Virtuelle Hauptversammlung

Göttinger Sartorius AG ist Teil der Pandemie-Lösung

Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG
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Freute sich über das große Interesse an der virtuellen Hauptversammlung: Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG. (Archivfoto)

Auch bei Sartorius hat man viel lernen müssen seit Beginn der Corona-Pandemie: Versuchte man 2020 die Hauptversammlung noch in Präsenz im repräsentativen Industrietempel Lokhalle samt Büffet durchzuziehen, um sie dann bis ans Ende der Möglichkeit zu verschieben und schließlich via Live-Stream zu übertragen, ging 2021 am Freitag alles sofort online über den Bildschirm.

Göttingen – Dieser Stream habe Potenzial für die Zukunft, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Joachim Kreuzburg, weil so weitaus mehr Aktionäre, „besonders aus dem Ausland“ die Versammlung besuchen könnten. Die Quote der vertretenen Aktieneigentümer war denn auch beachtlich.

Eines aber fehlte: Die stets mit einem Schmunzeln oder Kopfschütteln im Saal sowie erzwungen-seriösen Gesichtsausdruck auf dem Vorstands-/Aufsichtsratpodium verfolgten, amüsierenden Wortbeiträge gewisser Aktionär-Spezis. Dafür aber geht im neuen Modus alles zügig und konzentriert über die Bühne – samt möglicher Antworten auf Fragen. Die drehten sich am Freitagnachmittag vielfach um die Dividende, die ja von der Hauptversammlung abgesegnet werden muss – und auch mit großer Mehrheit genehmigt wurde. Nun stand Sartorius noch nie für eine, die Aktionäre überfordernde Ausschüttung. Aber nach den für das Corona-Jahr 2020 vorgelegten, herausragenden Zahlen und einer megastarken Aktienperformance hatte mancher vor dem Bildschirm wohl etwas mehr erwartet.

Der Vorschlag sah fast eine Verdoppelung im Vergleich zu 2020 vor: Für die Stammaktie von 71 Cent (Vorzugsaktie) und 70 Cent (Stammaktie) statt 36 und 35 Cent im Vorjahr vor. Hört sich toller an, als es ist. Denn 2020 hatte Sartorius aufgrund nicht einzuschätzender Risiken im Corona-Jahr die Dividende 2019 von 62 und 61 Cent je Papier heruntergeschraubt auf besagte 36/35 Cent. Nun also 71 und 70 Cent und ein bescheidenes Plus von acht Cent zu 2019. Wie gesagt: Einige Aktionäre und deren Vertreter hätten sich mehr gewünscht, stimmten letztlich aber mit großer Mehrheit zu. Denn die Sartorius-Aktie ist weiter ein Anlage-Tipp, dank ihres Höhenflugs, der nur durch wenige Luftlöcher samt Absacken unterbrochen wurde. Der Trend, der für Stämme ein Plus von 97,1 Prozent und für Vorzüge von 80,1 Prozent brachte, geht aufwärts – das beruhigt und begeistert Anleger gleichermaßen.

So soll es, nach einem laut Kreuzburg „sehr intensiven und überaus erfolgreichen 2020“, auch 2021 und darüber hinaus weitergehen, wie er andeutete. Die erfolgreiche Ausrichtung mitsamt der starken Konzentration auf die Bereiche Life-Science und Pharma bliebe unverändert. „Wir liefern täglich Produkte für Menschen, die an der Lösung arbeiten. Wir leisten einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Pandemie. Sartorius ist Teil der Lösung.“

Darin liegt auch eine Ursache für den enormen Geschäftserfolg mit einem laut Kreuzburg „außerordentlich dynamischen Wachstum“ 2020: gut 30 Prozent mehr Umsatz als 2019, 49 Prozent mehr Aufträge und eine über Erwarten gewachsene Gewinnmarge. Dazu kommt ein fast gleiches Umsatzplus in den annähernd gleichstarken Märkten Amerika (32,8 Prozent), Europa (28,4) und Asien/Pazifik (29,6).

Ebenfalls Mut macht eine unumkehrbare Entwicklung: Die Menschheit wächst, die Menschen werden älter. Sie werden mehr Medikamente benötigen. Ein Wachstumsmarkt, in dem Sartorius als All-Inklusive-Anbieter für Hersteller voll dabei ist.

Die Digitalisierung inklusive der Künstlichen Intelligenz soll bei allem helfen, in der Forschung, der Verarbeitung der Ergebnisse, der Produktion – und soll auch mehr Tempo ermöglichen, damit die Medizin schneller bein den Menschen ankommt.

Auch wird die Sartorius AG weiter wachsen. Die Produktionskapazitäten werden so weiter ausgebaut: in China, in Südkorea, in den USA, in Finnland, besonders auch in Göttingen und Guxhagen bei Kassel.

Gute Nachrichten also. Aktionäre hören all das gerne – auch die 21er-Zahlen: Der Umsatz soll um 35 Prozent klettern, die Ebitda-Marge um 32 Prozent. Die bisherigen Zahlen 2021 lassen nichts anderes erwarten. Aber laut Kreuzburg bleiben die Unwägbarkeiten in der weiter grassierenden Pandemie, von der Sartorius bisher profitiert hat, hoch. Wohl auch deshalb sehen es die Aktionäre dem Vorstand nach, bei der Dividende ein wenig zu knausern.

Das Wichtigste aber für Joachim Kreuzburg und Aufsichtsratsvorsitzenden Lothar Kappich: Keiner, der mittlerweile mehr als 11 000 Sartorianer erkrankte schwer an Covid 19. Auch das soll so bleiben, 2021 im Sartorius-Konzern. (Thomas Kopietz)

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