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Göttinger Stadtforst erprobt schonende Arbeiten mit Pferdegespannen

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Von: Kim Henneking

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Ökologischer Einsatz: Matthias Ahrens mäht mit seinen Fjordpferden Franka (rechts) und Flora eine Wiese am Kehr in Göttingen.
Ökologischer Einsatz: Matthias Ahrens mäht mit seinen Fjordpferden Franka (rechts) und Flora eine Wiese am Kehr in Göttingen. © Kim Henneking

Im Göttinger Stadtwald werden Wiesen mithilfe von Pferdegespannen gemäht. Das dient dem Naturschutz.

Göttingen – Einmal im Jahr werden die Wiesen im Bereich des Göttinger Stadtwaldes gemäht. So sollen die ökologisch hochwertigen Lebensräume vor Verwaldung geschützt werden. In einem Pilotprojekt wird nun erprobt, ob diese Aufgabe in Zukunft Pferdegespanne übernehmen können.

Die Idee: Die Tiere samt Gerät sind nicht so schwer wie eine landwirtschaftliche Maschine und somit bodenschonender. Außerdem ist das Mähwerk eines Pferdegespanns weniger gefährlich für Insekten und Amphibien als das eines Traktors oder Rasenmähers.

Denn es ist langsamer, sodass die Tiere den Messern aus dem Weg gehen können. Und weil sich die Messer horizontal bewegen statt rotieren, entsteht kein tödlicher Sog in die Maschine. Weiterhin sind die Tiere zwischen Büschen und Bäumen wendiger als große Fahrzeuge.

Pferdegespanne mähen Wiesen

„Wir machen das zum ersten Mal“, sagt Försterin Inga Jordan. Zwei Pferdehalter fahren dieser Tage über die Wiesen des Stadtwalds und sollen prüfen, welche Flächen sich für die Methode eignen. An anderen Stellen kommen Schafe und Ziegen zum Einsatz, die das Gras das ganze Jahr über kurz halten.

So war Matthias Ahrens mit seinen Norwegischen Fjordpferden Franka und Flora am Kehr unterwegs. Dort haben sie an einem halben Tag eine Streuobstwiese gemäht, die das Jahr über als Blühwiese Lebensraum für Insekten geboten hat. „Die Pferde schaffen einen Hektar in etwa zwei Stunden“, sagt Ahrens.

Försterin Inga Jordan wertet das Pilotprojekt aus und erstellt einen Pflegeplan für die Wiesen im Göttinger Stadtwald.
Försterin Inga Jordan wertet das Pilotprojekt aus und erstellt einen Pflegeplan für die Wiesen im Göttinger Stadtwald. © Kim Henneking

Sein Rasenmäher funktioniert komplett ohne fossile Brennstoffe, erklärt er. Das Fahrgestell stammt aus den USA, das Mähwerk wird in Deutschland angefertigt. Die Pferde treiben die Reifen an und diese setzen die Messer in Bewegung. Die bewegen sich horizontal gegeneinander, wie eine Schere – und schneiden so das hohe Gras.

Diese Technik kommt oft in der solidarischen Landwirtschaft zum Einsatz, berichtet Ahrens. Er züchtet auf dem Fjordhof Jettebruch in Bad Fallingbostel Fjordpferde und Alt-Oldenburger.

Im Sinne ihrer ursprünglichen Nutzung als Arbeitspferde bildet Ahrens seine Tiere für verschiedene Aufgaben in der Landwirtschaft aus: Acker pflügen, Wiesen mähen und Kutschen ziehen. Aber auch als Reitpferde eignen sie sich und werden entsprechend ausgebildet.

Pilotprojekt: Artenvielfalt wird geschützt

Während Ahrens die Aufgabe der beiden Stuten erklärt, halten Franka und Flora entspannt ein Nickerchen. Dann zeigen sie ruhig und routiniert, was sie können. Ein kleiner Hinweis über die Zügel reicht aus, dann legen sie sich ins Geschirr und bringen das Gefährt ins Rollen. Flott geht es geradeaus an der Mähkante entlang, langsam treten die Stuten um einen jungen Baum und laufen wieder zurück.

So arbeiten sie sich Bahn um Bahn die Wiese entlang. „Das erfüllt alles, was ich mir vorgestellt habe“, sagt Försterin Jordan. Nach den ersten Probeschnitten arbeitet sie nun einen Flächenplan aus. Dann sollen im kommenden Herbst die Arbeitspferde möglichst viele Flächen der 200 Hektar Wiesen im Stadtwald Göttingen mähen. (Kim Henneking)

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