Göttinger Schulen sind Zwangsarbeit auf der Spur

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Setzen sich im Förderkreis für die Ausstellung über Zwangsarbeit im Dritten Reich ein: (von links) Sabine Schlachter, Günther Siedbürger, Lara Jungkind und Hans-Georg Schwedhelm vor einer Film-Installation, für die Passanten zu der Thematik befragt wurden.  

Göttingen. Seit fast zwei Jahren ist die NS-Zwangsarbeiterausstellung in den Berufsbildenden Schulen (BBS) II in Göttingen beheimatet. Nun wurde ein Unterstützerkreis gegründet.

„Wir wollen bei unseren Besuchern einen ‘Aha-Effekt’ auslösen“, sagt Günther Siedbürger, Volkskundler und Kulturwissenschaftler. Die Finanzierung der Ausstellung, die immer mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr sowie an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist, erfolgt zum Großteil über freiwillige Spenden, da der Eintritt kostenlos ist.

Der Unterstützerkreis, in dem Lokalpolitik, Gewerkschaften und evangelische Kirche vertreten sind, will Konzepte erarbeiten, um die Ausstellung vor allem bei Schulklassen bekannter zu machen.

Lerninhalte der Oberstufe

„Unser Projekt kann ein toller Einstieg in das Thema sein, vor allem, seit Zwangsarbeit zum wichtigen Lerninhalt der für die Oberstufe geworden ist“, sagt Lara Jungkind. Die Geschichtsstudentin an der Universität Göttingen betreut die Ausstellung und bietet selber Führungen an. Ihre Stelle wird ebenfalls durch Spenden finanziert.

Das ist in den Augen der Organisatoren und Unterstützer ein Zustand, der nicht dauerhaft tragbar ist: „Wir wünschen uns mehr Engagement vom Landkreis“, erklärt Hans-Georg Schwedhelm. Das Kreistagsmitglied engagiert sich ehrenamtlich für die Zwangsarbeiterausstellung. 

Zwar arbeitet seit Anfang April Sabine Schlachter, die vorher ebenfalls ehrenamtlich tätig war, als fest angestellte Koordinatorin. Jedoch engagieren sich alle anderen Beteiligten weiter unentgeltlich oder werden mit Spendengeldern bezahlt.

Mehr Aufmerksamkeit wollen die Organisatoren auch durch Kooperationen mit der BBS II und mit der Universität bekommen. In den kommenden Semestern sollen dort Seminare angeboten werden, die sich mit der Ausstellung beschäftigen sollen. Ein weiteres Ziel ist die Erarbeitung von Konzepten für die interaktive Vermittlung von Ausstellungsinhalten an Schüler.

Unter dem Motto „Fäden spannen“ zeigt die Ausstellung Lebensabschnitte von Zwangsarbeitern aus ganz Europa. Sie basiert auf mehreren Eckpfeilern, wie Siedbürger deutlich macht: „Wir wollen die vollständigen Biographien der Betroffenen darstellen, nicht nur während der Kriegsjahre. Dazu möchten wir auf die europäische und auf die regionale Dimension hinweisen, denn Zwangsarbeit gab es überall, auch in Südniedersachsen.“

Kreistagsabgeordneter Schwedhelm betont die Aktualität des Themas: „Die Zwangsarbeiter waren damals ebenso heimatlos wie die Migranten, die heute nach Europa kommen. Die meisten Deutschen wissen über die Zwangsarbeit nur sehr wenig.“ Die Ausstellung solle die Menschen für das Thema sensibilisieren und auf die Verantwortung hinweisen, die die Deutschen gegenüber ihrer Geschichte hätten. Weitere Infos gibt es im Internet. (Tammo Kohlwes/nh)

www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.de

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