Neues Buch: Historische Spaziergänge 

Der Göttinger Stadtfriedhof und die Geschichten über prominente Tote

Herrlicher Anblick: Der Göttinger Stadtfriedhof an der Kasseler Landstraße im Herbstist wunderbar bewachsen. Die Kapelle wurde im byzantisch-spätromantischen Stil nach Vorbild des Bismarck-Mausoleums in Friedrichsruh gebaut. Foto: Kopietz

Göttingen. Kurzbiografien von mehr als 20 berühmten Göttingern liefert Heidemarie Frank in einem neuen Buch über den Stadtfriedhof und die Grabstätten der Promis.

Auf 36 Hektar stehen prächtige Bäume, eine architektonisch beeindruckende Kapelle und vor allem viele Grabsteine und -stätten: Keine Frage: Der Göttinger Stadtfriedhof an der Kasseler Landstraße lädt zum Besuch und Spaziergang ein. Jetzt hat die Göttingerin Heidemarie Frank ein Buch verfasst, das hinein führt zwischen die Mauern des Areals und die Geschichte von 21 berühmten dort bestatteten Prominenten.

„Ein biografischer Spaziergang“ ist der Untertitel des mit einem schönen Herbstmotiv auf dem Cover bebilderten Buches, das im heimischen Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (V&R) erschienen ist.

Auf jeweils maximal zwölf Seiten zeichnet die auch als Stadtführerin auf dem Friedhof arbeitende Autorin Frank für jeden Protagonisten ein überschaubares, dabei oft aber durchaus detailliertes Kurzporträt von Persönlichkeiten wie Max Born, Max Planck, Agathe von Siebold und Otto Hahn.

Ihre Lebensgeschichten sind auch eine Zeitreise zurück in bewegte und bewegende Epochen, als die Uni-Stadt aufblühte oder aber die Wissenschaft – häufig von Weltrang – unter dem Nazi-Regime litt. Ludwig Prantl, der „Vater der Aerodynamik“ zum Beispiel wetterte in Vorlesungen über die Nazis und setzte sich für entlassene Kollegen ein.

Steht seit auf dem Stadtfriedhof in Göttingen: Das „Nobel-Rondell“ weist auf die letzte Ruhestätte von Göttinger Nobelpreisträgern hin. Foto: Pförtner/dpa

Sind die politischen, wissenschaftlichen und baulichen Errungenschaften der von Heidemarie Frank herausgepickten Frauen und Männer vielleicht schon bekannt, so werden aber auch für viele neue Informationen wie Schicksalsschläge, Familienund Freundschaftsbanden sowie Eigenheiten geschildert.

Unterhaltsam sind die Kurzporträts ebenfalls: So zitiert die Autorin zum Beispiel den Atomforscher Otto Hahn und dessen Meinung über Franz-Josef Strauß nach einem Telefonat: „ungehobelter Mensch“. Hintergrund war die Göttinger Erklärung von 18 Atomforschern, mit der Professoren aufriefen, dass in Deutschland weder Atomwaffen gefertigt noch gelagert werden sollten, was schließlich den Verteidigungsminister Strauß erzürnte.

Zu sehen sind auf Schwarz-Weiß-Fotografien jeweils die Gräber und Grabsteine der Göttinger Berühmtheiten. Auch sie sagen etwas aus: So steht der schlichte Stein Otto Hahns nah an dem ebenfalls schlichten aber breiteren Stein von Max Planck. Und der weltbekannte Chemiker Friedrich Wöhler, der als höchst bescheidener Mensch galt, ruht unter einer schnörkellosen Steinplatte. 

„Der Göttinger Stadtfriedhof – Ein biografischer Spaziergang“, Heidemarie Frank, Verlag-Vandenhoeck& Ruprecht, Göttingen, 224 S., 11,99 Euro.

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