Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Göttinger Studie: So wirken die Corona-Regeln

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Max-Planck-Institut (MPI) für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen – Forschung über die Wirkung von Corona-Regelungen.

Die Maßnahmenpakete in Deutschland gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben diese zunächst gebremst und das befürchtete exponentielle Wachstum schließlich gebrochen.

Göttingen – Zu diesem Ergebnis kommen Forscher am Göttinger Max-Placnk-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS).

Sie haben sich seit Mitte März mit einigen Fragen beschäftigt, die viele Menschen, auch Kritiker des deutschen Kurses umtreiben: Wie haben die Maßnahmen gegen Corona gewirkt? Wie wird es in den kommenden Wochen weitergehen?

Das Team simuliert seit Mitte März gemeinsam mit Wissenschaftlern des Göttingen Campus den Verlauf der Corona-Epidemie in Deutschland. In ihren Modellrechnungen setzen die Forschenden die nach und nach greifenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens im März mit der Entwicklung der COVID-19 Fallzahlen in Bezug.

„Unsere Analyse zeigt deutlich die Wirkung der unterschiedlichen Maßnahmen, die letztendlich gemeinsam eine starke Trendwende gebracht haben“, sagt Viola Priesemann, Forschungsgruppenleiterin am MPIDS. Michael Wilczek, ebenfalls Forschungsgruppenleiter und Mitautor der Studie, fügt hinzu: „Unsere Modellrechnungen zeigen uns damit insgesamt den Effekt der Verhaltensänderung der Menschen, die mit den Maßnahmen einhergeht.“

Die Deutschlandanalyse der Göttinger Forschenden auf der Grundlage der Fallzahlen bis zum 21. April deutete insgesamt eine positive Entwicklung für die kommenden Wochen an. Ihre Analyse offenbart jedoch auch eine zentrale Herausforderung bei der Einschätzung der Epidemiedynamik: Änderungen in der Ausbreitung des Coronavirus schlagen sich erst mit erheblicher Verzögerungen in den COVID-19 Fallzahlen nieder. „Die ersten Effekte der Lockerungen vom 20. April sehen wir erst seit Kurzem in den Fallzahlen. Und bis wir die Lockerungen vom 11. Mai bewerten können, müssen wir ebenfalls zwei bis drei Wochen warten.“ sagt Michael Wilczek. Die Forschenden beobachten deswegen die Situation weiterhin ganz genau. Täglich werten sie die neuen Fallzahlen aus um abzuschätzen, ob eine zweite Welle zu erwarten ist.

Drei verschiedene Modellszenarien

Mit drei verschiedene Modellszenarien (siehe Abbildung und Erläuterung unten) zeigt das Göttinger Team zudem, wie sich die Anzahl Neuerkrankungen weiter entwickeln könnte. Falls sich mit den Lockerungen vom 11. Mai die Ansteckungsrate verdoppelt, ist mit dem Start einer zweiten Welle zu rechnen. Nimmt stattdessen die Ansteckungsrate etwa denselben Wert wie die Genesungsrate an, bleibt die Anzahl täglicher Neuinfektionen etwa konstant. Es besteht aber immer die Gefahr einer neuen Welle. Es sei aber auch möglich, dass die Anzahl Neuinfektionen weiter zurückgeht, sagt Viola Priesemann: “Wenn alle Personen weiterhin sehr vorsichtig sind, und die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter effektiv greift, und gleichzeitig alle neuen Infektionsherde früh aufgespürt und eingedämmt werden, dann können die Fallzahlen weiterhin sinken. Wie genau sich die Zahlen in Zukunft entwickeln, hängt also entscheidend von unserem Verhalten, dem Einhalten von Abstandsempfehlungen und den Hygienemaßnahmen ab,” so die Göttinger Physikerin.

VON THOMAS KOPIETZ

Corona: So arbeiten die MPI-Forscher

Insbesondere haben die MPI-Forscher die Wirkung der drei Maßnahmenpakete im März untersucht: die Absagen großer öffentlicher Veranstaltungen ab 8. März, die Schließungen von Bildungseinrichtungen und Geschäften am 16. März und die Kontaktsperre am 22. März. Dazu kombinierten sie Daten über den zeitlichen Verlauf der COVID-19 Neuerkrankungen mit einem Modell für Epidemiedynamik, das es erlaubt, den Pandemieverlauf zu analysieren und Zukunftsszenarien zu untersuchen. Bei ihrer Arbeit hatten die Göttinger Forschenden nicht nur Deutschland im Blick. Das Modell ist auf andere Länder und Regionen übertragbar. „Die Ergebnisse werden schon von Forschenden auf der ganzen Welt benutzt und weiterentwickelt“ sagt Jonas Dehning, Erstautor der Studie. Das Göttinger Team arbeitet nun daran, das Modell auf Europäische Länder anzuwenden. Dabei gilt es besonders, die unterschiedlichen Zeitpunkte der Maßnahmen in den Ländern herauszuarbeiten.

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