Petition überreicht

Gespräch mit Außenminister Maas: Göttinger Studenten fordern Politik mit Vision

Konstantin Gast (am Mikrofon) hat die ONE-Petition an Außenminster Heiko Maas (rechts) in Berlin überreicht. 
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Konstantin Gast (am Mikrofon) hat die ONE-Petition an Außenminster Heiko Maas (rechts) in Berlin überreicht. 

Göttingen. 50 Jugendliche haben Außenminister Heiko Maas in Berlin getroffen. Unter ihnen waren auch die Göttinger Studierenden Mizgin Aslan, Konstantin Gast und die Schülerin Ragna Diederichs.

Die drei sind Mitglied in der entwicklungspolitischen Lobby- und Kampagnen-Organisation „ONE“, die bei dem Treffen eine Petition an den Außenminister übergeben hat. Als Jugendbotschafter setzten sie sich für die Bekämpfung extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten ein.

Die Forderung der Jugendlichen: mehr Geld für europäische Entwicklungsarbeit in Afrika im momentan zur Verhandlung stehenden Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU. 

„Ich war positiv überrascht, dass sich der Außenminister persönlich Zeit genommen hat“, sagt die 21-jährige Mizgin Aslan. ONE habe die Botschafter mit dem Gesprächspartner überrascht. Maas habe in dem halbstündigen Gespräch auf sie ernsthaft interessiert und von ihren Argumenten überzeugt gewirkt. „Er hat gesagt, er gibt sein Bestes, aber kann uns leider nichts versprechen.“

Petition mit fast 50.000 Unterschriften

Ihr Mitstreiter Konstantin Gast hat dem Außenminister persönlich die Petition mit fast 50.000 Unterschriften überreicht. Damit fordern die Unterzeichner mehr EU-Investitionen für ärmste afrikanische Länder in Schulbildung, Zugang zu wichtigen Medikamenten und gleiche Chancen für Frauen und Mädchen.

Der 24-Jährige habe sich vom Außenminister eine selbstbewusstere Haltung für die Verhandlungen gewünscht, sagt er. Doch wie andere Politiker, die Gast in Brüssel getroffen hat, habe auch Maas darauf hingewiesen, dass ein Kompromiss gefunden werden müsse. „Wir brauchen einen MFR mit Vision“, fordert der VWL- und Jura-Student mit Hinblick auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN, die 2030 erreicht werden sollen.

Die Göttinger Studentin Mizgin Aslan

Wenn die jungen Göttinger über ihr Engagement sprechen, dann tun sie das aus tiefster Überzeugung. „Die politische Rolle von jungen Menschen sieht man ganz klar bei der Klimabewegung“, sagt Mizgin Aslan, „Es geht nicht um Politik von alten, weißen Männern, es geht um unsere Zukunft.“ Durch ihre Arbeit bei ONE habe sie gelernt, dass es auch positiven Lobbyismus gebe. „Es kommt darauf an, für wen man sich einsetzt.“

Die Göttinger Schülerin Ragna Diederichs

Dem stimmt Konstantin Gast zu. „Ich bin zufällig in Deutschland geboren und habe erlebt, dass ich ganz viele Privilegien habe“, sagt er. Er wolle sich dafür einsetzen, dass jeder Mensch die gleichen Chancen habe. Das sagt auch die 18-jährige Ragna Diederichs. Die Schülerin des Hainbergs Gymnasiums will einen Beitrag für Menschen in ihrem Alter in Afrika leisten.

Nächste Gesprächspartner: Kandidaten für die EU-Wahlen 

Nächster Gesprächspartner für die drei Göttinger sind die Kandidaten für die EU-Wahlen, um ihr Anliegen auch auf deren Agenda zu setzen. Das ist besonders für Erstwählerin Diederichs spannend.

Politiker würden häufig nicht als Menschen wahrgenommen, sagt Konstantin Gast. „Unser demokratischer Diskurs braucht einen respektvollen Umgang.“ In persönlichen Treffen habe er gelernt, dass Abgeordnete für ehrliche Gespräche bereit seien.

Das sind der MFR und die Nachhaltigkeits-Ziele

Der mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union (MFR) wird laut Bundeszentrale für politische Bildung auf sieben Jahre festgelegt. In ihm wird demnach die maximale Gesamtsumme aller Finanzmittel für die Jahre 2021 bis 2027 bestimmt. Das schließt auch das Haushaltsvolumen der EU-Jahresbudgets und die Obergrenzen der einzelnen Ausgabenrubriken ein. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Englisch: Sustainable Development Goals) sollen bis 2030 umgesetzt werden. 

Laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden durch sie die Grundlage für einen weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde geschaffen. Sie sollen unter anderem Hunger und Armut beseitigen und für Geschlechtergleichheit, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sorgen.

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