Göttinger Professor hilft deutschen Athleten

Göttinger Sportpsychologe: Der Göttinger PFH-Professor Dr. Michael Gutmann bildet mit seiner Kollegin Prof. Dr. Heike Kugler das Psychologen-Team bei der Leichtathletik-WM in Peking. Foto: privat/nh

Göttingen. Am Wochenende gehen die 15. Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu Ende. In Peking hat ein Göttinger Professor mitgeholfen, das letzte Prozent Leistung aus den deutschen Athleten herauszukitzeln: Prof. Dr. Michael Gutmann.

Was sich bei der Fußballnationalmannschaft erst langsam entwickeln musste, ist bei den deutschen Leichtathletik-Assen seit langem Normalität: Die 66 Athleten werden – wie jetzt bei der WM in Peking – von Sportpsychologen unterstützt. Mit dabei ist Prof. Dr. Michael Gutmann von der Privaten Fachhochschule (PFH) Göttingen und dessen Kollegin Prof. Dr. Heike Kugler.

Wenn die Leichtathleten um die Medaillen sprinten, springen oder werfen, dann beobachtet Gutmann das Geschehen. Eingreifen kann der Sportpsychologe des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) aber nicht. Er handelt nach dem Prinzip der zurückhaltenden Präsenz. „Wir sind da, aber im Hintergrund, haben Zugang zum Aufwärmplatz und zu den Zuschauertribünen. Das Coachen ist Sache der Trainer.“

Das Rüstzeug für die Bewältigung schwieriger Situationen versuchen die Psychologen den Athleten vorher mitgegeben: „Wir Sportpsychologen sind neben Physiotherapeuten und Medizinern Teil des Kompetenzteams, das für eine optimale Wettkampfvorbereitung sorgen soll.“

Wie Gutmann sagt, können schon kleine unerwartete Vorkommnisse manchen Sportler irritieren, so wenn äußere Bedingungen Trainingslager und an den Wettkampfstätten nicht wie erwartet sind, die Athleten unsicher oder nervös werden lässt. „Bei den Olympischen Spielen 2012 in London war eine immens große, laute und unüberschaubare Mensa für manche Athleten eine ungeplante Belastung.“

Grundsätzlich zielt die Arbeit der Psychologen darauf ab, dass die Sportler ihr Verhalten in großen Wettkämpfeselbst optimal steuern können. „Wenn sie möchten, können sie unsere Hilfe in Anspruch nehmen.“ Das geschehe meist in Einzelgesprächen.

Doch schon während der Vorbereitungstrainingslager können Verhaltensregeln erarbeitet werden, um Stressmomente zu vermeiden, die den Athleten aus der Bahn werfen könnten. „Atemtechniken und Zentrierungsübungen helfen, um wieder zur richtigen Aufmerksamkeit zu kommen“, sagt Gutmann. Schlechte Gedanken und Ängste würden so auf körperliche Aspekte abgelenkt, die Folge ist eine Beruhigung, wie Michael Gutmann auch aus seiner Zeit als Leistungssportler weiß. Er war Hochspringer mit einer Bestleistung von 2,10 Meter. Das Optimum einer psychologischen Betreuung ist laut Gutmann erreicht, wenn ein Athlet nach einer Beratung „eine scheinbar schwierige Situation als machbar ansieht“.

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