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Göttinger Schulleiter begrüßen Präsenzunterricht - Kritik an fehlender Lüftung

Porträt von Schulleiter und Vorsitzendem der Direktorenvereinigung: Dr. Wolfgang Schimpf.
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Schulleiter und Vorsitzender der Direktorenvereinigung: Dr. Wolfgang Schimpf.

Bye, bye, Homeschooling. Am kommenden Montag geht es für alle Schüler wieder in den Präsenzunterricht.

Göttingen - Die Landesregierung nennt es Szenarienwechsel. Für Eltern, Lehrer und Schüler heißt das: Die Schulen öffnen am Montag, 31. Mai, für alle Schüler vom Szenario B – Wechselmodell Schule-Home-Schooling – in das Szenario A – Präsenzunterricht. Maßgebend dafür ist eine öffentlich bekannt zu gebende Allgemeinverfügung, die Stadt und Landkreis Göttingen voraussichtlich Freitag oder Samstag veröffentlichen werden.

Voraussetzung für den schulischen Neustart in Präsenz ist dass im Landkreis/Stadt Göttingen die 7-Tage-Inzidenz den maßgeblichen Schwellenwert an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen (also inklusive Samstag) unterschreiten. Der Wechsel im Schulmodell würde dann am übernächsten Tag vollzogen.

Konkret kann und soll also überall dort Präsenzunterricht stattfinden, wo eine Kommune seit dem 25. Mai unter der 50er-Marke liegt und die Unterschreitung bis zum 29. Mai anhält.

Kurzum: Im Landkreis Göttingen sind die Voraussetzungen für einen Szenario-Wechsel ab Montag erfüllt – wie auch in vielen anderen Kommunen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) wertet das als „richtig gute Nachricht für die Kinder und Jugendlichen, die in den letzten Monaten arg zurückgesteckt haben“.

Ähnlich sieht es auch der Vorsitzender Niedersächsischen Direktorenvereinigung Dr. Wolfgang Schimpf, der die Entwicklung und Öffnung in jeder Hinsicht sehr begrüßt. „Aufgrund des langen Schuljahrs mit dem späten Sommerferienbeginn am 22. Juli in Niedersachsen gibt es nun noch mal die Chance auf Unerrichtskontinuität.“ Für die Schülerinnen und Schüler sei das auch aus psychosozialer Sicht ein sehr wichtiger Schritt. „Wir hoffen sehr, dass dies ein endgültiger Aufbruch in die Normalität ist.“

Der Schulleiter am Göttinger Max-Planck-Gymnasium (MPG) sagt auch, dass der Sprung in das Szenario A machbar ist: „Im Grunde kehren wir zu Regelungen zurück, die wir bis kurz vor Weihnachten hatten, das lässt sich ohne größeren Aufwand und die Unterstützung von außen hinbekommen.“

Zudem habe sich nichts an der Hygienesituation, geltenden Regelgungen für Maskenpflicht und Abstandsregeln geändert. Ausnahme: Montags und mittwochs wird getestet. „Auch das läuft inzwischen sehr viel besser“, sagt Schimpf, der auch berichtet, dass an seiner Schule alle Lehrkräfte zumindest eine Erstimpfung erhalten haben.

Zu kritisieren hat Schimpf, dass es nach wie vor keine Luftreinigungsgeräte gibt. „Damit rechne ich auch nicht mehr.“ Die schulpoltische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion in Göttingen, Frauke Bury, bezeichnet es als „Unding, dass wir immer noch auf die Luftreinigungsgeräte für die Klassenräume warten“.

Die Wichtigkeit von Luftfilteranlagen und Lüftungsanlagen in Klassenräumen sei mittlerweile unbestritten. Die Politik habe diesbezüglich ihre Hausaufgaben gemacht, habe im 2021er-Haushalt 1,5 Millionen Euro bereitgestellt, um an allen Schulen in städtischer Trägerschaft zum Schutz für Schüler und Lehrer eine Sicherheitsausstattung mit Filteranlagen, Trennwänden und FFP-2-Masken zu schaffen. Aber die Verwaltung sei in Verzug.

„Das war im März und wir warten immer noch auf die Umsetzung. Das kann und darf nicht sein“, sagte der Fraktionsvorsitzende Tom Wedrins, Schulleiter einer großen Göttinger Schule. Wedrins betont, dass die Pandemie noch nicht zu Ende ist und sagt: „Schule darf kein Versuchslabor sein. Wir erwarten, dass der Ratsbeschluss noch vor den Sommerferien umgesetzt wird. Es muss gehandelt werden.“

Seine Skepsis bezüglich der Anlagen kleidet Wolfgang Schimpf in die Worte: „Es ist nie schlecht, in Gesunderhaltung zu investieren. Aber die Frage ist, wo das Geld dann fehlt.“ (Thomas Kopietz)

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