Wettbewerb Formula Student

Göttinger Studenten bauen eigenen Rennwagen: „Wir machen das mit Herzblut“

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Stellvertretend für das Team: Die Projektleiter Timo Rusteberg (im Fahrersitz) und Laurent Matthies mit ihrem Stolz, dem aktuellen eHawk-Rennwagen.

Göttingen. Der Flitzer fährt mit Strom: 40 Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) aus Göttingen und Hildesheim haben einen Rennwagen gebaut.

Der eHAWK getaufte Flitzer ist 157,5 Kilogramm schwer, bis zu 300 Stundenkilometer schnell und nimmt am internationalen Konstrukteurswettbewerb unter Studenten, der Formula Student, teil.

Die Verantwortung für das Fahrzeug liegt zum Großteil in den Händen des Studenten-Rennteams. Blue Flash, zu deutsch: Blauer Blitz, haben sie sich genannt. Vor zwei Jahren starteten die HAWK-Fakultäten mit einem ersten Rennwagen.

Video: Rennfahrer Emil Lindholm testet den eHAWK

Mehr als 100 000 Euro pro Saison stecken in Entwicklung, Bau und Betrieb eines Rennautos, sagt der wirtschaftliche Projektleiter Timo Rusteberg. Zu den Kostenpunkten zählen auch Logistik und Transport, wenn das Team bei Events der Formula Student in Europa teilnimmt. Das Geld kommt aus Fördertöpfen, Spenden und von Sponsoren.

Innovation

„Bei der Formula Student ist das schnellste Elektro-Fahrzeug der Welt entstanden“, sagt Rusteberg über die Innovationsfähigkeit des Wettbewerbs. Diesen Rekord hält das AMZ Racingteam aus Zürich, ihr Rennwagen schaffte im vergangenen Jahr die Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in 1,5 Sekunden – und brauchte dafür nur 30 Meter. Damit kann und will das Blue Flash-Team nicht konkurrieren. Ehrgeizige Ziele haben die Studenten trotzdem.

Bei einem Event unter die besten zehn zu fahren und in der Gesamtwertung im vorderen Drittel landen, gibt der Projektleiter die Fahrtrichtung vor. Für große Events wie in Hockenheim kommen 110 Bewerber zusammen. Nur 30 können letztendlich antreten. Weltweit gibt es rund 500 aktive Teams, schätzt Rusteberg.

Feintuning – Tag und Nacht

Frei nach dem Motto „Wer schnell sein will, muss leiden“ investiert das Team viel Zeit: Der harte Kern kommt auf 40 Stunden pro Woche, in der heißen Phase arbeiten die Studenten Tag und Nacht an ihrem Fahrzeug, sagt Rusteberg. Neben dem Studium.

Video: So sieht der Bau eines Rennwagens aus

„Wir machen das eben mit Herzblut“, erklärt der Projektleiter. Beraten und unterstützt werden die Studenten von Professoren der Fakultät. „Ich habe keine Angst um die Zukunft der deutschen Ingenieure, wenn ich dieses Team sehe“, sagte Dekan Prof. Dr. Christopher Frey beim sogenannten Rollout des aktuellen eHAWKs. 

Dabei wurde das neue Fahrzeug zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. „Das ist einfach immer ein super Moment, wenn alles funktioniert, wie geplant“, sagt der technische Projektleiter Laurent Matthies.

Ab August beginnt bereits die Konstruktionsphase für den nächsten Rennwagen. Parallel wird der aktuelle eHAWK bis September bei den Events auf Schraube und Mutter überprüft.

In der kommenden Woche geht es für das Blue Flash-Team nach Italien – Punkte sammeln für die Gesamtwertung im Wettbewerb.

So funktioniert die Formula Student

Bei den in ganz Europa stattfindenden Events der Formula Student werden nicht nur die Konstruktion der Fahrzeuge, sondern auch das Projektmanagement überprüft. Es werden zwei Wertungs-Kategorien unterschieden. 

Im Statischen Wettbewerb werden das Konzept, die Produktionskosten und der Plan zur Vermarktung des Rennwagens von Experten bewertet. 

Im Dynamischen Wettbewerb wird das Fahrzeug geprüft. Getestet werden die Beschleunigung (über 75 Meter), der Energieverbrauch, die Leistung bei einer doppelten Kreisfahrt, die schnellste Runde sowie das Durchhaltevermögen auf 22 Kilometer Langstrecke. Die meisten Punkte gibt es für ein gelungenes Konzept und hohe Ausdauer.

Eckdaten: Der eHAWK_17

Das Gewicht: 157,5 Kilogramm bringt das Fahrzeug auf die Waage – Ziel erreicht, das Team wollte unter 175 Kilogramm bleiben 

Die Räder: 13 Zoll Contireifen. „Die Räder sind das wichtigste Bauteil“, erklärt Laurent Matthies, auf ihnen baue das Fahrzeug auf Der Rahmen: ist aus Stahl und wiegt 27 Kilogramm, knapp ein Sechstel des Gesamtgewichts 

Die Außenhaut: ist aus Carbon, leicht und widerstandsfähig 

Die Akkus: Das hitzebeständige Material des Akkukastens verteilt die Wärme. Ein aktives Löschsystem wirkt eventueller Brandentwicklung entgegen. Sensoren prüfen die Hitze im Akkukasten, bei bedenklichen Werten wird ein Gas versprüht, dass den Flammen den Sauerstoff entzieht

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