Erfindung Göttinger Berufsschüler

Plastik-Pfand-System: Göttinger Supermärkte führen "FairCup" ein

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Anstoßen mit dem „FairCup“: (von links) Berufsschullehrerin Sibylle Meyer, der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin und Real-Geschäftsführer Einkauf Patrick Müller-Sarmiento bei der Vorstellung des Plastik-Pfand-Systems.

Göttingen. Göttinger Berufsschüler haben einen recyclebaren Plastikbecher erfunden, der für weniger Verpackungsmüll sorgen soll. Ab sofort können auch Kunden von zwei großen Göttinger Supermärkten darauf zurückgreifen. 

Von Göttingen in die ganze Welt: Dieses Ziel verfolgen Sibylle Meyer und ihre Schüler von den Berufsbildenden Schulen (BBS) II in Göttingen. Sie haben den „FairCup“, einen recyclebaren Plastikbecher, entwickelt und zur Marktreife gebracht. Nun steigt mit Real eine große Supermarkt-Kette in das Projekt Plastik-Pfandbecher ein.

An den Frische- und Selbstbedienungs-Theken zweier großer Real-Märkte in Göttingen (in Weende und am Kauf-Park) werden die FairCup-Mehrwegbecher gegen Pfand als Ersatz für die Einweg-Kunststoffverpackungen verwendet.

Verpackt werden kann in dem FairCup so gut wie alles, wie Berufsschullehrerin Meyer bei der Vorstellung im real-Markt an der Großen Breite betonte. Nur mit dem Steak könne es noch etwas schwierig werden. „Aber wir denken schon weiter“, sagt Meyer. So entwickeln sie und ihr Team aus Schülern der BBS II neben dem Becher auch ein spezielles Behältnis für feste Nahrung. „Nicht jeder möchte seinen Kaffee aus Bechern trinken, in dem er zuvor Heringssalat aufbewahrt hat“, erklärt die Lehrerin.

Vorerst kommt aber auch die feste Nahrung in den beiden Göttinger Märkten in die Becher. Der leere Becher mit Deckel wird beim nächsten Einkauf mit dem Leergut zusammen im Pfandautomaten zurückgegeben. Sie werden in Kisten gesammelt, die einmal täglich zu my.WorX in Göttingen gebracht werden. Dort werden die Becher gereinigt, mit einer Hygieneplombe verschlossen und wieder an die beiden Supermärkte zurückgeliefert.

Bei der Vorstellung des Systems war auch Ex-Bundesumweltminister und „Mister Dosenpfand“ Jürgen Trittin (Grüne) dabei. Er betonte mit Blick auf die weltweiten Plastik-Müllberge: „Wir müssen etwas dagegen tun. Es muss praktizierbare Alternativen geben.“ Und genau die biete das FairCup-System. Um das Material komplett in den Wertstoffkreislauf zurückführen zu können, ist der Becher aus sortenreinem Plastik gefertigt und nicht bedruckt.

Dass die Becher nicht bedruckt werden dürfen, um sie komplett wiederverwertbar zu halten, führe teilweise zwar dazu, dass sich Städte oder Institutionen nicht für den FairCup interessierten, aber Meyer betont: „Wir machen hier kein Marketing.“ Ihr und ihren Schülern geht es auch nicht darum, den Markt zu beherrschen. Vielmehr ist ihr Ziel, ein funktionierendes System für Mehrweg-Plastik-Behältnisse zu etablieren.

Dabei ist Göttingen nur der erste Schritt. Trittin, Bundestagsabgeordneter aus Göttingen, freut sich zwar darüber, dass diese innovative Idee – in der er eine „riesige Chance“ sieht – hier entstanden ist und umgesetzt wurde. Viel wichtiger ist ihm aber etwas anderes: „Wir müssen es hinkriegen, dass es über Göttingen hinausgeht.“

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Das Unternehmen Real setzt mit dem „FairCup“ in Göttingen auf Ökologie-Bewusstsein und Nachhaltigkeit. Wie Patrick Müller-Sarmiento, Geschäftsführer Einkauf, im Gespräch mit unserer Zeitung betonte, spielen diese Themen in der Gesamt-Ausrichtung eine wichtige Rolle. 

Zum Thema Verpackung sagt Müller-Sarmiento: „Wir müssen wegkommen von dem ganzen Plastik-Müll.“ Dabei spielen ökologische und ökonomische Überlegungen eine Rolle. Denn ohne die Verpackung kosten die Produkte eben weniger. Und so plant das Unternehmen ein deutschlandweites Plastik-Pfand-System. 

Beim Obst und Gemüse setze das Unternehmen zudem fast ausschließlich auf biologische Produkte, erklärt Müller-Sarmiento. Zunehmend mehr Obst und Gemüse in den Märkten komme aus Spezialkulturen. 

Diese Permakulturen sind landwirtschaftlich produktive Ökosysteme, die die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Dabei wird mit allen Ressourcen ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig gewirtschaftet.

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