clara Pinto)

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