Nummer gegen Kummer

Göttinger Sorgen-Telefon für Jugendliche besteht seit 30 Jahren

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Die „Nummer gegen Kummer“ besteht seit 30 Jahren in Göttingen: Gisela Wetzel-Willert ist Vorsitzende des Vereins Kinder und Jugendtelefons, der das Angebot trägt.

Göttingen. Wenn Kinder und Jugendliche Sorgen und Nöte haben, können sie unkompliziert Hilfe und Unterstützung per Telefon oder Internet bekommen. Seit 30 Jahren besteht die „Nummer gegen Kummer“, quasi die Telefonseelsorge für junge Leute.

1988 wurde der Trägerverein „Kinder- und Jugendtelefon“ auf Initiative des Kindertherapeuten Werner Walter vom Göttinger Arzt Klaus von Reyher ins Leben gerufen. Gesicherte statistische Aufzeichnungen existieren seit 1995. Seitdem haben 380 ausgebildete Berater mehr als 217 000 Gespräche geführt – davon 24 000 seit dem Jahr 2008 im Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“. Dabei sind gleichaltrige junge Leute die Gesprächspartner. Seit 2003 wurden zudem etwa 8500 E-Mails beantwortet.

Oftmals geht es bei den Gesprächen um den ersten Liebeskummer oder schlechte Noten in der Schule. „Manche Telefonate brauchen nur fünf Minuten. Manchmal dauert es aber auch eine dreiviertel Stunde oder mehrere Telefonate, bis Jugendliche über das Problem sprechen, das sie eigentlich bewegt“, sagt Gisela Wetzel-Willert, seit 2002 ist Vorsitzende des Trägervereins. Ab 1999 stand Ute Strauß für drei Jahre an der Vereinsspitze.

Oft werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit schlimmen Tatsachen konfrontiert. Dazu gehören Gewalt und Schläge in der Familie und in den Freundeskreisen. Oftmals geht es auch um Freundschaften, die zerbrechen oder von denen man hofft, dass sie zustande kommen.

Krisensituationen

In Krisensituationen ist das Telefon besonders wichtig. So gibt es beispielsweise Anrufe von jungen Mädchen, die schwanger sind. Sie brauchen Hilfe bei der Bewältigung der nächsten Schritte, zum Beispiel beim Gang zur Schwangerenberatung oder beim Gespräch mit den Eltern.

Für die Telefonate sitzen die derzeit 46 ehrenamtlichen Mitarbeiter an einem speziellen Ort, der in der Öffentlichkeit nicht bekannt gemacht wird. Außerdem dürfen die Jugendlichen anonym und kostenfrei anrufen.

Die Rufnummern werden nicht gespeichert. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen ihre Identität nicht offenbaren. Für die Finanzierung der Vereinsarbeit in Göttingen müssen jährlich 45 000 Euro über Spenden und Zuwendungen eingeworben werden.

Ein herausragendes Projekt war von 2008 bis 2012 das Klassenzimmer-Theaterstück „Schnitt in den Bauch“, bei dem es um Teenanger-Schwangerschaften ging. Derzeit ist ein neues Stück in Zusammenarbeit mit dem Autor Jörn Barke und der Theaterformation „Stille Hunde“ in der Vorbereitung.

Kontakt: Nummer gegen Kummer, Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhr, Tel. 116111 oder Tel. 0800/110333 (kostenfrei), an Samstagen mit dem Team „Jugendliche beraten Jugendliche“.

Weitere Infos gibt es hier.

Kriminologe Christian Pfeiffer spricht bei Festveranstaltung am 31. Mai

Zum 30. Geburtstag des Göttinger Vereins „Kinder- und Jugendtelefon“ gibt es eine Festveranstaltung in der Albani-Kirche. Beginn ist am Donnerstag, 31. Mai, um 17 Uhr. Festredner ist der bekannte Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer aus Hannover.

Er spricht zum Thema „Die erfolgreiche Arbeit von Kinderschutzeinrichtungen der letzten 30 Jahre – Die Herausforderungen der Gegenwart“. Für den musikalischen Rahmen sorgen die Schüler der Bigband „Jazztified“ des Hainberg-Gymnasiums unter der Leitung von Uwe Meile. (bsc)

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