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Wenn Prostituierte im Bordell träumen

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Von: Ute Lawrenz

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Knallhartes Thema Zwangsprostitution: Das Theater im OP spielt in Uraufführung das Stück „Sie“. Zu sehen sind hier die ThOP-Schauspielerinnen (von links) Pauline König als „Carmen“, Katja Schneppe als „Sara“, Maryam Rosenboom als „Erika“ und Joleen Friedrichs als „Nowa“.
Knallhartes Thema Zwangsprostitution: Das Theater im OP spielt in Uraufführung das Stück „Sie“. Zu sehen sind die ThOP-Schauspielerinnen (von links) Pauline König als „Carmen“, Katja Schneppe als „Sara“, Maryam Rosenboom als „Erika“ und Joleen Friedrichs als „Nowa“. © Dirk Opitz ThOP

Schwere Kost steht beim Theater im OP (ThOP) mit der Uraufführung „Sie“ auf der Karte. Es geht um Zwangsprostituion.

Göttingen: Verdaulich wird „Sie“, das Stück zum Thema Zwangsprostitution, aber in der Inszenierung des Autors Philipp-Michael Schlöter (Co-Autorin Yasemine Dittmann). Der spannende Abend von fast dreieinhalb Stunden regt trotz Länge zum Weiterdenken an.

Die Story erzählt von Abigail. Fast seit sie denken kann, lebt sie im Bordell und hat sich ihr Leben eingerichtet unter der Herrschaft der Madam – wie sich bald offenbart ist sie Abigails Mutter.

Mit einer neuen „Lieferung“ von Frauen wird Abigails Lebenskonstruktion erschüttert. Die noch minderjährige Nowa rüttelt schreckliche Erinnerungen bei ihr wach. Mit aller Macht will sie das Mädchen vor ihren eigenen menschenunwürdigen Erfahrungen schützen und stößt damit auf wenig Gegenliebe. Kein Wunder, so skrupellos, wie sie vorgeht. Um ihrem Schützling zu helfen, geht sie über Leichen.

Das Stück „Sie“ im ThOP ist spannend

Obwohl das Leben der Frauen, die durch Menschenhandel in die Katastrophe geraten sind, so trostlos wie ausweglos erscheint, ist ein spannendes Stück entstanden.

Um die Situation der Frauen im Bordell möglichst lebensnah zu erfassen, zählten als Grundlage Interviews und Lebensgeschichten. So wünscht sich Erika ein Leben mit ihrem Sohn, den sie, weil das Geld knapp war, früh abgeben musste. Obwohl sie sich kaum erinnert, wie er aussieht, stellt sie sich vor, mit ihm in einer schönen Stadt zu leben.

Prostituierte chillen in den Pausen gemeinsam

Wenn die Frauen in ihren Arbeitspausen nicht in ihre Zimmer gescheucht werden, chillen sie gemeinsam, tanzen, quatschen. Die verschiedenen Handlungsorte werden im ThOP mit einer klaren Aufteilung der Bühne (Lisa Rubart, Ulf Janitschke, Mo Pfeil, Peter Witt) unterstützt durch die Lichtführung (Dominic Wolf) umgesetzt. So steht die Bar im Bordell auf der einen Seite, gegenüber auf der Galerie befindet sich das Büro der Madam. Dazwischen liegt der Gemeinschaftsraum der Prostituierten und eines ihrer Separees.

Die Kostüme (Thomas Sefczyk) ergeben sich aus dem Spielort. Musik unterstützt die Stimmung von aggressiv bis melancholisch.

„Sie“ im ThOP: Mehr als 20 Darstellende

Gut gelingt Monika Giro eine Madam, die ihre Macht kennt und sie herrisch ausspielt. Anne-Sophie Heerdt zeigt Abigail als Frau, die immer wieder an sich zweifelt und doch für die verunsicherte Nowa (Joleen Friedrichs) ungeahnte Energien entwickelt. Pauline König spielt die Tochter eines Geistlichen, die sich als Prostituierte selbst verwirklicht und sogar Spaß am Pole Dance findet. Maryam Rosenboom muss als Erika verkraften, dass Versprechungen im Bordell nicht eingehalten werden.

„Sie im ThOP: Ein toller Abend für die, die auch schwere Theater-Kost mögen

Bei mehr als 20 Darstellern ist es unmöglich, jeden zu nennen. Insgesamt ist die darstellerische Leistung überzeugend. Ein toller Abend für die, die auch schwere Kost mögen.

Die nächsten Vorstellungen werden am Montag, 8. August, Mittwoch 10. und Freitag, 12. August. jeweils um 20.15 Uhr gespielt. Weitere Termine unter www.theater-im-op.de (Ute Lawrenz)

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