Männer sitzen im Langzeitgewahrsam

Göttinger Terrorverdächtige: Anschlag hätte jederzeit erfolgen können

Göttingen. Am Tag nach der Festnahme zweier Terrorverdächtiger in Göttingen herrscht Unklarheit über die mutmaßlichen Anschlagspläne. Die Verdächtigen sitzen im Langzeitgewahrsam.

Gegen die beiden in Göttingen festgenommenen Terrorverdächtigen sind bislang noch keine Strafverfahren eingeleitet worden. "Die Ermittlungen laufen aber auf Hochtouren", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Es werde geprüft, welche Straftatbestände möglicherweise erfüllt sein könnten.

Der 22 Jahre alte Nigerianer und der 27-jährige Algerier befänden sich vorerst für bis zu zehn Tage im sogenannten Langzeitgewahrsam, sagte der Sprecher. Eine Befragung der beiden Männer, die der gewaltbereiten radikal-islamistischen Szene zugerechnet werden, solle voraussichtlich in den kommenden Tagen stattfinden. Bis dahin würden weitere Spuren ausgewertet.

Die Männer waren am Donnerstag während einer Großrazzia festgenommen worden. Dabei hatten insgesamt 450 Beamte zehn Wohnungen und ein Geschäft in Göttingen sowie eine Wohnung in Kassel durchsucht. Die beiden Festgenommenen werden verdächtigt, einen Terroranschlag geplant zu haben.

Die Vorbereitungen dazu waren nach Einschätzung der Ermittler so weit fortgeschritten, dass der Anschlag jederzeit hätte durchgeführt werden können. Details zu dem möglichen Terroranschlag nannte die Polizei auch am Freitag nicht. In Göttingen blieb es nach Polizeiangaben in der Nacht nach der Großrazzia ruhig. Es habe keinerlei Zwischenfälle gegeben.

Unklar ist vorerst, was mit den Terrorverdächtigen passieren soll. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte erklärt, die in Deutschland geborenen Männer sollten möglichst bald abgeschoben werden. Sie wurden nach Angaben der Polizei zunächst nach Braunschweig verlegt. Dort können sie zehn Tage festgehalten werden, bis über eine Abschiebung oder eine mögliche Untersuchungshaft entschieden ist.

Außer scharf gemachten Waffen, Munition und IS-Flaggen wurden bei den Durchsuchungen am Donnerstag auch verschiedene Messer und Pyrotechnik sowie elektronische Speichermedien und Geräte wie Handys und Laptops beschlagnahmt, wie die Polizei mitteilte. Die Daten würden jetzt ausgewertet, sagte der Sprecher. Die Waffen sollen beim niedersächsischen Landeskriminalamt in Hannover untersucht werden.

Möglicher Terroranschlag in Göttingen verhindert - Pressekonferenz der Polizei

In Göttingen gibt es nach Einschätzung der Ermittler eine wachsende radikal-islamistische Szene mit Kontakten zu gewaltbereiten Islamisten in anderen deutschen Städten. Bereits im März 2016 hatte die Polizei Hinweise darauf gehabt, dass sich radikale Islamisten Waffen beschaffen wollten. Damals war der jetzt festgenommene 27-jährige Algerier schon einmal in Gewahrsam genommen worden. Die Frage, ob es in der Szene außer den beiden jetzt Festgenommenen weitere sogenannte Gefährder gibt, denen Anschläge zugetraut werden, ließ die Polizei unbeantwortet. Ein Sprecher sagte allerdings, dem harten Kern der Szene würden bis zu acht Personen zugerechnet. (lni)

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