Vortrag an Uni Göttingen

Göttinger Seenotretter Till Rummenhohl spricht über Fluchtursachen

+
Die Mannschaft der Aquarius, bestehend aus SOS Mediteranee und Ärzte ohne Grenzen rettet Flüchtlinge in Seenot auf dem Mittelmeer.

 „Sterben für das Paradies. Erlebnisse einer Rettungsmission im Mittelmeer“ – unter diesem Titel hält Seenotretter Till Rummenhohl am Mittwoch, 30. Januar, an der Uni Göttingen einen Vortrag.

Der 26-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation „SOS Mediteranee“, die mit „Ärzte ohne Grenzen“ die Besatzung des Rettungsschiffs Aquarius bildete.Mit der Aquarius wurden von 2016 bis 2018 laut SOS Mediteranee 30 000 Menschen gerettet.

Ende vergangenen Jahres beendete die NGO den Chartervertrag der Aquarius, weil ihre Arbeit immer wieder verhindert worden ist. Zwei Mal wurde dem Schiff die Flagge entzogen, zuletzt ordneten italienische Behörden die Beschlagnahmung des Schiffs aufgrund fehlerhafter Trennung von Bordabfällen an, informiert die NGO.

Weil es mit dem veralteten Schiff schwierig sei immer wieder eine Flagge zu finden, werde nun ein neues Schiff gesucht, sagt Rummenhohl. „Wir stehen mit mehreren Schiffen in Verhandlung.“

Till Rummenhohl  ist stellvertretender Vorsitzender von SOS Mediteranee.

2017 sprach der Hamburger Masterstudent zuletzt in seiner Heimatstadt Göttingen, auch am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) vor beeindruckten Schülern. Er berichtete von seinen einprägsamsten Erfahrungen an Bord, von Menschlichkeit und Tod. Damals oblag die Koordinierung der Rettungseinsätze noch der Seenotrettung in Italien.

Seitdem hat sich in der Mittelmeer-Rettung einiges verändert, erklärt der studierte Schiffsbauer. „Die Arbeit ist viel schwieriger geworden.“ So seien zivile Rettungsschiffe kriminalisiert worden. Zum anderen, weil die Koordinierung der Notrufe nun Libyen obliege, wohin der Kontakt äußerst schwierig sei.

Mitte Januar sind 120 Menschen vor der libyschen Küste gestorben, sagt Till Rummenhohl. „Ganz Europa wurde informiert. Die sagen, Libyen muss das koordinieren. Und weil niemand kam, sind die Menschen ertrunken.“ Die europäischen Staaten weisen die Verantwortung ab und erschweren zudem das Einfahren in Häfen, lautet Rummenhohls Vorwurf.

Till Rummenhohl war mit der Aquarius auf dem Mittelmeer unterwegs. 

In seinem 90-minütigen Vortrag will er über die Fluchtroute vom Heimatland bis nach Europa und vor allem über die Beweggründe zur Flucht aufklären. Der Fokus liegt dabei auf der Situation in Libyen.

„Europa muss das Sterben an seiner Grenze beenden“, fordert der gebürtige Göttinger. Es brauche ein europäisch organisiertes Rettungsprogramm. Einzelpersonen fordert er auf, sich zu informieren, statt populistischen Bewegungen zu folgen. „Hört hin, was den Menschen auf dem Mittelmeer und vorher passiert, was es bedeutet, Flüchtling zu sein und Sicherheit in Europa zu suchen.“

Till Rummenhohl kommt auf Einladung des Seminars für romanische Philologie nach Göttingen. Der kostenlose Vortrag findet im Raum PH 20, Humboldtallee 19, statt. Beginn ist 16 Uhr. Nach dem Vortrag ist Zeit für Diskussionen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.