Göttinger Schüler entwickeln Pfand für Kaffeebecher

Präsentieren den „Fair Cup“: Von links Schülerin Marie-Sophie Erben, Sibylle Meyer und Leonie Sophie Fabian. Foto: Zander

Göttingen. Mit dem wiederverwertbaren Kaffebecher „Fair Cup" wollen Schüler der Berufsbildenden Schulen II in Göttingen gegen die großen Müllberge kämpfen.

Ab 1. Febraur fällt der Startschuss für das Pilotprojekt - aber bereits jetzt trifft der neue „Kaffee-To- go“-Becher auf große Resonanz bei Göttinger Bäckern. Der “Fair Cup“ ist ein Kaffeebecher, der aus Polypropylen besteht und sowohl biologisch abbaubar als auch recyclebar ist. Damit soll er die Umwelt schonen und „langfristig die Einweg-Kaffeebecher verdrängen“, sagt Lehrerin Sibylle Meyer, die das Projekt leitet.

Aktuell sind laut Meyer 5.000 Becher in Göttingen im Umlauf. „Wir peilen nun die Marke von 10.000 Bechern an“, so Meyer. Göttinger Filialen bekannter Bäckereien wie Thiele, Hermann, Kopp’s, Küster und Ruch werden an dem Projekt teilnehmen und die „Fair Cups“ anbieten.

„Der Kunde kauft einen Kaffee und zahlt zusätzlich einen Euro Pfand für den Becher“, erklärt Meyer. Nach dem Kaffee-Genuss kann man den Becher behalten und beim nächsten Kaffee wieder befüllen lassen.

Alternativ kann der Becher nach dem Trinken wieder abgeben werden. Der Kunde erhält dann den einen Euro Pfand zurück. „Wichtig ist aber, dass der Becher vorher in der Spülmaschine gewesen ist. Hygiene steht an oberster Stelle“, sagt Meyer.

Bei der Realisierung des Projektes halfen viele Schüler mit und gestalteten Plakate, pflegen die Internetseite und brachten zahlreiche Ideen mit ein. Dazu haben Schüler ein Koordinationsprogramm erarbeitet, dass von den Teilnehmern über die Homepage www.fair-cup.de bedient werden kann. So soll sichergestellt werden, dass immer genügend Becher an den stark frequentierten Stellen vorhanden sind.

Meyer hofft, dass die Becher nicht in Zukunft landesweit genutzt werden. „Momentan ist das aber noch Utopie“.

Spülmaschinenfest

„Mit Pfandflaschen geht es ja auch - also warum soll es nicht bei Kaffeebechern funktionieren?“, fragt Marie-Sophie Erben. Die 19-jährige Schülerin der BBS II ist von den neuen „To-go“-Bechern überzeugt. „Dadurch, dass sie spülmaschinenfest sind und bis zu 400 Waschgänge überstehen, kann man sie sehr oft wiederverwenden“, sagt sie bei der Vorstellung in der Mensa der BBS II. „Dazu schonen sie die Umwelt und reduzieren den Müll“.

Die Idee des „Fair Cups“ entstand, als Schulleiter Bernd Wübbenhorst den Titel „Fair-Trade-Schule“ an die BBS II holen wollte. „Eine Fair-Trade-Schule benötigt aber auch Fair-Trade-Produkte“, sagt Meyer. Es entstand der „Eine-Weltladen“, der genau diese Produkte verkauft. „Eines Tages kam unser Hausmeister zu mir und klagte, dass er alle zehn Meter einen Kaffeebecher in der Schule liegen sieht“, sagt sie. Im Rahmen des „Fair-Trade-Projektes“ wurden dann die Becher entwickelt, mit denen genau das vermieden werden soll.

Brief von Stefan Wenzel

Meyer traut dem „Fair Cup“ zu, bald in Göttingen die Einwegbecher zu verdrängen. „In etwa einem Jahr könnte der entstandene Müll durch Einwegbecher erheblich sinken“, sagt sie. Großen Zuspruch und Vertrauen in die Idee hat auch der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel, der ein Dankesschreiben an Meyer schickte. „Da war ich schon sehr stolz auf meine Schüler, die die Idee weiterentwickelt haben.“

Mit der Einführung des Bechers ist die Entwicklungsarbeit der BBS II aber noch nicht getan. Die Firma Eitech, die für die Schule die Kaffeebecher produziert, testet derweil neues Material. „Es ist ein anti-bakteriell wirkender Kunststoff in Arbeit, den wir auch bei den Kaffeebechern nutzen würden“, so ein Firmensprecher.

Aktuell gibt es den „Fair Cup“ nur mit der Füllmenge von 0,25 Liter. „Wir hoffen, in Zukunft auch andere Größen anbieten zu können“, sagt Meyer, für die der Becher ein en Beitrag zur Umwelt leistet.

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