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Göttinger Start-Up Grünfuchs: Intelligente Sortieranlage lenkt Pakete auf letzter Meile

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Von: Michael Caspar

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Felix Dossmann von Grünfuchs (rechts) und Anlagenbauer Dr. Hendrik Thamer.
Pilot-Projekt: Im neuen Paket-Umschlagzentrum präsentieren Felix Dossmann von Grünfuchs (rechts) und Anlagenbauer Dr. Hendrik Thamer die Anlage. © Michael Caspar

Göttinger Logistik-Start-Up Grünfuchs will seine Pakete künftig auf der letzten Meile mit einzigartigem Verteilersystem zustellen.

Göttingen – Ein Umschlagzentrum für innerstädtische Paketzustellungen mit einer auf künstlicher Intelligenz basierten Sortieranlage hat die Göttinger Firma Grünfuchs an der Dransfelder Straße 4 eröffnet. „Wir wollen Paketsendungen auf dem letzten Kilometer der Zustellung bündeln“, erläutert Gründer und „Cheffuchs“ Felix Dossmann.

15.000 Pakete würden täglich in Göttingen zugestellt. Die Zusteller gäben sich in der Stadt die Klinke in die Hand. Durch ein Zusammenführen ließen sich Kosten sparen. Der Treibstoffverbrauch sinke, die Verkehrsbelastung – besonders in Wohngebieten, wo täglich mehrere Dienste ein Haus ansteuerten – nehme ab.

Grünfuchs setzt auf künstliche Intelligenz bei Paket-Sortiermaschine

„In den vergangenen Monaten haben wir – unterstützt von ProCity – Göttinger Einzelhändler, darunter Karstadt, als Kunden gewonnen“, berichtet Dossmann. Verbraucher könnten die Ware im Laden vor Ort, telefonisch oder online bestellen. Grünfuchs liefere sie dann schneller aus als Online-Riesen und sorge dafür, dass die Empfänger zum Zeitpunkt der Lieferung zuhause seien.

Die Verkäufer im Geschäft fotografieren mit einer Handy-App den ausgefüllten Adresszettel und geben das Gewicht der Sendung an. Die Daten gehen dann ans Umschlagzentrum an der Dransfelder Straße, ans Smart-City MicroHub. Eine spezielle Software der hannoverschen Firma Graphmasters erstellt für die auszufahrenden Sendungen die kürzeste Zustellungsroute.

Das notwendige Sortieren der Pakete übernimmt eine Anlage des Bremer Unternehmens Cellumotion. „Rollen, die sich auf horizontaler Ebene um 360 Grad drehen können, erledigen das auf einem Bruchteil der Fläche, die eine konventionelle Sortieranlage benötigen würde“, erklärt Cellumotion Geschäftsführer Dr.-Ing. Hendrik Thamer.

Der studierte Informatiker und promovierte Ingenieur hat das Unternehmen 2017 zusammen mit Claudio Uriarte gegründet. Die Grünfuchs-Anlage ist die erste ihrer Art für innerstädtische Logistik.

Die Pakete einer Tour – insgesamt maximal 200 Kilogramm – werden in einem Container verstaut. Die Göttinger Spedition Krüger fährt die Container vom Hub zu den Startpunkten der Kuriere, die sie mit ihren E-Lastenrädern der Firma Onomotion (Berlin) übernehmen.

„Wir lagern im MicroHub auch Ware von Einzelhändlern ein, die wir bei Bestellung durch Kunden verpacken“, sagt Dossmann. Der Großhandel kann zudem über Grünfuchs Ware an die Geschäfte liefern lassen. 5.500 Quadratmeter ist die Grünfuchs-Halle groß, die zuvor ein Möbelhaus nutzte.

Derzeit beschäftigt das Start-up sieben Mitarbeitende. Die Zahl soll auf 30 Personen steigen. Das Unternehmen stellt Fahrradkuriere in Vollzeit ein. Sie können sich im Unternehmen zum Fahrradmechaniker oder zum Anlagentechniker weiterqualfizieren. Auch Lageristen werden vom „Grünfuchs“ gesucht.

Felix Dossmann plant derweil den Aufbau weiterer Grünfuchs-Standorte: In Leipzig und Magdeburg sind erste Kuriere – noch ohne Hub – unterwegs. Andere Städte, die den Zulieferverkehr verringern wollen, zeigen Interesse am Konzept. (Michael Caspar)

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