Hauptversammlung in der Lokhalle

Göttinger Sartorius-Konzern ist voll auf Kurs Zukunft

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Heimspiel in der Lokhalle: Die Sartorius-AG lud am Donnerstag die Aktionäre zur Hauptversammlung und präsentierte starke Zahlen und Perspektiven. Foto: Kopietz

Göttingen. Friedlich ging es während der Hauptversammlung der Sartorius AG in der Lokhalle zu. Kritik gab es nur an zu geringen Dividenden.

Wenn ein Vorstandschef-Chef nach einem Rekordumsatz und stattlicher Gewinnmarge das Geschäftsjahr als „nicht ganz unerfolgreiches“ bezeichnet, dann zeugt das von lockerem Selbstbewusstsein. Dr. Joachim Kreuzburg präsentierte so am Donnerstag den mehr als 500 Aktionären die Entwicklung des Tech-Dax-Unternehmens.

Eine enorme Entwicklung, gekennzeichnet seit 2011 durch Umsatzverdreifachung auf nun 1,3 Milliarden Euro. Erreichen des für 2020 festgelegten Gewinnziels bereits 2015, Anstieg der Mitarbeiterzahl von 4735 auf jetzt knapp 7000. Sartorius ist aktuell 7,7 Milliarden Euro wert.

Kreuzburg betont, dass Sartorius deutlich stärker als erwartet gewachsen ist und weiter wachsen soll: „Deshalb erweitern wir massiv die Produktionskapazitäten“, besonders in Puerto Rico und am Göttinger Sartorius-Campus.

Aktionärs-Hauptversammlungen in der Lokhalle sind angesichts der Zahlen und Perspektive ruhige Veranstaltungen. Kritik aus den Reihen der Anteilseigner ist selten und wenn leise. Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt: die Dividende. Sartorius schütte zu geringe Dividenden aus. „Bei einem Gewinn von 191 Millionen Euro nur 31 Millionen, das ist zu wenig“, bemängelt Aktionär Peter Herzog. Er fordert die Konzernspitze auf, eine Ausschüttungsquote von 40 Prozent anzusteuern.“

Kreuzburg sagt dazu im Moment kategorisch: „Nein“, schürt aber Hoffnungen: „Wenn die Investitionen sinken und wir nicht mehr so aktiv Zukaufen, dann können wir über eine prozentuale Dividenden-Erhöhung nachdenken.“ Das hören die Aktionäre gerne. Denn bislang werden sie mit einer Dividendenquote von 23,5 Prozent, (Vorjahr: 24) nicht gerade verwöhnt.

Treibende Kraft für die starken Zahlen des 1870 in Göttingen gestarteten Familienunternehmens ist die laut Joachim Kreuzburg „sehr zukunftsträchtige“ Sparte Bioprocess Solutions um die Herstellung von Bio-Pharmaka. Sie spielte 2016 drei mal so viel Umsatz (975 Millionen Euro) als die zweite Sparte Lab Products und Service (325 Mio.) ein. Beide Sparten wuchsen um 22,1 und 7,9 Prozent im Vergleich zu 2015.

Teilweise dafür verantwortlich waren Zukäufe von kleinen, innovativen Unternehmen – für durchaus stattliche Preise. Dabei betritt und beackert der Konzern auch neue Arbeitsfelder – wie in der Laborsparte die Bioanalytik, so durch den Kauf der Zellscreening-Experten in den Bio-Pharmazeutika-Laboren von „Intellicyt“. Der wichtigste Zukauf“, sagt Kreuzburg, auch, weil er eine neue Technologie in den Konzern bringt..

Dazu passt auch das US-Unternehmen „Essen Bioscience“, Pionier auf dem Feld Bio- und Zell-Analytik, wichtig für die Arzneimittelherstellung – auch in der Krebsforschung. „Teuer, aber wertvoll und zukunftsträchtig“, bewertet Kreuzburg den 320-Mio.-US-Dollar-Kauf von März 2017.

Fazit eines Aktionärssprechers: „Sartorius ist rasant gewachsen.“ Recht hat er.

Zwei neue Frauen

Die Frauenquote im Sartorius-Aufsichtsrat steigt: Die Aktionäre wählten am Donnerstag zwei Frauen neu in den Aufsichtsrat: Die 53-jährige Dr. Daniela Favoccia, Finanzrechtlerin aus Frankfurt, und die 50-jährige Hildegard Panzer aus Fredonia, Wisconsin (USA).

www.sartorius.de

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