Tod von Göttinger Professor: Kuhle war für Studenten eine Koryphäe

Prof. Dr. Matthias Kuhle

Göttingen. Nur wenige der Studierenden kannten Prof. Dr. Matthias Kuhle persönlich. Doch als Dozent in Vorlesungen und Seminaren haben alle den verstorbenen Forscher gekannt.

Viele Gespräche drehen sich auf den Fluren des Instituts um seinen tragischen Tod in Nepal.

Auf den ersten Blick wirkt in dem Universitäts-Gebäude alles normal. Studenten brüten über Vorlesungsaufzeichnungen, bereiten Referate vor, recherchieren an Computern. Doch die Gespräche drehen sich nicht nur um wissenschaftliche Themen. Der Tod von Matthias Kuhle ist für viele Studenten tragisch. Vor allem, weil er während der Expedition gestorben ist. „Er hat die Berge geliebt“, sagt ein Student, der vor einiger Zeit bei dem Forscher im Seminar saß, „in seinem Bereich war er eine Koryphäe.“

Auch Studiendekan Prof. Dr. Heiko Faust stimmt den Studenten zu: „Inhaltlich reißt er ein großes Loch.“ Matthias Kuhle war Professor für Glacialgeomorphologie mit Schwerpunkt Hochgebirge. Seine Expeditionen gingen hauptsächlich in Regionen mit Bergen über 5000 Metern, so wie zuletzt Nepal.

„Wir werden diese Katastrophe natürlich reflektieren“, sagt Prof. Dr. Hilmar von Eynatten, Dekan des Geographischen Instituts. „Zunächst gilt unsere Sorge der Familie, den Angehörigen und den Studenten.“ Vorlesungen und Seminare werden kurzfristig von anderen Dozenten übernommen.

Wissenschaftliche Heimat von Prof. Dr. Matthias Kuhle: Im Geographischen Institut hinterlässt der verstorbene Forscher eine große Lücke. Foto: Dittrich

Exkursionen, wie sie Kuhle angeboten hatte, seien Teil des Geographie-Studiums, erläuterte Eynatten. „Man könnte das alles auch in Bildern zeigen. Aber das wäre nicht dasselbe. Man muss die Veränderungen der Landschaft real sehen können, die Steine fühlen, um Geomorphologie zu verstehen.“ Und Dr. Faust ergänzt: „Würden wir darauf verzichten, würden wir uns wissenschaftlich zu sehr einschränken.“ Die Forschung im Feld gehöre zur Geographie.

Vor dem Büro von Dr. Kuhle, Raum 61 im Erdgeschoss des Instituts, stehen Glaskästen, in dem Bücher und Zeitschriften ausliegen. Themen: Tibet, Himalaya, Asien, Hochgebirge, Gletscher. Autor: Dr. Matthias Kuhle. Fotografien an Wänden zeigen die Nordwest-Wand des Mount Everest, vom Hohen Lotsen und anderen Bergen. Alles Berge, die mehrere tausend Meter hoch sind. Ein Zettel an der Tür weißt auf die Sprechzeiten des Hochgebirgsgeomorphologen hin: mittwochs, 12 bis 14 Uhr.

In Göttingen hat Kuhle 1975 promoviert, 1980 habilitiert und wurde schließlich 1983 zum Professor der Geographie berufen. Die Universität war sein wissenschaftliches Zuhause, seit über 40 Jahren. Sein Arbeitsplatz war das Hochgebirge. In 44 Expeditionen hat er die höchsten Berge der Welt wissenschaftlich erkundet, vermessen und auch fotografiert.

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