1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Göttinger Tafel schlägt Alarm: Lebensmittel reichen nicht mehr

Erstellt:

Von: Kira Müller

Kommentare

Ehrenamtliche Helferinnen der Göttinger Tafel (von links) Ines Eggert, Waldtraut Tusch, Octavia Jünke
Die Göttinger Tafel kommt an ihre Kapazitätsgrenze: Als ehrenamtliche Helferinnen engagieren sich dort (von links) Ines Eggert, Waldtraut Tusch, Octavia Jünke. © Kira Müller

Die Göttinger Tafel ist in Not: Eine anhaltend hohe Nachfrage und Personalmangel sorgen für Probleme bei der Unterstützung Bedürftiger.

Göttingen – Die Situation der Tafeln in Deutschland bleibt weiterhin angespannt. Vielerorts machen den Verantwortlichen fehlende Fachkräfte, steigende Preise und zu wenig Lebensmittel für die Bedüftigen Probleme. Auch bei der Tafel Göttingen hat die Nachfrage nach den Hilfsangeboten in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen. Das erklärt Geschäftsleiter Moritz Wiethaup.

„Hatten wir Mitte März etwa 900 registrierte Kunden sind es heute ungefähr 1.900 Personen“, sagt er. Etwas mehr als die Hälfte der aktuellen Kunden seien Menschen aus der Ukraine.

Göttinger Tafel in Not: Nachfrage nach Unterstützung hat dramatisch zugenommen

Die Auswirkungen für die Kunden und die rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter seien deutlich spürbar: Ausgabeschichten seien äußerst stark besucht, Wartezeiten haben sich verlängert, der Arbeitsaufwand stark erhöht und die Versorgung mit Lebensmitteln zur Verteilung sei schwierig.

Frisches Gemüse
Frisches Gemüse: Die Göttinger Tafel hat jetzt etwa 1.000 Kundinnen und Kunden mehr als im März. © Kira Müller

Eine Ausgabeschicht dauert vier Stunden – dabei nehmen im Durchschnitt jeweils 70 bis 80 Personen das Angebot in Anspruch. „Wir können nur das verteilen, was wir täglich zur Verfügung haben“. Rund 55 Händler würden teils drei- bis fünfmal pro Woche angefahren. Dennoch reichen die Lebensmittel nicht aus. Grundsätzlich gelte: Alles, was schnell verderblich ist, bekommt die Tafel öfter – etwa Obst, Gemüse, Back- und Milchprodukte. Konserven seien eine Ausnahme.

Die bisherigen Maßnahmen – wie die Ausweitung der Öffnungszeiten, Aufstockung des Personals und der spendenfinanzierter Zukauf von Lebensmitteln – zeigen zwar für den Moment die erhofften Wirkungen, werden bei einem fortgesetzten Anstieg der Kundenzahlen allerdings nicht dauerhaft ausreichen können. „Größere Akteure, wie der Staat, müssen helfen und unterstützen“, so Wiethaup.

„Wir versuchen Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Das bedeutet aber, dass wir im Moment fünf bis zehn Prozent der Ware als Ergänzung zukaufen müssen.“ Damit würden die derzeitigen Engpässe zumindest abgefedert.

Gruppenfoto: Moritz Wiethaup Geschäftsführer Göttinger Tafel, ganz rechts
Moritz Wiethaup (ganz rechts), Geschäftsführer Göttinger Tafel, macht auf die schwierige Situation der Tafel in der Uni-Stadt aufmerksam. © mehle - hundertmark fotografie

Einen Aufnahmestopp gebe es trotz der erhöhten Nachfrage nicht, Neuanmeldungen und Verlängerungen seien weiterhin möglich, so Wiethaup. Änderungen für die Zukunft seien nicht vorgesehen, mittelfristig allerdings nicht auszuschließen. „Unser vorrangiges Ziel bleibt es, so lange wie möglich allen hilfsbedürftigen Menschen Zugang zu unserer Unterstützung zu gewähren, unabhängig von Nationalität, Herkunft und dem Grund der Bedürftigkeit.

Weder Aufnahmestopp noch Änderungen am Verfahren: Die Göttinger Tafel macht weiter wie bisher

Dass viele Tafeln in ganz Deutschland momentan zu Maßnahmen wie Aufnahmestopps greifen müssen, betrachten wir mit großer Sorge: Allzu deutlich werden hier die Grenzen ehrenamtlichen Engagements in der Bekämpfung von Armut in unserem Land“, so der Geschäftsleiter. Die Tafel sei derzeit ein Indikator für eine erhöhte Gefährdung der Armut „Es ist eine besorgniserregende Entwicklung“, sagt Wiethaup.

Auch die steigende Inflation wirkt sich in mehrfacher Hinsicht auf die Situation bei der Tafel aus: Zum einen steigen die Betriebskosten, insbesondere durch den Anstieg der Energiepreise. Zum anderen ist davon auszugehen, dass durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten mehr Menschen in die Situation geraten, Hilfsangebote wie die der Tafel Göttingen in Anspruch nehmen zu müssen.

Ehrenamtliche Helfer werden weiterhin dringend gesucht, erklärt Wiethaup. Aktuell besteht Bedarf an Fahrern für den täglichen Lieferdienst; Fahrern/Ausgabekräften und Mitarbeitern mit Sprachkenntnissen in Ukrainisch oder Russisch. (Kira Müller)

Kontakt und Infos unter tafelgoettingen.org; E-Mail: info@tafelgoettingen.org oder unter Tel 05 51/5 10 30.

Auch interessant

Kommentare