Konservierungsmittel sind oft die Ursache

Göttinger Professor: Allergieforschung wird zu wenig beachtet

Test beim Hautarzt: So kann sicher festgestellt werden, ob eine Allergie auf bestimmte Stoffe vorliegt. Foto: dpa

Göttingen. Konservierungsmittel sind häufig die Ursache für Allergien. Der Göttinger Forscher Prof. Thomas Fuchs kämpft seit Jahren dafür, dass bestimmte Stoffe aus Produkten verschwinden.

Viele Krankheiten ließen sich dadurch verhindern, dass Menschen nicht mehr mit bestimmten Stoffen in Berührung kommen. Wer sich dafür stark macht, stößt allerdings häufig auf Widerstand bei Politikern und Lobbyverbänden. Diese Erfahrung hat Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) immer wieder gemacht.

Sein ganzes Berufsleben hat sich der Leiter des Bereichs Allergologie der UMG, der seit vielen Jahren im Vorstand des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen ist, dafür engagiert, dass Patienten besser vor Allergien geschützt werden. Ende März tritt er in den Ruhestand – und zieht eine kritische Bilanz: „Viele unserer Forschungsergebnisse kommen gar nicht bei den Patienten an.“ Manche Studien haben allerdings durchaus Folgen gehabt.

Einsatz von CS-Gas

Ein Projekt beschäftigte sich beispielsweise mit den Risiken des Einsatzes von CS-Gas. 1986 hatte die Polizei erstmals bei einer Demonstration im bayerischen Wackersdorf aus Wasserwerfern den chemischen Reizstoff CS auf Atomkraftgegner versprüht.

Die Allergologen stellten fest, dass das Reizgas sowohl bei Demonstranten als auch bei Polizisten zu teilweise erheblichen Gesundheitsschäden führte. Die Warnungen der Ärzte beeinflussten auch die Politik. 1990 legte zum Beispiel Niedersachsens erste rot-grüne Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung fest, den Einsatz von CS-Gas in Wasserwerfern zu verbieten.

Kontaktallergien

Bei anderen gut erforschten Kontaktallergien seien dagegen keine Verbesserungen zu verzeichnen, konstatiert der Allergologe. Die Nickelallergie sei immer noch weit verbreitet, andere Allergien hätten deutlich zugenommen.

Dies betreffe vor allem die als Konservierungsmittel eingesetzten Isothiazolinone. Sie müssen inzwischen auf der Verpackung angegeben werden. Das führte eine Zeitlang dazu, dass die Industrie diese Substanzen nur noch selten in Körperpflegeprodukten einsetzte. Inzwischen sei von dieser Zurückhaltung nichts mehr zu spüren. Fuchs: „Ob in Duschgels, Shampoos, Kosmetika, Klarspüler, Toilettenpapier, Reinigungsmittel oder Wandfarben – überall sind diese Stoffe wieder zu finden.“ Isothiazolinone seien das „Kontaktallergen des Jahrzehnts“ geworden.

Auflagen

Fuchs plädiert dafür, diese Konservierungsstoffe zu verbieten oder nur unter Auflagen zuzulassen. Die Deklarationspflicht sei kein ausreichendes Mittel. Auf vielen Verpackungen seien die Angaben nur mit einer Lupe zu entziffern. Die Leiden von Allergikern seien alles andere als harmlos, mahnt der Mediziner. „Leider unternehmen die politischen Institutionen und Behörden immer noch zu wenig, um Menschen vor solchen Leiden zu bewahren.“ (pid)

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