Corona

Göttinger Soziologe Vogel: Impfstatus-Kontrolleure besser vorbereiten

Porträt von Soziologe Prof. Berthold Vogel.
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Kritischer Beobachter: Soziologe Prof. Berthold Vogel.

Menschen in Berufen, die den Impfstatus oder Corona-Testberichte kontrollieren müssen, sollten besser darauf vorbereitet werden, findet der Göttinger Soziologe Prof. Berthold Vogel.

Göttingen – Sie würden von der Politik bei dieser wichtigen Tätigkeit alleine gelassen, es fehle an Unterstützung und Schulung. Das kritisiert Vogel.

Der Direktor am Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) de Universität sieht grundsätzlich die Entwicklung kritisch, dass Berufsgruppen wie Gastronomen, Frisöre, Schaffner oder Lehrer den Impf- und Teststatus ihrer Mitbürger kontrollieren müssen. Eine Aufgabe, die durchaus kribbelig und anspruchsvoll sein kann. Schließlich könne es bei den Kontrollen auch zu konfliktreichen Situationen kommen, die es dann zu entschärfen gilt.

Für die Aufgaben, wie das Kontrollieren des Impfstatus von Reisenden, brauche es Vorbereitung, Wissen, Schulung. „Das halte ich für wichtig, auch um die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Rolle stärken – sowohl für die, die kontrollieren, als auch für die, die kontrolliert werden.“

Die Politik delegiere Verantwortung in die Gesellschaft, lasse aber auf der konkreten Vollzugsebene diejenigen, die kontrollieren sollen, weitgehend alleine, übt Vogel direkte Kritik. „Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vertrauen fördert diese Delegation nicht.“

Zwar sei es nachvollziehbar, dass in einer pandemischen Notlage, in der detaillierte Regeln wie 2G, 2G plus oder 3G gelten, Kontrollen stattfinden müssten. Doch dann sollten Staat und Gesellschaft auch entsprechende Rahmenbedingungen für diese erhebliche Verantwortungsübernahme schaffen, sagte Vogel.

Zugespitzt habe sich die Situation dadurch, dass die Politik in der vierten Corona-Welle über Wochen hinweg zögerlich agiert habe. Bei vielen Menschen, die Kontrollen abwickeln und damit gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, sei das Gefühl entstanden, sie müssten für die Versäumnisse und das Zaudern der Politik geradestehen. „Das hat den Verdruss gefördert.“

Wichtig sei es auch, dass diejenigen, die sich von Berufs wegen mit dem Impfstatus ihrer Mitmenschen beschäftigen müssen, dies auf einer sicheren gesetzlichen Grundlage tun. So würden Lehrkräfte häufig kritisiert, wenn sie das Impfen ihren Schülern empfehlen.

Es entstünde der Eindruck, dass die Lehrer das aus sich heraus, im Sinne einer individuellen Meinung tun, sagte Vogel. „Ein Erlass oder eine Dienstanweisung, auf die sich die Lehrkräfte beziehen können und die ihnen den Rücken stärkt, wäre hilfreich.“

Der Soziologe plädiert auch dafür, die Kommunikation, die die Corona-Maßnahmen flankieren, erheblich zu verbessern. Es gäbe viele kreative Marketing-Köpfe, die in der Lage wären, zielgruppenspezifische, originelle und wirksame Kommunikationskampagnen für das Impfen zu entwickeln. „Es ist mir unverständlich, warum nicht schon seit dem Sommer in dieser Richtung mehr gemacht wird.“ (Thomas Kopietz mit epd)

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