Graffiti-Aktion am Kulturzentrum Musa

Göttinger Schüler sprayen legal für eine schönere Schule und eine bessere Zukunft

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Sprayen für die Zukunft: Carlotta Frey (oben) und Theo Darimond widmen sich den Themen Klimawandel und Digitalisierung.

Der Style-Faktor stimmt und die Message auch: Mit einem besonderen Gemeinschaftsprojekt erstellen Schüler einer neunten Klasse des Göttinger Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) auf dem Gelände des Kulturzentrums Musa Graffiti-Wände, die künftig das Schulgebäude zieren sollen.

Dabei geht es um Jugendkultur und Zukunft, aber auch um die Verschönerung des in die Jahre gekommenen OHG-Gemäuers. „Wir wollten uns mit dem Lern- und Lebensumfeld befassen. So entwickelten wir die Idee, das Schulgebäude umzugestalten – mit Themen, die den Schülern wichtig sind“, erklärt Kunstlehrerin Inga Ritter.

Das Graffiti-Projekt der Klasse 9b ist Teil der Initiative „Schule:Kultur“ des Landes Niedersachsen, bei dem es darum geht, die kulturelle Bildung der Jugendlichen außerhalb der Schule zu unterstützen. Die Schulen müssen dafür einen fächerübergreifenden Unterricht konzipieren – in diesem Fall für Kunst und Politik – sowie einen Kooperationspartner finden.

Das OHG und die Musa arbeiten auf dieser Grundlage schon seit einigen Jahren zusammen. Und in diesem Jahr drehte sich für die 9b alles um das Thema „Zukunft“. Die Schüler erarbeiteten ein Konzept, wie das die Zukunft aus dem Blickwinkel der Jugendkultur dargestellt werden kann. Graffiti bot sich als künstlerische Darstellungsform an, da es selbst Teil der Jugendkultur ist.

Seit Februar konzentrieren sich die Neuntklässler im Kunst- und Politikunterricht ganz auf die Umsetzung ihres Graffiti-Projekts. Dazu gehörte eine Instruktion von Malte Orth, einem professionellen Sprayer, in die Kunst des Graffiti. Den Kontakt zu ihm stellte die Musa her.

Im Unterricht beschäftigten sich die Schüler parallel mit den Fragen: Jugendkultur – was ist das überhaupt? Warum ändern sich Moden und gesellschaftliche Konsense? Was ist für uns in Zukunft wichtig? Die Schüler recherchierten und fertigten Skizzen zu acht verschiedenen Themengebieten an. Dabei spielen Klimawandel, Social Media, Digitalisierung, Konsumverhalten oder Körperlichkeit eine Rolle.

„Seit Anfang Mai sind wir nun jeden Montagvormittag an der Musa. Hier übertragen die Schüler ihre Skizzen auf die große Ebene“, erzählt Politiklehrerin Daniela Forkmann. „Die Location hier ist super. Die Schüler können drinnen und draußen arbeiten, haben Internet, um sich nochmal zu informieren. Solche Möglichkeiten haben wir an der Schule nicht.“

Kritik an den Sozialen Medien üben (von hinten) Elisa Aliaj, Pauline Annweiler, Leon Lautenbach, Sula Schmidthals und Felix Groneberg.

"Es ist allerhöchste Zeit"

Die Schüler der 9b sind begeistert, „ihre“ eigenen Themen ernsthaft und gleichzeitig künstlerisch ansprechend ausdrücken zu dürfen. Carlotta Frey und Theo Darimond haben sich dem Klimawandel und der Digitalisierung gewidmet. Auf ihrem Plakat sind zwei Hände – eine mit heller und eine mit dunkler Hautfarbe – zu sehen, die ein Smartphone in der Hand halten. Auf dem Display ist eine auseinanderlaufende Weltkugel zu erkennen, die für den Klimawandel steht, wie Carlotta Frey erklärt. Hinzu kommt ein roter Wecker, der anzeigt: „Es ist allerhöchste Zeit.“ 

Die beiden Hände stehen dafür, „dass wir alle daran beteiligt sind“, sagt Carlotta. Theo Darimond erläutert, dass das Handy als Symbol für die Jugend und die Vernetzung untereinander steht. Diese Vernetzung sei ein Grund, warum die „Fridays for Future“-Proteste so erfolgreich werden konnten.

0 Likes für Social Media

Eine Gruppe hat sich mit der Digitalisierung aus Perspektive der Sozialen Medien beschäftigt. Auf ihrer Stellwand ist noch nicht viel zu sehen – erst ein paar Symbole der bekannten Social Media-Kanäle. Pauline Annweiler erzählt, dass noch eine Person in die Mitte kommt; die Zeichen drumherum sollen klar machen: Diese Person hat online 0 Kommentare 0 Likes bekommen: „Das ist eine Kritik am Stellenwert von Social Media.“ 

Elisa Aliaj sagt: „Ich schaue nicht darauf, wie viele Likes ich habe und mir ist das auch egal. Aber ich sehe auch, wie das andere handhaben.“ Für viele in ihrem Alter sei die digitale Welt mittlerweile wichtiger als die reale. 

Leon Lautenbach ergänzt: „Ich glaube, dass man schon in der Schule anders damit umgehen sollte. Die Lehrer sollten noch stärker darauf hinweisen, dass das Menschliche mehr zählt als das digitale Leben.“

Sie begleiten die Neuntklässler bei ihrem Graffiti-Projekt: (von links) Kunstlehrerin Inga Ritter, Künstler Malte Orth, Politiklehrerin Daniela Forkmann und Gabi Radinger von der Musa.

Kreative Ideen statt Erziehungsauftrag

Verantwortlich für das äußere Bild, das am Ende am OHG zu sehen sein wird, ist Malte Orth. Als Graffiti-Auftragsmaler und jemand, der Workshops zum Thema gibt, werde er vermehr von Kinde- und Jugendzentren gebucht. Eigentlich habe er sich bewusst gegen eine pädagogische Laufbahn entschieden. Doch mittlerweile mache ihm die Arbeit mit den Jugendlichen viel Spaß. Durch seine Hobby – dazu zählt auch das BMX-Fahren – habe er einen Einblick in die aktuelle Jugendkultur und deshalb einen anderen Zugang zu den Schülern. 

„Außerdem stehe ich nicht mit einem Erziehungsauftrag hier. So habe ich es viel leichter, Ideen zu entwickeln.“ Er hat aber auch Probleme in der Zusammenarbeit wahrgenommen. „Je mehr Zucker konsumiert wird, desto schwieriger wird es“, sagt Orth.

musa.de/projekte/schulekultur/

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