Göttinger Symphonie-Orchester als Musikbotschafter in China

Ab nach China: Christoph-Mathias Mueller, Dirigent des Göttinger Symphonie-Orchester (GSO), vor seiner beeindruckenden Schallplattensammlung. Foto: Kopietz

Göttingen. Das Göttinger Symphonie-Orchester gibt es seit 152 Jahren. Es ist werbeträchtiges Symbol und Musikbotschafter für die Stadt.

Zum ersten Mal jetzt auch in China. Das GSO gibt dort bis zum 22. Dezember sechs Konzerte. Wir sprachen mit dem Musikdirektor des GSO, Christoph-Mathias Mueller, vor der Abreise.

Herr Mueller, heute in Dransfeld, in wenigen Tagen in Shanghai. Das GSO zieht aus der Region in die Welt hinaus - mit welchen Gefühlen? 

Christoph-Mathias Mueller: Das klingt schon ein wenig unglaublich, ist es für uns Musiker auch, aber es wird schnell Realität, wenn wir die je zwei Konzerte in Dalian, Wuhan und Shanghai spielen. Shanghai, ja das ist schon topp, ein großer Name in der Reihe Konzerthäuser. Und: Eine solche Tournee mit Flugreise hat es in der 152-jährigen Geschichte des Orchesters noch nie gegeben. Das GSO betritt damit Neuland. Am 15.Dezember ist das erste Konzert in Dalin, am 22. Dezember das sechste. Die letzten unserer Gruppe werden am 24. Dezember wieder eintreffen, pünktlich zum Heiligen Abend.

Wie kam die China-Tournee zu Stande? 

Mueller: Eine befreundete Kollegin, sie spielt im Rundfunkorchester in Frankfurt und ist Chinesin, sprach mich an. Ich kannte sie vom Studium in Cincinnati. Sie verschaffte den Kontakt zu einer Agentur. Dann mussten wir uns bewerben und die hohen Anforderungskriterien erfüllen. In der Reihe, die seit zehn Jahren läuft, sind schon große europäische Orchester wie das London Symphonic Orchestra aufgetreten. Wir mussten die CD-Produktionen vorweisen. Das Orchester wurde auch von Juroren angehört. Schließlich wurden wir ausgewählt.

Wie groß ist die Gruppe? 

Mueller: Groß. Insgesamt 86 Personen werden mitfliegen. Wir haben uns für diese Tournee auch vergrößert. Zu unseren 60 Musikerinnen und Musikern kommen einige Gäste - vom Rundfunkorchester aus Frankfurt - dazu. Bei uns wurden alle verpflichtet an der Reise teilzunehmen. Grundsätzlich ist das ein immenser logistischer Aufwand.

Gibt es ein besonderes Programm? 

Mueller: Ja. Wir spielen auch fünfmal das selbe Programm. Wunsch war ein deutsches Programm, ebenfalls, dass der erste Teil ein wenig leichter ist, zur Einstimmung. Dazu kommt ein chinesisches Stück: „The Sound of Yida“. Wir beginnen mit der Festival Spring Overture von Li Huan Zhi, das ist eines der bekanntesten chinesischen Werke. Dann gibt es Weber, drei Sätze aus Hänsel und Gretel von Humperdinck, plus drei ungarische Tänze von Brahms, der ja in Göttingen lebte und ein gebrochenes Herz dort hinterließ. Nach der Pause gibt es die zweite Sinfonie von Brahms. Das ist ein schönes Programm. Dabei zeigt sich auch die Kernkompetenz des Orchesters. Der chinesische Veranstalter wollte die deutsche Tradition hören. Das verkörpert das GSO ja, obwohl wir Musiker aus 20 Nationen bei uns haben.

Was bedeutet die Reise für das Orchester? 

Mueller: Zunächst einmal muss man sagen: Es ist an der Zeit, dass das GSO auf große Tournee in die Welt geht. Das Niveau ist entsprechend. Die Musikerinnen und Musiker haben sich das verdient. Für uns ist das natürlich auch eine große Werbung. Wir, die ja Göttingen in der Region und in Niedersachsen repräsentieren - zum Teil auch in anderen Bundesländern - können das nun in China tun, das ist wunderbar.

Ist das auch Motivation für die Musiker? 

Mueller: Auf jeden Falle. Das ist eine herausragende Sache und eine Bestätigung für die Arbeit. Ich erwarte mir davon auch für die ohnehin gute Atmosphäre innerhalb des Orchesters noch einmal eine Verbesserung. Ich denke das wird alle noch mehr zusammenbringe, die Mannschaft stärken. Das Orchester ist ohnehin schon sehr offen. Gastmusiker sind meist begeistert, sagen: Das ist ein nettes Orchester. Im positiven Sinne. Deshalb kommen große Musiker wie Frank Peter Zimmermann zu uns. Das Geld können wir nicht bieten, unser Prestige wächst, und Pleasure - Freundlichkeit - haben wir einfach - dazu eine hohe Qualität.

Von Thomas Kopietz

 

Zur Person

Christoph-Mathias Mueller (47) ist seit 2005 Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters. Sein Konzertdiplom erlangte der Schweizer an der Musikhochschule Basel im Fach Violine, das Master-Studium in Musik hat er an der US-amerikanischen Universität von Cincinnati abgeschlossen. Muellers Stärken liegen in der Offenheit für neue musikalische Einflüsse und seinen Mut für Klang-Kontraste. Der internationaler Durchbruch gelang ihm, als er im Jahr 2000 den internationalen Dirigierwettbewerb in Cadaqués (Spanien) gewann. Seitdem gastiert Mueller regelmäßig auf den großen Musikbühnen dieser Welt und hat zahlreiche CDs aufgenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.